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Lebensversicherungen: Das bedeuten die sinkenden Garantiezinsen für Sie

Der Garantiezins bei Lebensversicherungen soll auf 1,25 Prozent sinken. Eine weitere Änderung trifft auch bestehende Verträge. Was Kunden jetzt wissen müssen.

Es geht um Milliarden-Reserven und die Altersvorsorge von mehreren Millionen Menschen: Viele Lebensversicherer haben wegen der niedrigen Zinsen Probleme, ihre Zusagen einzuhalten. Jetzt greift die Politik der Branche unter die Arme - auch, um langfristige Ansprüche aller Versicherungsnehmer zu sichern. Das geht zulasten eines kleineren Kundenteils. Aber auch Aktionäre, Vermittler und die Unternehmen selbst müssen einen Beitrag zur Stabilisierung leisten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie steht es aktuell um die Lebensversicherer?

Die Lage ist differenziert. Die Bundesbank kam 2013 in einem Stressszenario zu dem Befund, das bei langanhaltenden Niedrigzinsen ein großes Gefährdungspotenzial bestehe und bis zum Jahr 2023 mehr als ein Drittel der Versicherer nicht mehr die Kapitalanforderungen erfüllen dürfte. Betroffen wären damit 32 Unternehmen in Deutschland mit einem Beitragsanteil von 43 Prozent - bezogen auf das Jahr 2012. Hinzu kommt, dass die Lebensversicherung als Altersvorsorge-Produkt immer weniger attraktiv wird - was wiederum zur Folge hat, dass die Branche weniger Beitragseinnahmen durch neue Verträge verbuchen kann. Ein weiter sinkender "Garantiezins" könnte den Trend beschleunigen.

Was bedeutet ein niedrigerer Garantiezins?

In der Vergangenheit haben Lebensversicherer mit hohen Garantiezinsen geworben. Oft erwirtschafteten sie sogar mehr. Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Der Garantiezins - exakt eigentlich Höchstrechnungszins - ist im Sinkflug. Nun soll er zum 1. Januar 2015 erneut gedrückt werden - von 1,75 auf 1,25 Prozent. Das ist die Obergrenze dessen, was Unternehmen den Kunden maximal zusagen können. Das würde der Branche etwas Luft verschaffen, die Lebensversicherung als Anlage aber noch weniger attraktiv machen.

Was bedeuten die Änderungen bei den Bewertungsreserven?

Diese stillen Reserven speisen sich aus Kursgewinnen, die die Versicherer mit dem Kundengeld erzielen - etwa bei Wertpapieren oder Immobilien. Kunden, deren Vertrag regulär ausläuft oder die ihre Police vorzeitig kündigen, erhalten bisher die Hälfte der Bewertungsreserven, die auf ihre Lebensversicherung entfallen.

Die große Koalition will für eine "gerechtere Beteiligung der Gesamtheit der Versicherten" an den Bewertungsreserven festverzinslicher Wertpapiere sorgen. Künftig soll die Beteiligung an den entsprechenden Bewertungsreserven begrenzt werden. Das könnte nach Angaben aus Regierungskreisen für Kunden im Schnitt zu Einbußen von 440 Euro führen. Allerdings: Dies ist ein rein statistischer Wert - bezogen auf das Jahr 2012 mit damals 6,6 Millionen ausgelaufenen Verträgen. Die Konditionen und Versicherungssummen unterscheiden sich aber, so dass mögliche Einbußen kaum beziffert werden können.

Wie sind Altkunden betroffen?

Der niedrigere Garantiezins gilt nur für neue Verträge, die ab 1. Januar 2015 geschlossen werden. Altkunden behalten den bei Vertragsabschluss vereinbarten höheren Garantiezins. Die Änderungen bei den Bewertungsreserven gelten jedoch für alle - auch Bestandskunden.

Soll ich meinen bestehenden Vertrag kündigen?

Die Änderung bei den Bewertungsreserven stellt Kunden schlechter. Im Einzelfall kann es daher sinnvoll sein, den Vertrag zu kündigen. Allerdings bringt jede vorzeitige Kündigung andere Nachteile mit sich, weil der Versicherer Schlussüberschüsse einbehält. Bevor man einen Vertrag kündigt, sollte man sich daher genau informieren, wie viel Geld man in diesem Fall erhält. Und das dann mit dem Ertrag vergleichen, den man voraussichtlich erzielen würde, wenn man den Vertrag erfüllt. Da es um viel Geld geht, im Zweifel lieber von einem unabhängigen Experten, etwa bei der Verbraucherzentrale, beraten lassen.

Soll ich jetzt noch schnell einen Vertrag abschließen?

Der Garantiezins sinkt von niedrig auf sehr niedrig. Mit anderen Worten: Der Zins ist schon jetzt wenig lukrativ. Ein gutes Geschäft macht der Kunde nur, wenn der Versicherer deutlich mehr auszahlt als den Garantiezins. Schnell noch einen Vertrag abschließen sollte daher nur derjenige, der das ohnehin vorhatte. Verbraucherschützer sehen die Verträge allerdings kritisch, weil sie unflexibel sind und hohe Kosten beinhalten.

bak/DPA / DPA