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Staat senkt Garantiezins: Lebensversicherung mutiert zur Schrumpfanlage

Erst kappen die Versicherer die Überschussbeteiligung und nun kürzt der Staat auch noch den Garantiezins: Die Lebensversicherung, einst der Deutschen liebste Geldanlage, wirft immer weniger Rendite ab und wird so zum Auslaufmodell.

Zum Haare raufen: Lebensversicherungen werfen zunehmend weniger Rendite ab

Zum Haare raufen: Lebensversicherungen werfen zunehmend weniger Rendite ab

Der Garantiezins für Lebensversicherungen wird 2012 deutlich gesenkt und macht die Lieblingsanlage von Millionen Deutschen damit weniger attraktiv. Der Höchstrechnungszins, der die unabhängig von der Lage an den Kapitalmärkten garantierte Verzinsung der Beiträge bemisst, werde zum 1. Januar auf 1,75 von 2,25 Prozent fallen, teilte der Versicherungsverband GDV am Dienstag in Berlin mit. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums verteidigte die Verordnung mit der "andauernden Niedrigzinsphase". Die Senkung sei im Interesse der Verbraucher.

Hintergrund sind die Probleme vor allem kleinerer Anbieter, am Kapitalmarkt eine ausreichend hohe Rendite einzufahren. Damit sind die langfristigen Versprechen an die Kunden in Gefahr. "Wir hatten uns für eine moderate Anpassung des Höchstrechnungszinses auf 2,0 Prozent ausgesprochen", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. Der GDV argumentierte, dass die Zinsen zuletzt wieder gestiegen seien und der Konjunkturaufschwung eine weitere Normalisierung erwarten lasse.

Kaum mehr als Inflationsausgleich drin

Auch die Versicherungsmathematiker aus der Branche hatten eine Senkung auf 2,0 Prozent für ausreichend gehalten. Ihrer Empfehlung war das Finanzministerium bisher stets gefolgt. Der Sprecher sagte, in diesem Fall hätte eine zweimalige Senkung binnen kurzer Zeit gedroht, die einen unnötig hohen Aufwand zur Folge gehabt hätte. Das Ministerium hatte zunächst sogar mit einer Senkung zur Jahresmitte gedroht. Der Sprecher sagte, der 1. Januar sei mit Rücksicht auf die Branche gewählt worden, die ihre Tarife in der Regel zum Jahreswechsel umstelle.

Garantieren können die Lebensversicherer ihren Kunden damit künftig über die Laufzeit der Verträge kaum noch mehr als einen Inflationsausgleich, warnen Kritiker. Das macht das Neugeschäft für sie schwieriger. Der Rest der Überschussbeteiligung, die die Versicherer jedes Jahr neu festlegen, hängt von den Wertpapiermärkten ab, an denen die Versicherer die Beiträge der Kunden anlegen - überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen. Momentan liegt die Gesamtverzinsung in der Lebensversicherung - einschließlich der Schlussüberschüsse - bei rund 4,8 Prozent. Einer Umfrage zufolge will in diesem Jahr mehr als jeder zweite Versicherer die Überschussbeteiligung für 2011 senken.

Minizins betrifft nur Neuverträge

Der Branchenverband betonte, nur Neuabschlüsse ab 2012 seien von der Senkung des Garantiezinses betroffen. Für laufende Verträge, die oft noch mit deutlich höheren Renditen lockten, ändere sich nichts. Der Garantiezins liegt seit 2007 bei 2,25 Prozent, für Verträge, die von 1994 bis 1999 abgeschlossen wurden, hatte er noch 4,0 Prozent betragen. Diese hohen Versprechungen belasten heute die Versicherer.

Reuters/joe / Reuters