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Münzsammler: Heiße Ware beim Papst

Im Vatikan ist der Teufel los: Es gibt wieder neue seltene Euro-Münzen. Den Käufern winken himmlische Gewinne.

Wer das vatikanische Postamt nicht kennt, hat es schwer, es auf Anhieb zu finden. Zwischen den Prunkbauten Petersdom und Kolonnaden scheint es zu versinken. Vier Stufen führen hinab, durch eine gläserne Schiebetür gelangt man in das flache Gewölbe. Wo sonst Touristen brav ihre Postkarten abstempeln lassen, wird von diesem Freitag an, pardon, der Teufel los sein. Die Post des Papstes hat endlich wieder frische Euro- und Cent-Stücke im Angebot. Das ist keine Selbstverständlichkeit: Der Vatikan lässt die Münzen in winzigen Mengen prägen. Auch diesmal werden nur 85.000 Sätze mit je acht Münzen verkauft. So sind die Geldstücke des Kirchenstaats die am heißesten begehrten Sammlerstücke in Euroland. Ihr Wert steigt sofort um ein Vielfaches über den Kaufpreis. Wobei der schon eine Kuriosität ist: Für den Achter-Satz verlangt die Vatikan-Post nicht etwa, was draufsteht - zusammengerechnet also 3,88 Euro. Sondern: 21 Euro! Das macht einen Gewinn von 441 Prozent. Manchem mag da das Alte Testament einfallen, Ezechiel 18,13: "Der gegen Zins leiht und Wucher treibt - soll er dann am Leben bleiben?" So viel wie diesmal haben die Glaubensbrüder noch nie draufgeschlagen: Bisher kosteten die Münzsätze zwölf und dann 15 Euro. Auch in diesem Jahr sind außerdem 16.000 Sätze mit einer Spiegelglanzspeziallegierung zu haben. Preis je Satz: 125 Euro.

Aufstehen in Herrgottsfrühe

Die Bediensteten der Vatikan-Post haben trotz der hohen Preise keinen Zweifel: Die neuen Editionen werden den gleichen Käuferansturm auslösen wie die ersten Münzen mit dem Konterfei des Papstes im März 2002. "Einige haben sogar vor dem Petersplatz kampiert", erinnert sich eine Dame hinterm Schalter. Nur wer in aller Herrgottsfrühe auf den Beinen war, hatte eine Chance, die Münzen zu ergattern. Zu Tausenden waren sie aus ganz Europa angereist. Jeder durfte höchstens zwei Sätze erwerben. Innerhalb von vier Tagen waren die 65.000 Münzsätze vergriffen.

Die üppigen Währungsgeschäfte verdankt der Ministaat mit seinen 560 Bürgern einem Anhang zum Maastricht-Vertrag, der festlegt, dass der Vatikan pro Jahr Euro-Münzen im Nennwert von 670.000 Euro prägen lassen darf. Schon zu Lira-Zeiten konnten sich die Päpste auf den Münzen verewigen. Als der Euro mit dem Konterfei von Johannes Paul II. erschien, gab es trotzdem erst mal Ärger: Die Franzosen ätzten, dass der Papst kein Staatsoberhaupt sei und deshalb auf den Münzen nichts verloren habe. Peanuts, sagte sinngemäß Schatzminister Sergio Kardinal Sebastiani, der Vatikan sei wie eine Monarchie und die anderen Monarchien bildeten ja auch ihren Souverän ab.

Kaum jemals in den Umlauf gekommen

Wer jetzt sein Portemonnaie auf der Suche nach Papstköpfen umstülpen will, kann es stecken lassen: In den Umlauf ist kaum je eine Münze gekommen. Private Sammler vervollständigen damit ihre Kollektionen. Besonders begehrt sind neben dem Vatikan Geldstücke aus Monaco und San Marino, die nicht Mitglied der Währungsunion sind, aber ihr eigenes Geld prägen. Viele spekulieren dabei auf die Wertsteigerung. Die Euro-Sätze aus Monaco und San Marino erreichen Preise bis 350 Euro.

Die Münzhändler freut es

Doch der Papst übertrifft alles. Ein Satz zu damals zwölf Euro lässt sich für etwa 400 Euro weiterverkaufen. Dem Römer Franco Brunetti brachten die Münzen mit Karol Wojtyla bei einer Versteigerung im Internet sogar 5000 Euro. Angebote kommen auch aus China und den USA. Bei Ebay versteigerte ein "Pierre" aus dem italienischen Biella seinen Erstausgabe-Satz für 1200 Euro. "Der erste Kursmünzensatz der Kleinstauflage des Vatikan 2002 war sofort nach der Ausgabe vergriffen, und nur noch Einzelstücke waren über den Zweitmarkt zu beschaffen", teilt die Münzhandelsgesellschaft Emporium Hamburg mit. In ihrem Sortiment gibt es den Vatikan-Münzsatz von 2002 zum Tagespreis von derzeit 1579 Euro, die Auflage von 2003 kostet 695 Euro.

Die Gewinne locken auch windige Geschäftemacher an. Die Internumis Münzhandelsgesellschaft in Eriskirch bot einen Satz aus Andorra zu 199 Euro an. Nur: Andorra prägt gar keine Geldmünzen.

Luisa Brandl / print
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