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Telefontarife: Richtig umsteigen

Was bringt der Wechsel des Telefonanbieters im Ortsnetz? Wir erklären wie Preselection funktioniert, wer davon profitiert,wie viel man dabei sparen kann und wie lange der Wechsel dauert.

Wer profitiert am meisten?
Im Unterschied zum Call-by-Call-Verfahren, bei dem der Kunde vor jedem Gespräch eine fünfstellige Kennzahl wählen muss, ist beim neuen Preselection im Ortsnetz die Nummer des Telekom-Konkurrenten schon fest installiert. Die größten Preisunterschiede zwischen den Tarifen der Deutschen Telekom und denen der Wettbewerber bestehen dabei in der Hauptzeit - also in der Regel werktags zwischen acht und 18 Uhr. Berufstätige Singles dürften demnach weniger profitieren als Familien mit Kindern im jugendlichen Alter. Im Schnitt telefoniert eine Familie rund zehn Stunden im Monat, davon vier in der Hauptzeit. Wechselt sie zum Preisbrecher 01051 (siehe Tabelle), spart sie allein tagsüber gut sieben Euro pro Monat. Je mehr Gespräche kürzer als eine Minute dauern, desto größer ist der Preisvorteil. Grund: Die Telekom rechnet - abgesehen von Sondertarifen - mit längeren Taktzeiten ab. Fazit: Wer tagsüber viel telefoniert, spart am meisten.

Wer ist am billigsten?

Bislang telefoniert man bei 01051 am günstigsten. Allerdings legt sich das Unternehmen nicht fest, für wie lange sein Startpreis gelten soll. Das Angebot des Telekom-Konkurrenten Tele2 gilt nur bis zum Monatsende. Telefonexperte Martin Müller vom Internetportal Teltarif rechnet mit baldigen Preissteigerungen, weil die Startangebote von einem Cent pro Minute unter den Summen liegen, die die Firmen selbst für die Nutzung der Leitungen an die Telekom zahlen müssen. Müller: "Ein seriöser Tarifvergleich ist bei diesen Extrempreisen noch gar nicht möglich." Zudem kann sich Dumping im Ortsnetz für diese Firmen nur lohnen, wenn sie die Einbußen an anderer Stelle - zum Beispiel bei Gesprächen vom Festnetz zum Handy - reinholen. So akzeptieren Tele2 und 3U einen Preselection-Kunden für das Ortsnetz nur, wenn er sich auch für alle anderen Gespräche auf die Firma festlegt. Rat: Verträge mehrerer Firmen schicken lassen und genau die Bedingungen studieren.

Preisrutsch wie bei Ferngesprächen?

Nach der Liberalisierung des Telefonmarktes für Fern- und Auslandsgespräche sanken die Minutenpreise um bis zu 90 Prozent. Eine solche Preissenkung sei bei Ortsgesprächen nicht zu erwarten, sagt Torsten Gerpott, der an der Uni Duisburg Telekommunikationswirtschaft lehrt. Experten gehen von einem Sparpotenzial von 20 bis 30 Prozent aus.

Wie funktioniert Preselection?

Die Kunden schließen einen Vertrag mit dem Alternativanbieter ab. Trotz des Wechsels bleibt die Kundenbeziehung mit der Telekom bestehen, die weiterhin die Grundgebühr für den Anschluss kassiert und bei 01051 auch die Rechnungsstellung übernimmt. Andere Anbieter schicken eigene Telefonrechnungen. Beim Wechsel wird eine einmalige Gebühr von 5,10 Euro fällig, die die neue Telefonfirma in der Regel übernimmt. Wer sich bereits für Ferngespräche auf einen Telekom-Konkurrenten festgelegt hat, braucht trotzdem für Preselection im Ortsnetz einen neuen Vertrag. Ausnahme: "In einigen Altverträgen haben sich die Kunden schon vorab für Stadtgespräche zu einem Wechsel verpflichtet", sagt Experte Müller. So verweisen Arcor oder Tele 2 schon heute auf Hunderttausende Wechselanträge. Achtung: Nicht jeder Anbieter deckt alle Ortsnetze ab. Vor allem 3U hat Lücken.

Wie lange dauert der Wechsel?

Die Telekom stellt pro Tag etwa 15.000 Kunden um. So entstehen im Extremfall monatelange Wartezeiten. Gut möglich, dass sich die Preise schon geändert haben, wenn man umgeschaltet ist. Zumindest müssen Kunden über Tarifverschlechterungen rechtzeitig informiert werden. Tipp: Kündigungsfristen beachten! Oder abwarten und Schnäppchenpreise erst einmal Call-by-Call mitnehmen.

Joachim Reuter, Johannes Röhrig

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