Termingeschäfte Wie Profis bei fallenden Kursen abkassieren


Wenn die Kurse abstürzen, sind Verluste vorprogrammiert? Nicht immer. Sogenannte Termingeschäfte sind ein Weg, um aus der eigentlich negativen Entwicklung Positives herauszuziehen. stern.de beschreibt, warum.
Von Olaf Wittrock

Die Kurse sinken und trotzdem machen Aktienhändler Gewinne: mit Hilfe von "Optionen", "Forwards" oder "Futures". Die Namen der Produkte deuten schon an, dass es bei allen Varianten um Termingeschäfte geht, also Spekulationen auf künftige Entwicklungen. Zudem handelt es sich immer um so genannte Derivate: Finanzinstrumente, deren Entwicklung an den Verlauf eines anderen Produkts gekoppelt ist - meist eine Aktie oder ein Marktindex.

Landwirte kennen solche Geschäfte schon seit langem: Sie vereinbaren regelmäßig schon im Voraus, zu welchem Preis sie ihr Getreide oder Vieh später verkaufen wollen. Mit solchen "Forward"-Kontrakten gewinnen sie Planungssicherheit in Märkten, auf denen die Preise üblicherweise stark schwanken. "Future"-Geschäfte funktionieren analog: Wer es eingeht, verspricht ebenfalls fest den Verkauf oder Kauf eines Finanzprodukts zu einem vorab festgelegten Preis. Bei "Optionen" kommt es dagegen nicht zur Kauf- oder Verkaufpflicht, sondern lediglich zu einem Recht darauf. Entwickelt der Preis sich anders als angenommen, lässt man die Option verfallen - der Preis dafür war dann gewissermaßen eine Versicherungsprämie gegen Verluste.

Hedging gegen Kursschwankungen

Damit ist der Hauptnutzen vieler Termingeschäfte angedeutet: Professionelle Anleger nutzen sie häufig zum "Hedging", also als Schutzzaun, mit dem sie sich gegen Kursrückgänge bei Titeln in ihren Portfolios absichern. Um Verluste zu vermeiden, können sie zweierlei tun: Entweder sie kaufen passend zu Aktien in ihrem Bestand Verkaufsoptionen zu einem bestimmten Kurs. Diese können sie dann nutzen, falls der Kurs bis zum Termin noch tiefer sinkt. Oder sie werden zum Verkäufer einer Kaufoption, bieten also anderen Marktteilnehmern die Chance, ihre Aktien später zu einem festen Kurs von ihnen zu erwerben. Der Effekt ist derselbe: Sinkt der Kurs, kassieren sie die Optionsprämie, weil das Gegenüber von seinem Recht kaum Gebrauch machen wird.

Beide Wege - also der Verkauf von Kaufoptionen oder der Kauf von Verkaufsoptionen - heißen im Börsenjargon auch "Short"-Positionen. Im Gegensatz zu Geschäften auf der "Long"-Seite, bei denen Kursgewinne zum Erfolg führen, sind "Short"-Strategen also bei Verlusten im Vorteil. Als typische "long only"-Produkte gelten reine Aktienfonds: Deren Manager können schließlich nur durch geschickten Einkauf von Aktien an deren Kursgewinnen partizipieren. Fonds, die ausschließlich auf der Verkäuferseite stehen, sind wesentlich seltener zu finden. Es gibt mittlerweile aber zum Beispiel "Short Dax"-Fonds und auch "Short Only" oder "Short Bias"-Hedgefonds.

Von Kursfällen und -steigerungen profitieren

Weil sich die Märkte freilich niemals ausschließlich hoch oder herunter bewegen, sondern immer wieder ihre Richtung ändern, setzen andere Fonds je nach Marktlage sowohl auf Kauf- als auch Verkaufsgewinne. Eine bekannte Hedgefonds-Strategie dazu heißt "Long/Short": Dabei versucht das Management, zugleich von unterbewerteten Aktien zu profitieren als auch von überbewerteten. Unterm Strich sollen Anleger dadurch jederzeit Gewinne machen können - und zwar nahezu unabhängig von der Stimmung am Gesamtmarkt. Was in der Theorie einleuchtet, ist in der Praxis bisher allerdings kaum gelungen.


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