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BAU: Aussichten auf Holzmann-Rettung schwinden

Die Gespräche mit den Banken laufen zwar weiter, aber die Hoffnung auf Rettung schwindet. Inzwischen soll auch das Kanzleramt eingeschaltet worden sein.

Die Aussichten auf eine Rettung des Holzmann-Konzerns schwinden nach Einschätzung von Bankenkreisen zusehends. Zwar wurden die am Donnerstag zwischen den Kreditinstituten abgebrochenen Gespräche telefonisch fortgesetzt und Verhandlungen der Vorstandschefs wurden nicht ausgeschlossen. Auch das Kanzleramt soll mittlerweile eingeschaltet worden sein. Die Deutsche Bank zeige sich jedoch wenig kompromissbereit und wolle ihre Maximalforderungen zu Lasten anderer Kreditinstitute durchsetzen, hieß es am Freitag in Bankenkreisen. Ein Holzmann-Sprecher erklärte dennoch, dass er mit einer Lösung für den Baukonzern rechnet.

Banken blocken

Am Vortag hatten drei von insgesamt 17 beteiligten Banken Bedenken gegen das von der Deutschen Bank befürwortete Konzept angemeldet. Ein Sprecher der Dresdner Bank hatte erklärte, das Gesamtkonzept sei nicht tragfähig. Auch die HypoVereinsbank und die Bankgesellschaft Berlin sollen das Konzept Berichten zufolge abgelehnt haben. Der Plan sah laut Bankenkreisen in einem ersten Schritt einen teilweisen Forderungsverzicht der Banken und im Gegenzug eine Beteiligung an der lukrativen HSG Holzmann Service-Gesellschaft vor. Des weiteren sollten die Banken, die ihre Kreditlinien für den Baukonzern geschlossen hatten, diese wieder öffnen.

Von Notlösung zu Notlösung

In Bankenkreisen hatte es geheißen, es mache keinen Sinn von Notlösung zu Notlösung zu springen. Die Deutsche Bank als größter Anteilseigner und Kreditgeber Holzmanns und der Baukonzern seien jetzt gefordert, ein zukunftsfähiges Konzept vorzulegen.

Gewerkschaft fordert Dauerschutz

Die IG BAU sprach von einem »schmutzigen Spiel mit den Arbeitsplätzen«. Einige Bankvertreter gefährden erneut die Existenz von Holzmann, erklärte der Stellvertretende Bundesvorsitzende der IG BAU, Ernst-Ludwig Laux.

Schlechte Zahlen

Vergangene Woche hatte Holzmann bekannt gegeben, dass der Verlust im Jahr 2001 »auf Grund unvorhersehbarer Sondereinflüsse deutlich höher ausfallen« wird, als zuletzt erwartet. Verantwortlich ist die Entwicklung der Baukonjunktur in Deutschland. Außerdem drückten noch einmal verzögerte Immobilienverkäufe und zusätzliche Belastungen im Immobilienbereich das Ergebnis. Eine endgültige Ergebniszahl steht noch nicht fest. Laut Medienberichten soll es sich um ein Minus von etwa 237 Millionen Euro handeln. Nach Einschätzung aus Bankenkreisen übersteigt der Verlust das Eigenkapital ungefähr um das 2,4fache.

Wiederholter Rettungsversuch

1999 war die Pleite in letzter Sekunde durch eine Intervention von Bundeskanzler Gerhard Schröder abgewendet worden. Dieser hatte dem Unternehmen auf dem Höhepunkt der Krise ein Darlehen der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie eine Bundesbürgschaft zugesagt. Die Mittel waren Teil eines von Banken zusammengestellten Sanierungspakets. In der Folgezeit hatte der Baukonzern im Inland Tausende Stellen abgebaut und sich von unrentablen Töchtern getrennt.