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Biermixgetränke: Die Brauer brauen Alkopops

Reinheitsgebot adé? Die großen Brauereien mixen ihr Bier immer häufiger mit Limonade. In Wirklichkeit ist das nichts anderes als ein Alkopop auf Bierbasis. Die Labore der Hersteller scheinen dabei auf Hochtouren zu laufen.

Von Helmut Adam

Glaubt man den großen Brauereien, so sind die Biertrinker im deutschsprachigen Raum seit ein paar Jahren der Limonade verfallen. Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht wieder ein neues Biermischgetränk in den Verkauf geht. Grapefruit, Cola, Drachenfrucht, Limette, Granatapfel - die Labore der Brauer laufen offenkundig auf Hochtouren. Bei allem Respekt vor einem sommerlich-erfrischenden Radler - irgendwie doch ein wunderlicher Gedanke im Land des Reinheitsgebots. Liegt die Zukunft des Biers in der Limonade?

Der Durst nach Bier sinkt hierzulande: Gegenwärtig trinkt der Durchschnittsdeutsche nur noch 111,7 Liter pro Jahr, vor sechs Jahren waren es noch 122,6 Liter. So ist die Branche zwingend darauf angewiesen, in benachbarten Gefilden zu wildern. Die Beimischung von Limonade zum Kernprodukt ist dabei offenbar nur der Anfang. Die Braukonzerne versuchen durchaus auch zweite Säulen in ihrem Geschäft zu etablieren. Krombacher etwa hat 2006 die Marken Schweppes und Orangina übernommen.

"Das ist bei uns heute kein Thema!"

Branchen-Primus Becks versuchte im letzten Jahr sogar einen kompletten Markenstart im Brausebecken. Unter dem Projektnamen "Nox" wurde in Hamburger Szenelokalen ein Produkt mit Aromakombinationen wie Marula-Lime und Orange-Pepper getestet - offenkundig um an dem Erfolg der Kräuterlimonade "Bionade" anzuknüpfen. Inzwischen gibt man sich bei Beck´s sehr wortkarg über das Projekt. "Das ist bei uns heute kein Thema!" bescheidet man schroff auf diesbezügliche Anfragen.

Stattdessen legte das Unternehmen im Sommer 2008 einen neuen Brauseknaller hin: "Beck's Ice" hat nur 2,5 Prozent Alkohol im Fläschchen und ist im Grunde genommen die Reinkarnation von "Smirnoff Ice", das man heute kaum noch zu Gesicht bekommt. Das neue Alcopop von Beck's hat zwar Bier statt Wodka als Basis. Da man aber die Farbe herausfiltriert hat, sieht das Alko-Limonädchen genauso aus und - oh Graus - schmeckt auch so. Die Spirituosenindustrie, die noch heute den Niedergang des "Ready-to-Drink"-Segments als bittere und politisch motivierte Niederlage ansieht, beobachtet dies mit einigem Stirnrunzeln.

Skeptische Distanz

In den klassischen Bars betrachtet man die Veränderungen in der Brauwelt bisher eher mit skeptischer Distanz. Eine Umfrage des Mixology Magazin zeigt, dass es meist lediglich ein, zwei überregionale oder internationale Marken eingelistet sind. Die "Gold"-Biere waren dort der einzige nennenswerte Zugang in den letzten Jahren. Vor allem in klassisch orientierten Bars kam daher die Kampagne von Pilsner Urquell ("No Cranberry. No Bullshit." ) gut an, die darauf hinwies, dass man seinem Bier eben keine Brausewässer zumische. Allerdings liegt der Verdacht nahe, dass das Unternehmen den "Brause-Boom" einfach verschlafen hat - und dies in einer cleveren Kampagne in einen Vorteil umzumünzen versucht.

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