VG-Wort Pixel

Ehemalige Textilunternehmerin Was macht eigentlich … Britta Steilmann, die Pionierin für Öko-Mode?

Britta Steilmann: Was macht die ehemalige Öko-Managerin heute?
Britta Steilmann, 53, auf Long Island, wo sie mit ihrer Tochter lebt
© Imago
Die Tochter des Textilunternehmers Klaus Steilmann war in den 90er Jahren Pionierin für nachhaltige Mode. Inzwischen hat sie den Job gewechselt - und lebt in der Nachbarschaft von Jon Bon Jovi, Alec Baldwin, Robert Downey junior und Chris Martin.
Interview: Kerstin Herrnkind

Die Kleidung, die Sie gerade anhaben, ist die ökologisch?

Ja, ich habe heute ein Kleid aus 100 Prozent Leinen an.

Tragen Sie noch die Jeans aus Ihrer Kollektion "It's One world"?

Da passe ich nicht mehr rein.

Haben Sie noch Erinnerungsstücke?

Aber klar. Bodys, Sweatshirts, ein Kleid aus meiner allerersten Kollektion "Awakenings". Die sind verpackt in Vakuumbeutel. Aber die Badehandtücher nutze ich heute noch jeden Tag. Sie sehen noch genauso schön aus wie 1993.

Sie waren in Sachen Ökotextilien Pionierin. Heute ist grüne Kleidung angesagt. Freut Sie das?

Ja, aber ich weiß nicht, ob die Label alle halten, was sie versprechen, und wirklich so umweltfreundlich sind. Wie soll das gehen, wenn sie in Asien produzieren?

War die Zeit damals nicht reif für Ihre Ideen, oder woran sind Sie gescheitert?

Ich weiß nicht, ob ich das Scheitern nennen würde. Und wenn, bin ich eher im eigenen Haus gescheitert als am Markt. Es gab Kunden, die gedroht haben, sie würden die Produktion meines Vater auslisten, wenn er sich nicht von dem, was ich tue, distanziert. Mein Vater hat das nicht getan, aber eben viele Vertriebsmitarbeiter. Die haben gesagt: "Die spinnt ja."

Kaufen Sie bei Zara oder H&M ein?

Nein. Ich kann mich mit der Qualität nicht anfreunden.

Jetzt haben Sie eine School of Consciousness. Was ist das?

Ich berate Topmanager, erfolgreiche Schauspieler, aber auch ganz normale Leute auf ihrem Lebensweg. Es hat mich immer total interessiert, Menschen zu verstehen. Eigentlich wollte ich Psychologin oder Psychiaterin werden. Jetzt mache ich das, was ich immer machen wollte.

Was raten Sie Ihren Klienten?

Ich glaube, dass man mit seinen Gedanken den Lebensweg vorprogrammieren kann. Man hat jeden Tag die Chance, zu entscheiden, ob man in einem Drama oder einer Komödie spielt. Wir sind mit unseren Gedanken, den Glaubenssätzen, die dahinterstecken, und den Gefühlen, die sie hervorrufen, unseres eigenen Glückes Schmied. Kern meiner Arbeit ist, den Menschen dazu zu bringen, dass er sich am wichtigsten nimmt.

Die Kunst, ein Egoist zu sein?

Nein, eher die Kunst der Selbstliebe. Die Menschen müssen sich so ernst nehmen, so wertschätzen, dass sie sich alles geben, was sie brauchen. Dann sind sie auch großzügig anderen gegenüber.

Sie saßen früher in Talkshows, haben Bill Clinton und Nelson Mandela getroffen. Fehlt Ihnen dieses Leben?

Es gibt Momente, da fehlt mir die Spannung, die mit so einer Karriere verbunden ist. Aber ich habe das ganze große Kino erlebt, das sich viele Menschen wünschen. Deshalb kann ich aus meinem Leben schöpfen und jetzt ein guter Coach sein.

Müssen Sie denn noch arbeiten?

Muss ich. Wir haben unser gesamtes Vermögen damals in die Unternehmensgruppe gesteckt und immer wieder versucht, sie zu retten.

Sie leben doch bei den Superreichen in den Hamptons auf Long Island.

Ja, weil hier die Klientel ist, die sich meine Beratung leisten kann.

Wer sind denn so Ihre Nachbarn?

Jon Bon Jovi, Alec Baldwin, Robert Downey junior, Chris Martin ...

Treffen Sie die beim Brötchenholen?

Im Sommer treffe ich sie jeden Tag. Die sind sehr nett und normaler, als man denkt.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker