Börsenhype um Sonnenbrille Emmanuel, der Mode-Influencer

capital
  • von Siems Luckwaldt
Emmanuel Macron mit Sonnenbrille
Sein Name ist Macron, Emmanuel Macron: Frankreichs Staatschef und die Sonnenbrille, die er in Davos zum Bestseller machte
© MIT LAVEE / World Economic Forum / Avalon / Picture Alliance
An den Inhalt seiner Rede in Davos erinnert sich kaum jemand, dafür ist die Sonnenbrille, die Emmanuel Macron trug, ein Hit. Die Marke dahinter wird zum Börsen-Darling.

Manchmal beginnt ein Mode-Hype dort, wo man trendige Outfits am wenigsten vermutet: in Davos. Dort, wo nachtblaue und schwarze Anzüge dominieren und wo Krawatten eine Art Vaterlandpflicht zu sein scheinen. Beliebte Muster? Dezent gepunktet, meist Hellblau auf Dunkelblau, mit ordentlichen Streifen oder Quadraten dekoriert.

Von dieser Staatenlenker-Uniform wich auch Emmanuel Macron keinen Croissantkrümel weit ab. Textile Langeweile, statt Couture-Avantgarde aus Paris. Wäre da nicht jene, mittlerweile längst berühmte Sonnenbrille gewesen. Ein Pilotenmodell mit dezentem Goldrand, in dessen gletscherblau beschichteten Gläsern sich die politische Welt spiegelte. Befremdlich zunächst, ehe sich ein gewisser Respekt ob der mutigen Abweichung vom Larifari-Dresscode seiner Kollegen einstellte. Macrons Auftritt war ein Accessoire-Coup, den selbst Donald Trump mit einem genuschelten "Nice sunglasses" quittierte. 

"Top Gun", "Robocop" oder "Beverly Hills Cop"? Emmanuel Macrons bebrillter Auftritt ließ die Assoziationen sprudeln
"Top Gun", "Robocop" oder "Beverly Hills Cop"? Emmanuel Macrons bebrillter Auftritt ließ die Assoziationen sprudeln
© Keystone / Gian Ehrenzeller / Picture Alliance

Dass Macron die Brille trug, begründete er mit einer harmlosen Augenentzündung. Dem sofortigen Kultstatus des Modells "Pacific S 01" für 659 Euro tat das keinen Abbruch – es ging viral, als Videoclip und Standbild.

Élysée-Shop verkauft Macron-Sonnenbrille

Auch ökonomisch wurde der Macron-Effekt rasch messbar. Die Marke Maison Henry Jullien verkaufte binnen weniger Tage nach Davos über 500 Exemplare der Sonnenbrille, statt üblicherweise 200 Stück pro Jahr. Zeitweise brach der E-Commerce zusammen. Prompt fuhr das Unternehmen seine Kapazitäten in den Produktionsstätten in Lons-le-Saunier sowie dem italienischen Martignacco hoch, für die "Pacific S 01" wurde eine eigene Unterseite eingerichtet. Besonders symbolträchtig: Inzwischen hat sogar der Élysée-Palast selbst das Modell offiziell in seinen Online-Shop aufgenommen, als "Élysée x Maison Henry Jullien".

Der Élysée-Palast bietet die ikonische Sonnenbrille von Macron inzwischen im Shop an
Der Élysée-Palast bietet die ikonische Sonnenbrille von Macron inzwischen im Shop an
© Screenshot

An der Börse schlug die Macron-Sonnenbrille genauso ein, denn die Marke gehört zum in Frankreich notierten Konzern iVision Tech SpA (O42:FRA). Nach Macrons Davos-Auftritt am 21. Januar sprang die Aktie zwischenzeitlich um rund 30 Prozent nach oben; in einzelnen Handelsphasen summierten sich die Gewinne auf deutlich über 60 Prozent. Der Marktwert des Unternehmens stieg um mehrere Millionen Euro, was in dieser Größenordnung – vor dem Hype lag die Bewertung im niedrigen zweistelligen Millionenbereich – eine tektonische Verschiebung darstellt.

Joe Biden
Auch Ex-US-Präsident Joe Biden brachte es im Amt mit seiner dunklen Pilotenbrille zu moderatem Internetruhm
© CNP / AdMedia / Picture Alliance

Macron ist übrigens nicht der erste hochrangige Politiker, der die Pilotensonnenbrille als politisches Stilmittel und popkultureller Verstärker der Karriere nutzte: Trumps Vorgänger, Ex-US-Präsident Joe Biden etwa wurde mit seinem dunklen Pilotengestell zur Meme-Figur "Dark Brandon": eine ironisch überzeichnete Doppelgängerfigur Bidens, die aus dem als zögerlich wahrgenommenen Biden eine stoisch-unnahbare Autoritätsgestalt machte. Das Weiße Haus spielte zeitweise selbst mit diesem Bild. Ebenfalls auf Sonnenbrillen setzen Diktatoren wie Kim Jong-un aus Nordkorea und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Mode als "Soft Power". Noch eine Strategie, die Deutschland mit seinem aktuellen Regierungspersonal abhaken kann. Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hatte seinerzeit nach einem Sturz eine schwarze Augenklappe getragen, wie man sie aus Piratenfilmen kennt. Der Fluch der Ampel ereilte ihn allerdings erst ein Jahr später.

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