Selbst für Elon Musks Verhältnisse ist es ein außerirdischer Plan: Sein Weltraumunternehmen SpaceX hat das KI-Unternehmen xAI gekauft. Jetzt plant Musk, das Konglomerat im Juni an die Börse zu bringen – und dabei etwa 50 Milliarden Dollar für die Unternehmung einzusammeln.
Zum Portfolio des neuen Unternehmens zählen jetzt: Raketenstarts (SpaceX), Satellitenkommunikation (Starlink), eine Social-Media-Plattform (x.com) und ein KI-Unternehmen (xAI), das in letzter Zeit vor allem dadurch aufgefallen ist, dass dessen KI-Chatbot Grok sexualisierte Inhalte produzierte. Zumindest in Elon Musks Fantasie wird aus seinem Raketenunternehmen und seinem Porno-Bot Grok ein "vertikal integrierter Innovationsmotor mit KI, Raketen und Internet aus dem All".
Nur: Sofern Musk selbst noch etwas Bodenhaftung hat, ist schwer vorstellbar, dass er das selbst glaubt. Der Kauf dürfte vielmehr eine reine Quersubventionierung seiner derzeit schlecht laufenden Geschäfte sein. Denn schon vergangene Woche hatte Musk schon über Tesla 2 Milliarden Dollar in xAI "investiert."
Elon Musk: Datenzentren im All
Offiziell begründet Musk den jüngsten Kauf damit, Datenzentren im All bauen zu wollen. Das ist aber genauso unrealistisch wie ähnliche Pläne von Wettbewerbern: Google zum Beispiel hat im November ein Projekt namens "Suncatcher" bekanntgemacht. Nvidia-Chef Jensen Huang, Amazon-Gründer Jeff Bezos und OpenAI-CEO Sam Altman unterstützen laut Berichten diese Idee. Dahinter steht die Überlegung, näher an der Sonne zu sein und so Strom aus Solarzellen zu erzeugen. Dann könnte man die Daten mit neuer Satellitentechnologie hoch und runter beamen. Bezos zum Beispiel arbeitet an einem Satellitenprojekt mit Terabit-Datenraten. Doch selbst Experten sagen, dass so eine Technologie noch Lichtjahre entfernt ist – und vielleicht nie kommt.
Die wahnsinnigen KI-Investitionen rechnen sich aktuell noch nicht einmal auf der Erde. Während die großen Tech-Unternehmen Abermilliarden in KI versenken, ist völlig unklar, ob und wann jemals ein Gewinn herauskommen soll. Seit Monaten wird schon über eine KI-Blase spekuliert – und in den letzten Wochen sind die Nachrichten dazu nicht besser geworden: So sagte Microsoft-CEO Staya Nadella auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, KI müsse breitere Anwendung finden, um keine Bubble zu werden.
Geld verdienen mit KI? Kein Plan
Währenddessen sammelt auch Oracle immer mehr Geld ein, um damit Rechenkapazität für OpenAI zur Verfügung zu stellen – die allerdings auch noch keinen Plan haben, wie sie damit eigentlich Geld verdienen wollen. Gemessen am Hoch vom September und angesichts neuer KI-Schulden, ist die Oracle-Aktie in den vergangenen sechs Monaten um knapp 40 Prozent gefallen.
Dass gerade Elon Musk, dessen KI-Vorhaben bisher die vielleicht schwächste der großen Initiativen ist, all das ins Weltall verlegen will, klingt eher wie ein Witz. Erstmal ist völlig unklar, ob und wie das technisch umsetzbar wäre: Halten die Chips die Strahlung im All aus? Wie kühlt man Chips ohne Luft? Wie würden dort überhaupt regelmäßig die Chips ausgewechselt? Und zweitens würde es das ohnehin schon defizitäre KI-Geschäft noch teurer machen: Aktuell soll es etwa 2000 Dollar kosten, mit SpaceX nur ein Kilogramm Material ins All zu bringen. Ganz davon zu schwiegen, was es wohl kosten würde, Weltall-taugliche Rechenzentren zu entwickeln und zu bauen.
All das zusammengenommen wirkt Musks vorhaben, KI-Datenzentren im All zu bauen, eher wie eine kindliche Flucht- und Bewältigungsstrategie: Wenn sein KI-Bot Grok nicht läuft und nur Probleme macht, dann wendet er sich schnell einem anderen, fantastischeren Projekt zu: KI-Datenzentren im Weltall.
Apropos kindliche Fantasie: Der Börsengang von Musks neuem KI-Weltraumunternehmen soll, wie die "Financial Times" berichtet, auch deshalb im Juni stattfinden, weil Musk da Geburtstag habe und die Planeten Jupiter und Venus in einer besonderen Konstellation nah beieinander stehen. Es gibt eben viel Platz im All – auch für absurde Ideen.
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