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Händler kämpft ums Überleben "Nur Bummeln" kostet in diesem Laden zwei Euro


Ein Essener Ladenbesitzer sorgt mit einem Schild für Aufsehen: Er verlangt von Kunden, die nichts kaufen, zwei Euro Bummelgebühr. Die Reaktionen fallen gemischt aus.

Kunden, die sich im Geschäft beraten lassen, aber dann online kaufen, sind für viele Händler ein Riesenärgernis. Michael Pütz hat davon die Nase voll. Der Besitzer des kleinen Geschenkeladens "ideenreich" in der Essener Innenstadt sah sich vor einigen Tagen gezwungen, erstmals ein Schild aufzuhängen, auf dem es heißt: "'Nur Bummeln' kostet ab sofort pro Person 2 Euro."

An diesem Tag hatte er nach eigener Schätzung etwa 50 Kunden im Laden gehabt, aber nur 12,50 Euro in der Kasse. Da Pütz seinen Laden auch als Atelier nutzt, bedeuten Kunden, die nichts kaufen, für ihn nicht nur eine leere Kasse. Zusätzlich kann er in dieser dieser Zeit keine neuen Stücke herstellen. Daher soll das Schild auch nur hängen, wenn Pütz gerade produziert.

+++++++ ideenreich aktuell +++++++fast 16 uhr nach ca. 50 kunden im laden 12,50 euro in der kasse,daher werde ich...

Posted by ideenreich Essen on Freitag, 1. April 2016

Bummelgebühr sorgt für teils heftige Reaktionen

Das Echo auf die Aktion ist heftiger, als sich das Pütz vorgestellt hat. Mehrere Medien berichteten über die Bummelgebühr, das Fernsehen war auch da. Pütz hat viele Kommentare bekommen, sowohl positive als auch negative. "Wenn man mit den Menschen redet und ihnen erklärt, warum das notwendig ist, verstehen sie das auch", sagte Pütz "RP Online". Im Internet dagegen sind die Kommentare oft giftiger. Nach dem Motto: Bei Amazon ist Bummeln umsonst, warum sollte ich im Laden zahlen?

Auf seiner Facebookseite wehrt sich Pütz gegen das negative Feedback. Er habe betont, dass er das Schild nur aufhänge, wenn er auch produzieren müsse. "Selbst meine wirtschaftlichen Gründe habe ich ohne Scham offen gelegt. Zusätzlich habe ich immer deutlich formuliert, dass ich auf das Problem kleiner Einzelhändler hinweisen wollte und auch so mit Menschen darüber kommunizieren möchte. Dennoch scheint das, was bei vielen hängen geblieben ist, 'Bummeln für 2,- Euro' zu sein."

Die Bummelgebühr versteht Pütz nicht als Geschäftsmodell, sondern als Botschaft. Bei Stammkunden oder solchen, die nur eine kurze Frage haben, besteht er nicht auf den zwei Euro. Pütz sagt, dass er seinen kleinen Laden wohl auch mit Bummelgebühr nicht wird halten können. Die Miete ist gemessen an den Einnahmen einfach zu hoch.

bak

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