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BUNDESBANK: Das grosse Sparschwein-Sterben

Geändertes Anlageverhalten in Deutschland: Die Erben-Generation löst die Sparbücher auf und setzt auf Wertpapiere zur Vermögensbildung.

Die Deutschen sparen immer weniger. Gemessen am verfügbaren Einkommen erreichte die Sparquote im vergangenen Jahr mit 9,8 Prozent einen neuen Tiefstand. Zehn Jahre zuvor lag sie gut drei Prozentpunkte höher, berichtete die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht. Zugleich stellten die Experten eine deutliche Veränderung beim Anlageverhalten fest: Statt das Geld auf das Sparbuch zu legen, investierten die Bundesbürger lieber in Wertpapiere, insbesondere in Investmentzertifikate.

Spareinlagen sinken

Die Spareinlagen wurden im vergangenen Jahr den Angaben zufolge um fast 80 Milliarden Mark (rund 41 Milliarden Euro) abgebaut, zugleich fielen die Zuführungen um 55 Milliarden Mark geringer aus als noch 1999. Erstmals seit 1991 investierten die Halten Sie Sparbücher noch für zeitgemäß? Erzählen Sie es im Wirtschaftsforum... Bundesbürger auch knapp zehn Milliarden Mark weniger in Versicherungsprodukte. Dabei hat sicher die Debatte um die Einführung der privaten Altersvorsorge eine Rolle gespielt.

Investmentzertifikate sind der Renner

Zwar schlug sich die Börseneuphorie Anfang 2000 den Angaben zufolge nicht in außergewöhnlich hohen direkten Aktienkäufen nieder - im Gegenteil: Diese lagen mit gut 20 Milliarden Mark sogar unter dem Ergebnis von 1999. Aber sie übertrafen immer noch deutlich den Direkterwerb der Vorjahre. Besonders groß war das Interesse dagegen an Investmentzertifikaten. Die privaten Haushalte legten im vergangenen Jahr fast 120 Milliarden Mark an, zwei Fünftel mehr als 1999. Die Beliebtheit der Investmentzertifikaten gegenüber dem direkten Erwerb von Aktien oder Rentenpapieren erklärten die Experten unter anderem mit den relativ geringen Transaktions- und Informationskosten.

Vermögen nicht mehr durch Sparen

Insgesamt wurden in Anlagen mit Wertzuwachspotenzial im vergangenen Jahr rund 150 Milliarden Mark investiert und damit mehr als 50 Prozent der Geldvermögensbildung und erstmals mehr als für die Ausgaben in Sachanlagen.

Das Anlageverhalten hat sich nach Angaben der Bundesbank in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. »Über einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert betrachtet ist ein eindeutiger Trend hin zu Anlagen in Versicherungen und Wertpapieren festzustellen«. Spareinlagen, über 30 Jahre lang das Schwergewicht der Bankeinlagen, haben dagegen deutlich an Boden verloren.

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