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Eon-Chef Bernotat: "Angst wird geschürt"

Wulf Bernotat, Chef des Energiekonzerns Eon, über hohe Elektrizitätspreise. Sein Rat an die Kunden, wie sie sparen können: Licht aus!

Herr Bernotat, Sie wohnen im RWE-Versorgungsgebiet. Wie viel hat Ihnen Ihr Stromlieferant aufgeschlagen?

Knapp sechs Prozent.

Ärgert Sie das?

Nein, denn ich weiß, dass die Erhöhung gerechtfertigt ist. Energie ist teurer geworden, angetrieben durch die hohen Rohstoffpreise. Ich halte die ganze Aufregung für etwas übertrieben. Klar, niemand freut sich über höhere Preise. Für einen Haushaltskunden macht das im Monat 2,50 Euro mehr aus.

Auch Gas wird teurer. Die Bürger fürchten, Eon & Co. füllen sich schamlos die Taschen.

Diese Angst wird geschürt. Hohe Strompreise gleich hohe Profite - die Gleichung stimmt doch nicht! Eon etwa hat sein Ergebnis vor allem deshalb verbessert, weil wir in den vergangenen Jahren die Kosten um 2,5 Milliarden Euro gesenkt haben. Bis 2006 kommt noch einmal eine Milliarde hinzu.

Eon und die drei anderen Energieriesen strotzen vor Finanzkraft - und brauchen trotzdem jeden Strom-Cent?

Es geht nicht um Cents, aber Deutschland benötigt kapitalstarke Unternehmen, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können. Es gibt viele Risiken in unserem Geschäft, große Risiken. Und international treffen wir auf Unternehmen wie ExxonMobil, BP oder Gazprom. Beim Öl haben wir längst den Zug verpasst, da spielt kein einziges deutsches Unternehmen mehr in der Champions-League.

Im Herbst rieten Sie, die Preiserhöhung bis zum Start der neuen Regulierungsbehörde auszusetzen. Warum hat Eon trotzdem zugelangt?

Wir haben Wort gehalten. Unsere Netznutzungsentgelte auf der Hochspannungsebene - und um die ging es - sind nicht gestiegen und werden auch in diesem Jahr nicht steigen. Bei den Endkundenpreisen sind die Wettbewerber meinem Vorschlag nicht gefolgt, deshalb müssen wir uns hier mit dem Markt bewegen und haben ebenfalls Tarifanpassungen beantragt.

Die EU-Kommission moniert den nach wie vor fehlenden Wettbewerb in Deutschland.

Das sehe ich anders. Wir haben in Deutschland mehr Wettbewerb als in vielen anderen Ländern Europas. Seit 1998 ist der Markt geöffnet, und bald gibt es eine Regulierungsbehörde. Jeder Kunde kann den Stromlieferanten wechseln, und der Wettbewerb beim Erdgas wird ebenfalls schärfer.

Wird die neue Regulierungsbehörde die Verbraucherpreise drücken können?

Erwarten Sie keine Wunder! Die Behörde hat die Aufgabe, den Zugang und die Nutzung der Transportwege zu regulieren. Das Netznutzungsentgelt macht aber nur etwa ein Drittel des endgültigen Strompreises aus.

Und der Markt? Seit einiger Zeit sinken die Ölpreise wieder. Wann ziehen Strom- und Gaspreise nach?

Ab Mitte des Jahres kann es vielleicht eine kleine Entspannung bei den Gaspreisen geben, wenn die Ölpreise weiter fallen sollten. Aber wir sollten uns keine allzu großen Illusionen machen.

Keine Aussicht auf Entlastung?

Die gibt es unabhängig von den Preisen: Ich bin sehr für das Energiesparen, auch wenn man das von mir nicht erwarten würde. Es ist immer noch die effektivste Form, die Kosten und die CO2-Emission zu senken. Damit kann man viel mehr erreichen als mit einer überzogenen Förderung erneuerbarer Energien.

Interview: Rolf-Herbert Peters / print
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