Franz Fehrenbach Stabwechsel bei Bosch


Die Übergabe von Scholl auf Fehrenbach verläuft im typischen Bosch-Stil: Nüchtern, korrekt, ohne großes Aufhebens um die beteiligten Personen.

Der Stabwechsel verläuft im typischen Bosch-Stil: Nüchtern, korrekt, ohne Aufhebens um die Personen. Wenn Hermann Scholl, langjähriger Chef des weltweit zweitgrößten Automobilzulieferers Bosch, am 1. Juli von Franz Fehrenbach abgelöst wird, gibt es keine große Party. Aufsichtsratssitzung, danach ein Essen - das war es.

Feier passt nicht

Eine Feier passt nicht zu Bosch, meint Kommunikationschef Frank Breitsprecher. Nicht, dass es am Ende der zehnjährigen Ära Scholl nichts zu feiern gebe. Unter dem heute 68-jährigen hat Bosch seine Internationalisierung vorangetrieben und deutlich an Dynamik gewonnen - eine gewisse Behäbigkeit war dem Industriekoloss mit seinen fast 225.000 Mitarbeitern schließlich immer nachgesagt worden. Scholl trennte sich von der Telekommunikationssparte, kaufte von Mannesmann den Industriebereich Rexroth und wagte sogar erfolgreich den aggressiven Kampf um den sich vergebens wehrenden Heizungsbauer Buderus. Das wäre noch vor wenigen Jahren bei der zurückhaltend agierenden Robert Bosch GmbH undenkbar gewesen. Erklärtes Ziel dieser Strategie: Die Abhängigkeit vom schwankungsvollen Autogeschäft zu verringern.

Viele Patente, wenig Profitabilität

Scholls Nachfolger Fehrenbach, der am Tage seines Amtsantritts 54 Jahre alt wurde, muss sich nun vor allem darum kümmern, dass der von Scholl eingeschlagene Weg zu mehr Marge führt. Denn Bosch, gesegnet mit erfindungsreichen Ingenieuren, die ein Patent nach dem anderen anmelden, muss seine Produkte noch schneller marktreif machen und vor allem die notorisch schwache Profitabilität zu verbessern. Eines seiner Hauptprojekte heißt deshalb "Profit 05", mit dem die Umsatzrendite auf sieben Prozent gesteigert werden soll.

Strenge Kostenkontrolle

Heute sind es nur 4,1 Prozent (1,4 Milliarden Vorsteuerergebnis bei 35 Milliarden Euro Umsatz) - und damit zu wenig, um die immer aufwendigeren Entwicklungen gerade im Kraftfahrzeuggeschäft bewältigen zu können. Auf die Bosch-Mitarbeiter kommt eine noch strengere Kostenkontrolle zu. Ein Börsengang, mit dem schneller an frisches Geld zu kommen wäre, ist bei Bosch mit seiner Stiftungsstruktur kein Thema. Unsere Struktur behindert die Entwicklung nicht, heißt es intern. Möglich wäre es aber, Untereinheiten an die Börse zu bringen.

Wachsames Auge auf den Nachfolger

Scholl war erst der fünfte Bosch-Chef in der 116-jährigen Konzerngeschichte. Und er wird traditionsgemäß als persönlich haftender Gesellschafter im mächtigen Kontrollgremium Robert Bosch Industrietreuhand KG ein wachsames Auge auf seinen Nachfolger werfen. Weiter ein Büro im Hauptquartier auf der Schillerhöhe zu haben, ist für Scholl selbstverständlich - auch hier folgt man der Tradition. Aber, so sagte er auch in kleinem Kreise: "Die neue Fürung muss ein eigenes Tempo und einen eigenen Stil finden". Bleibt vielleicht doch mehr Zeit für Hobbys wie das Cello-Spiel, Skifahren mit der Enkelin und sogar Inline-Skating.


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