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Ganz ohne Erdöl: Wie Plastik - nur besser

Bisher galt Lignin als Abfallprodukt bei der Papiererzeugung. Doch in Zukunft könnte das "flüssige Holz" in der Kunststoffindustrie das teure Erdöl ersetzen. Eine kleine Firma in Schwaben hat die Zukunft bereits eingeläutet.

Von Christoph Herwartz

Die Produkte, die im Büro von Jürgen Pfitzer herumliegen, sind auf den ersten Blick nicht spektakulär: Ein dunkelbrauner Plastikblumentopf, eine blaue Flöte, ein kugelförmiger Lautsprecher. Tatsächlich aber bestehen sie aus einem revolutionären Material: Aus "flüssigem Holz". Der Rohstoff für dieses Material fällt bei der Papierproduktion in Massen an; in Zukunft könnte es herkömmliches Plastik ersetzen. Davon sind zumindest Jürgen Pfitzer und Helmuth Nägele überzeugt, die das flüssige Holz 1998 erfunden haben und patentieren ließen. Nach dem lateinischen Wort für Baum, Arbor, nannten sie das Material "Arboform". Seitdem produzieren sie mit ihrer Firma Tecnaro GmbH im schwäbischen Ilsfeld-Auenstein Granulate, die genauso weiter verarbeitet werden können wie Plastik.

Holz statt Erdöl

Die Basis für Arboform ist Lignin, der Stoff, der dafür sorgt, dass die Zellen von Bäumen hart werden. Das pulverförmige Lignin riecht ähnlich wie Holz und hinterlässt an den Händen braunen Staub. In alten Zeitungen macht sich der Stoff unangenehm bemerkbar: Er macht das Papier nach einiger Zeit am Licht hart und gelb. Weil das bei Büchern und Kopierpapier nicht passieren soll, wird diesem Papier das Lignin entzogen - "holzfrei" steht dann auf der Verpackung. 50 Millionen Tonnen Lignin jährlich kommen auf diese Weise weltweit zusammen. Der überwiegende Teil wird verbrannt, obwohl sein Heizwert dreimal geringer ist als der von Heizöl.

Bei Tecnaro wird Lignin dagegen in Polymere verwandelt - die Grundbausteine, aus denen auch Kunststoffe hergestellt werden. Verstärkt mit Pflanzenfasern wird aus den natürlichen Polymeren Arboform. Dass niemand vor ihnen auf die Idee gekommen ist, wundert auch Jürgen Pfitzer.

Endziel: Billiger Kunststoff

Derzeit basieren fast alle in Deutschland hergestellten Kunststoffe auf Erdöl. Um sich unabhängiger davon zu machen, forscht man an der Verwendung von Gas, Kohle und biologischen Substanzen. "Woher die Polymere für den Kunststoff kommen, ist für das Endprodukt eigentlich egal", sagt Daniel Stricker, Chefredakteur des Fachblattes "Kunststoff Information". Durch chemische Prozesse werden die Rohstoffe gespalten und zu Kohlenwasserstoff-Ketten umgesetzt. Bei Öl und Gas ist das recht einfach, bei Kohle sehr aufwändig. Würde man das Öl also in Zukunft durch Kohle ersetzen müssen, stiege der Kunststoffpreis enorm. Und auch Kohle ist ja fossil, also nur begrenzt verfügbar. Alternative Kunststoffe aus Stärke oder Cellulose haben einen anderen Nachteil: Ihre Verwendung konkurriert mit der Nahrungsmittelherstellung - verteuert bei größeren Mengen also die Lebensmittelpreise. "Den Abfallstoff Lignin als Rohstoff zu nutzen ist dagegen eine interessante Alternative", sagt Stricker.

Etwa 50 verschiedene Arboform-Sorten haben Pfitzer und Nägele bisher entwickelt, jede hat andere Eigenschaften. Aus einigen werden jetzt etwa Musikinstrumente und Lautsprecher gegossen. Arboform ist dabei leichter in Form zu bringen als herkömmlicher Kunststoff und klingt wegen der gleichmäßigen Struktur sogar noch besser. Spezialteile für die Industrie gibt es aus Arboform, weil es sich präziser verarbeiten lässt als normaler Kunststoff. Entsorgen kann man Arboform über die Bio-Tonne. Biologisch abbaubare Kunststoffe gibt es zwar auch aus Erdöl, nur dass die viel teurer sind.

Revolution aus dem Schwabenländle

"Ich bin davon überzeugt, dass wir bald gegen Massenkunststoffe antreten können", sagt der Geschäftsführer Jürgen Pfitzer. Wann es soweit ist, hängt auch vom Ölpreis ab. Wenn sich der verdoppelt, erwartet man für Kunststoff eine Preissteigerung in der Größenordnung zwischen 30 und 40 Prozent.

Ein Bio-Werkstoff, der billiger ist als Plastik - das wäre eine Revolution. Und die Zeichen stehen gut: Etwa 200 Tonnen von dem Material verkauft Tecnaro inzwischen pro Jahr und verdreifachte nach eigenen Angaben in den letzten Jahren den Umsatz. Die Firma steigt an verschiedenen Stellen in den Automobilbau ein, stellt immer vielseitigere Stoffe her und hat erst 2007 wieder einen Preis für ihr Geschäftsmodell gewonnen. Übernahmeangebote gab es auch schon, doch Pfitzer und Nägele wollen nicht verkaufen. Sie haben Zeit. Denn bisher sind sie die einzigen, die Holz flüssig machen können.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.