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Geldtransporte: "Aus der Heros-Pleite nichts gelernt"

Der Geldtransporter SecurLog verkündet stolz den Abschluss eines neuen Großauftrages - doch dem Heros-Nachfolger drohen Millionen-Verluste: Die Post als Auftraggeber setzte Dumpingpreise durch. Daran scheiterte schon Heros selbst.

Die Aussage sollte optimistisch klingen: "Der Auftrag zeigt, dass wir am Markt ernst genommen werden, und schafft die Basis für moderates Wachstum", versicherte kürzlich der Risiko-Manager des Geldtransportunternehmens SecurLog, Eric Benedict. Zuvor hatte er verkündet, dass SecurLog einen lukrativen Auftrag erhalten habe: die Geld- und Werttransporte (GWT) für alle Filialen der Deutschen Post und der Postbank. Ein Prestigeerfolg für die Tochter des US-Finanzinvestors Matlin Patterson, die am kommenden Sonntag die Geschäfte des ehemaligen Marktführers Heros übernehmen soll.

"Tragfähiges Konzept"

Heros war im Februar in die Insolvenz gegangen, nachdem bekannt geworden war, dass Manager und Mitarbeiter rund 500 Millionen Euro Kundengelder veruntreut hatten. Teilweise floss das Geld in Privatschatullen, teilweise wurde es genutzt, um Dumpingpreise zu finanzieren. Doch dann kamen die Staatsanwälte, die Insolvenz, Kundenverluste. Und nach all dem nun Anfang Juni eine solche Erfolgsmeldung. Selbst ein Betriebsleiter der Post bestätigte, SecurLog habe "ein tragfähiges Konzept präsentiert".

Ein tragfähiges Konzept? Zahlen aus internen Unterlagen belegen eher, dass SecurLog sich unter dem Druck der Post auf ein gefährliches Minusgeschäft eingelassen hat. Bis zum vergangenen Jahr hatte die Post ihre Filialen von der Group 4 Securicor (G4S) versorgen lassen, für jährlich rund 22 Millionen Euro. Nach Einschätzung vieler Experten ein realistischer Preis. Doch dieser Vertrag endete im Dezember 2005 und wurde neu ausgeschrieben. Damals machte Heros-Chef Karl-Heinz Weis der Post ein Dumpingangebot: rund 13 Millionen Euro. Weis brauchte um jeden Preis Zugriff auf neue Kundengelder, um sein unsauberes Schneeballsystem aufrechterhalten zu können.

Realistischer Preis wurde halbiert

Mit diesem Angebot im Rücken drückte die Post G4S für die außervertragliche Zeit bis zur neuen Auftragsvergabe auf etwa 15 Millionen Euro. Im Frühjahr spielte sie dann in den Verhandlungen über den neuen Vertrag ihren alten Geschäftspartner und die Heros-Nachfolgerin SecurLog gegeneinander aus. Das Ergebnis: SecurLog erhielt den Zuschlag. Und zwar etwa zu dem Preis, den auch der inzwischen inhaftierte Heros-Chef Weis angeboten hatte: rund 13 Millionen Euro. Der ursprüngliche G4S-Preis war damit annähernd halbiert.

Vorteile gegenüber der Konkurrenz, durch die sich dieser Preis für SecurLog rechnen könnte, sind nicht zu erkennen. Hier liegt nach Einschätzung eines Brancheninsiders die Gefahr für SecurLog: "Ein GWT-Unternehmen braucht pro Transporter und Stunde mindestens 70 Euro Umsatz." Bei dem Postauftrag sind aber im Durchschnitt nur knapp 40 Euro möglich. Millionenverluste scheinen absehbar.

Fatale Finanzplanung

Dadurch drohen die gesamten Geschäftskalkulationen für SecurLog zu einem Vabanquespiel zu werden. Noch im Mai soll die die SecurLog-Führung - ohne den Postauftrag - einen Personalbedarf von knapp 2200 Angestellten geplant haben. Allein die Personalkosten dürften sich auf etwa 56 Millionen Euro belaufen. Durch Mieten, Leasingkosten für Fahrzeuge, Versicherungsprämien, zusätzliche Kräfte für den Postauftrag sowie weitere Standard-Geschäftskosten kommt leicht eine Gesamtsumme von rund 80 Millionen Euro zusammen. Dagegen steht ein Umsatz, der inklusive Postauftrag kaum höher als 60 Millionen Euro liegen dürfte.

Das Minusgeschäft würde für SecurLog nur Sinn machen, wenn das Unternehmen mit dem Vorzeigekunden Post neue Kunden anlocken und dann die Preise deutlich erhöhen könnte. Doch genau dies bezweifeln Marktteilnehmer. "Viele der verbliebenen Kunden arbeiten nur noch mit der alten Heros-Gruppe zusammen, weil sie dort noch die alten Dumpingpreise erhalten. Wenn SecurLog realistische Preise fordert, wird eine Absetzbewegung beginnen", orakelt ein Insider. Seine Kritik richtet sich auch gegen die Deutsche Post, die eine "unverantwortliche Preisdrückerei" betreibe. Für den Fachmann ist es unübersehbar, dass viele Akteure auf dem GWT-Markt "aus der Heros-Pleite nichts gelernt" hätten - weder Kunden wie die Deutsche Post noch der Heros-Nachfolger SecurLog.

Mathew D. Rose und Olaf Jahn/DDP / DDP
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