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Hamburgs Müllchaos Am Strand, wo Müll und Scheiße stinken

Elbe
Der Müll am Elbstrand ist nur der sichtbare Teil des Problems
© stern
Hamburg gibt sich aufgeschlossen und feierwütig. Dass Tausende von Party-Touristen eine Menge Dreck machen, ignoriert die Stadt. Dabei könnte man die Schmutzlawine leicht verhindern.
Ein Kommentar von Gernot Kramper

Kaum herrscht einmal in Hamburg, der Regenhochburg im Norden, schönes Wetter, werden Elbufer und Parks gestürmt. Riesige Scharen, bewaffnet mit Bier, Schnaps und Einweggrills, machen es sich in den öffentlichen Anlagen gemütlich. Der Morgen danach sieht aus wie Hangover im Park: überall riesige Müllhaufen.

Und was macht die Freie und Hansestadt? Sie reagiert wie ein altes Tantchen und ist total überrascht, wie flegelhaft sich diese jungen Leuten mal wieder aufgeführt haben. Da hätte man wirklich nicht mit rechnen können!

Wirklich nicht? Am sonnigen Freitag spuckt jede S-Bahn nach 15 Uhr Hunderte von Feierwilligen allein an der Haltestelle Blankenese an. Next stop: Rewe-Supermarkt. An der Kasse stauen sich meterlange Schlangen von Dosenbier und Wodka. Vor dem Markt: Bettel-Kids, die jeden über 20 anhauen, ob er ihnen nicht schnell was mitbringen könne: Wodka und Dosenbier wären nicht schlecht.

Hamburger Bürokraten hegen anscheinend die Hoffnung, dass diese Partylawine Kippen, Büchsen und Grill morgens um drei wieder brav mit nehmen wird - schließlich stand in der fünften Klasse doch Mülltrennung auf dem Lehrplan.

Gekommen, um zu bleiben

Die Besucher der Grünanlagen wissen es besser: Der Dreck bleibt, wo er ist. Und ist das die Schuld der Feiernden? Jein, natürlich sollte man seinen Dreck wieder mitnehmen. An den Haufen rund um die kleinen Müllkübel erkennt man, dass der Wille durchaus vorhanden ist, den Müll zu entsorgen. Der gute Vorsatz reicht nur bis zum nächsten Behältnis. Das reicht dann aber nicht aus. Anstatt bei den Hotspots an den wenigen Sommertagen ein paar Großcontainer hinzustellen, bleibt es bei den überquellenden Eimerchen. Nicht einmal ein Großeinsatz der Reinigungskräfte nach dem Wochenende ist sicher. Nein, man lässt sich Zeit, damit der Müll in der Sonne reifen kann. Vögel, Katzen und Hunde können dann mit den stinkenden Resten spielen, bis alle Plastikbeutel zerfetzt sind, und der Wind das Zeug über Park und Strand verteilt hat. Irgendwann kommt dann die Arbeitsbrigade und pickt die Überreste in Handarbeit fein säuberlich zusammen. Ein Container wäre sicher die billigere Variante.

Sauberkeit kostet

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit solchen Party-Exzessen umzugehen: Entweder man stellt sie ab oder man lenkt sie in die richtige Bahnen. Eine Stadt, der die Sause nicht passt, sollte den Alkoholkonsum in den Grünanlagen verbieten und das Verbot dann auch durchsetzen. Doch das wäre der Tagestouristen-Hochburg zu spießig. Ein professioneller Umgang ist aber offenbar zu teuer.

An echten Party-Orten kann man sehen, wie man das Chaos in den Griff bekommt. Promennaden und Strände am Mittelmeer sind auch nur darum sauber, weil sie an jedem Tag im Morgengrauen mit einer Maschine gekehrt werden. Die Spanier bekommen das ohne Kurtaxe hin.

Am Mittelmeer weiß man auch, dass ein hygienischer Badestrand nur zu haben ist, wenn man auch in Bedürfnisanstalten investiert. In Hamburg ist der Müll das sichtbare, aber kleinere Problem der Gute-Laune-Wochenenden. Was passiert, wenn Tausende sich mit Abertausenden Litern Bier zuschütten? Sie verspüren ein dringendes Bedürfnis. Das nehmen sie auch nicht mit nach Hause, dem gehen sie vor Ort nach. Öffentliche Toiletten oder Dixieklos wurden vor Jahrzehnten weggespart. Also kommt auf jeden Beutel Müll mindestens die gleiche Menge an Urin und braunen Haufen. Sie findet man unter jedem Strauch und dürftig verscharrt auf dem Strand. Fünf Zentimeter darüber werden morgens wieder die Badelaken ausgelegt.

Ach, Hamburg, Du bist mir eine Perle.


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