HOME

Hamburger Verleger zieht sich zurück: Heinz Bauer übergibt Geschäfte an Tochter Yvonne

Der Hamburger Bauer-Verlag stellt sich neu auf. Gesellschafter Heinz Bauer habe mit sofortiger Wirkung 85 Prozent der Kommanditanteile des Familienunternehmens auf seine Tochter Yvonne Bauer (33) übertragen, teilte die Bauer Media Group mit.

Verleger Heinz Bauer zieht sich zurück, seine Tochter Yvonne übernimmt die Konzernführung: Dazu hat der 71-Jährige mit sofortiger Wirkung 85 Prozent der Kommanditanteile des Familienunternehmens ("Bravo", "TV Movie") auf die 33-Jährige übertragen, die bereits zur Geschäftsführung gehörte. Als "Co-Pilot" wolle er seine Tochter noch weiter begleiten, aber nur ins Steuer greifen, wenn es nötig werde, sagte der Hobby-Flieger am Donnerstag in Hamburg. Die Bauer Media Group erwartet für 2010 einen Konzernumsatz von rund 2,03 Milliarden Euro.

Auch Bauers Töchter Mirja, Nicola und Saskia sind mit je fünf Prozent als Kommanditisten an der Heinrich Bauer Verlag KG beteiligt, unter deren Dach alle bisherigen Gesellschaften zusammengeführt werden. Er selbst bleibt persönlich haftender Gesellschafter. "Ich lasse noch nicht ganz los", sagte Bauer, der auch weiterhin in seinem Büro anzutreffen sein wird. Schließlich sei ihm ein Leben ganz ohne den seit fünf Generationen bestehenden Verlag zu "langweilig". Und als "alter Hase" möchte er seiner "fähigen und begeisterten Nachfolgerin" vielleicht noch manchen Tipp geben.

"Mein Anspruch ist es, das Unternehmen genauso gut zu führen, wie er es getan hat", sagte die Jung-Verlegerin mit Blick auf den Vater. Sie werde die Familie in ihre Entscheidungen einbeziehen, versicherte sie und hielt sich an Grundsätze ihres Vorgängers: "Wir planen langfristig. Wir müssen keine kurzfristigen Gewinne erzielen." Das sei ein Luxus gegenüber Aktionären verpflichteten Firmen, sagte Yvonne Bauer. Traditionell gibt der Verlag keine Ergebniszahlen bekannt.

"Optimierung ist Basis all unserer Aktivitäten", führte die Junior-Chefin aus. Und natürlich bleibe der Verlag offen für neue Chancen. So wie die Rundfunkaktivitäten beispielsweise in Großbritannien und Polen - "eine Bereicherung für unser Medienhaus". Dennoch bleibe Bauer ein Print-Verlag, ein Strauß von Titeln - darunter "Happinez" - sei im ablaufenden Jahr aufgelegt worden. "Print ist quicklebendig."

Geprägt von Zukäufen im Ausland ist der Konzernumsatz 2009 erstmals über zwei Milliarden Euro gestiegen, um 17,7 Prozent auf rund 2,11 Milliarden Euro. Der erwartete Umsatzrückgang 2010 wurde maßgeblich mit Veränderungen im Konsolidierungskreis begründet. Rund 60 Prozent der Erlöse sollen 2010 aus dem Ausland kommen. Bauer erzielt seinen Umsatz wesentlich durch den Vertrieb (1,3 Mrd Euro), rund 370 Millionen Euro kommen über Anzeigen, 187 Millionen Euro bringt die Sparte Radio. Die digitalen Medien sollen rund 60 Millionen Euro erlösen (2009: 41 Mio). Die Geschäftsführung zeigte sich zuversichtlich, dass sich 2011 ein Aufwärtstrend fortsetzen wird. Die Bauer Media Group beschäftigt rund 8000 Mitarbeiter.

Almut Kipp, DPA/APN / DPA