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Honorare: 2,5 Milliarden Euro mehr für Ärzte

Mehr Geld für Ärzte: Mindestens 2,5 Milliarden Euro sollen die niedergelassenen Mediziner im nächsten Jahr zusätzlich erhalten. Das Ergebnis wurde gegen den Willen der Krankenkassen durchgesetzt. Auf Versicherte und Arbeitgeber kommen damit neue Belastungen zu.

Der Verhandlungsabschluss im Honorarstreit ist von den Ärzteverbänden als erster Schritt in die richtige Richtung bewertet worden. "Wir sind noch lange nicht am Ziel", sagte der Vorsitzende des Hartmannbundes, Kuno Winn. Bisher seien lediglich Minimalforderungen diskutiert worden.

0,25 Prozent mehr Beitrag

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hatten sich darauf verständigt, dass die Vergütungen der rund 145.000 niedergelassenen Ärzte im nächsten Jahr um mindestens 2,5 Milliarden Euro steigen. Die Kassen machten deutlich, dass das Ergebnis gegen ihren Willen von Schlichter und Ärzten durchgesetzt worden sei. Für die Beitragszahler bedeutet die höhere Honorarsumme Mehrbelastungen.

Nach dem Verhandlungsabschluss steigt das Honorarvolumen für die Mediziner im Vergleich zum jetzigen Budget um gut zehn Prozent. Die Ärzte hatten ein Honorarplus von 4,5 Milliarden Euro gefordert, mindestens aber die Anhebung um 2,5 Milliarden Euro. Versicherte und Arbeitgeber kostet der Abschluss 0,25 Beitrags-Prozentpunkte zusätzlich. Es wird davon ausgegangen, das der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung steigt. Derzeit liegt er im Durchschnitt aller Kassen bei rund 14,92 Prozent. "Die Versicherten werden dies leider in ihrem Portemonnaie spüren", sagte ein Sprecher der Krankenkassen.

Einen Aufschlag von 2,5 Milliarden hatte die Politik selbst ins Gespräch gebracht und damit die Kassen unter Druck gesetzt. Die Höhe des Honorarvolumens für die Arztpraxen ist mitentscheidend für den künftig einheitlichen Beitragssatz des neuen Gesundheitsfonds, der im Oktober festgesetzt werden soll. Der umstrittene Gesundheitsfonds startet 2009. Wie hoch der künftige Einheitssatz für alle gesetzlichen Versicherten sein wird, hängt unter anderem noch von den Budgetverhandlungen mit den Kliniken ab.

"Das ist heute ein wichtiger Schritt gewesen, um die flächendeckende und qualitativ hochwertige ambulante Versorgung für die Patienten auf Dauer zu sichern", kommentierte der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Köhler. Die Kernforderungen der Kassenärzte sah Köhler weitgehend erfüllt: "Die Trennung der Honoraranteile für Haus- und Fachärzte kann beibehalten werden. Zugleich werden die Ärzte und Psychotherapeuten in den alten Bundesländern keine Honorarverluste erleiden. Für die neuen Bundesländer ergibt sich eine Angleichung der gezahlten Vergütung je Versicherten auf durchschnittlich 90 Prozent des Westniveaus."

Winn vom Hartmannbund wertete die Honorarerhöhung als "ein dringend notwendiges Zugeständnis im allerletzten Augenblick". Der Präsident der "Freien Ärzteschaft", Martin Grauduszus, bezeichnete das Plus als "seit langem überfällige Nachzahlung". Mit dem Abschluss sei "eine einzige Stellschraube in unserem Gesundheitssystem ... ein wenig gängiger gemacht worden". "Das System selbst benötigt aber nach wie vor dringend die von Ärzten und Patienten gewollte große Reparatur", sagte er laut Pressemitteilung.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, hatte in der "Financial Times Deutschland" gefordert, Ärzte für medizinisch notwendige Leistungen gerecht zu vergüten, "damit sie nicht gezwungen sind, immer mehr auf privat finanzierte Zusatzleistungen auszuweichen".

DPA / DPA