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Erfolg des Ärztestreiks: Höheres Honorar und Zusatzleistungen der Kassen

Der Streit um höhere Honorare für Ärzte scheint beigelegt. Ein Eckpunktepapier sieht eine Erhöhung um vier Prozent vor. Auch für Patienten sind Verbesserungen in Sicht.

Im Honorarstreit der Ärzte haben sich die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) nach zähen Verhandlungen auf ein Eckpunktepapier geeinigt. Es sieht unter anderem vor, dass die bundesweit 150.000 niedergelassenen Kassenärzte und Psychotherapeuten künftig bis zu vier Prozent mehr Honorar erhalten sollen. Auch für Patienten sind Verbesserungen geplant.

Was bedeutet der Honorarabschluss für die Ärzte?

Ärzte und Psychotherapeuten sollen im kommenden Jahr statt bisher 33,7 rund 35 Milliarden Euro für die ambulante Behandlung der gesetzlich Krankenversicherung erhalten. Der Honorarzuschlag bewegt sich dabei in einem Rahmen, den KBV und GKV mit einem Betrag von voraussichtlich 1,15 bis 1,27 Milliarden Euro angeben. Die konkrete Höhe ist deshalb offen, weil eine weitere Honorarkomponente der Ärzte auf Länderebene noch ausgehandelt werden muss.

Womit können die Patienten im nächsten Jahr rechnen?

Rund 70 Millionen gesetzlich Versicherte erhalten von ihren Krankenkassen im nächsten Jahr zusätzliche Leistungen in der Grundversorgung der Haus- und Fachärzte. Der entsprechende Leistungskatalog der Kassen wird dazu erweitert. Details müssen noch ausgehandelt werden, dabei sollen etwa Leistungen in der Geriatrie und Palliativmedizin neu in den Leistungskatalog aufgenommen werden. Zudem dürfte es einfacher werden, einen Termin beim Psychotherapeuten zu erhalten, weil deren immer häufiger nachgefragte Therapieleistungen nun ohne Kostendeckelung von den Kassen direkt bezahlt werden.

Weshalb protestieren Ärzte ungeachtet der Einigung?

Alle Ärzte werden in Honorarverhandlungen als Pflichtmitglieder der Selbstverwaltungsorganisation KBV sowie deren Länder-Organisationen vertreten. Allerdings sind zahlreiche freiberufliche Mediziner sowohl mit der Höhe als auch der internen Verteilung der Honorare in der Ärzteschaft unzufrieden. Sie sind deshalb auch Mitglied in unterschiedlichen freien Ärzteverbänden, die die besonderen Interessen ihrer jeweiligen Mitglieder vertreten. Diese sind unabhängig von der KBV und haben bei den Honorarverhandlungen keinen Sitz am Verhandlungstisch. Ihr wichtigstes Druckmittel sind öffentliche Proteste.

Wie geht es im Honorarstreit weiter?

Die Honorare der Ärzte setzen sich aus dem Preis der einzelnen ärztlichen Leistung, dem budgetierten Umfang der Leistungen sowie einer Regionalkomponente zusammen. Auf Bundesebene werden am 22. Oktober die ersten beiden Komponenten formell durch den sogenannten Erweiterten Bewertungsausschuss. Kassenärztliche Vereinigungen und gesetzliche Krankenkassen müssen dann bis zum Jahresende auf Länderebene die Regionalkomponente aushandeln.

Um was geht es bei den Verhandlungen auf Länderebene?

In die Regionalkomponente fließt die je nach Bundesland unterschiedliche Altersstruktur und die damit einhergehende prozentual unterschiedliche Zahl von Kranken ein, deren medizinische Versorgung von den Kassenärzten sichergestellt werden muss. Dafür gibt es Zuschläge in regional unterschiedlicher Höhe, da auch der zusätzliche Arbeitsaufwand der Ärzte regional abweicht.

jat/AFP / AFP