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Kurseinbruch: Anlegerpanik drückt T-Aktie

Die Deutsche Telekom bekommt die große Nervosität am Aktienmarkt voll zu spüren: Aus Angst vor einer Gewinnwarnung sind die T-Aktien teilweise um mehr als zehn Prozent eingebrochen. Dabei hat die Telekom schon weit erschreckendere Nachrichten herausgegeben als diesmal.

Die Aktie der Deutschen Telekom ist aus Sorge um eine Gewinnwarnung auf den tiefsten Stand seit März 2003 gefallen. In der Spitze verlor die T-Aktie zeitweise über zwölf Prozent auf unter zehn Euro. Hintergrund waren Befürchtungen, dass der Bonner Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr nicht einhalten könnte. Ein Sprecher wies dies zurück: "Wir bestätigen die Prognose im vollen Umfang", sagte er.

Die Befürchtungen waren aufgekommen, nachdem Vorstands-Mitglied Timotheus Höttges für dieses Jahr für die Festnetzsparte einen Rückgang bei Umsatz und bereinigtem Betriebsgewinn (Ebitda) in Aussicht gestellt hatte. Demnach werde der Umsatz voraussichtlich um vier bis sechs Prozent schrumpfen. Der Ebitda sinke wohl sogar um fünf bis acht Prozent.

Experten hielten die Reaktion der Investoren für weit übertrieben. "Die Prognosen lagen zwar leicht unter den Markterwartungen", kommentierte Analyst Chris-Oliver Schickentanz von der Dresdner Bank. "Der Kurssturz ist aber überzogen, da die Ziele für das Konzernergebnis trotz der schwächeren Aussichten für das Festnetzgeschäft bestehen bleiben."

Sein Kollege Andreas Mark von der Fondsgesellschaft Union Investment bekräftigte die Meinung: "Die Leute sind sehr nervös, was negative Nachrichten angeht." Das Ausmaß des Kurssturzes hielt der Experte allerdings angesichts der vorgelegten Zahlen für völlig unangemessen. "Das ist absolut übertrieben." Für die Telekom kam der Kurseinbruch ebenso überraschend. Ein Konzernsprecher zeigte sich ratlos: "Es ist unerklärlich. Denn es gibt keine neuen schlechten Nachrichten - im Gegenteil."

Punkten mit Breitband

Denn immerhin hofft die Telekom auf einen der größten Aufträge, die derzeit in der Branche zu haben sind. Der Ölkonzern Shell lagert seine IT mit 3000 Mitarbeitern aus. Der Auftrag hat ein Volumen von einer Milliarde Euro. Die Telekom erwartet den Zuschlag noch in diesem Monat. Dem Kurs half das allerdings nicht auf die Beine.

Den Schrumpfungsprozess im angestammten Geschäft mit traditionellen Telefonanschlüssen will die Telekom vor allem mit dem Ausbau von schnellen Internetanschlüssen und einem Sparprogramm entgegenwirken. Nach Einsparungen von 1,2 Milliarden Euro in der unter der Marke T-Home geführten Sparte im vergangenen Jahr sollen die Kosten in diesem Jahr um eine weitere Milliarde Euro sinken. Während die Telekom bei traditionellen Telefonanschlüssen 2008 mit einem Minus um 1,7 bis 1,9 Millionen rechnet - wodurch der Marktanteil von 82 auf 73 bis 75 Prozent sinken wird - seien bei Breitbandanschlüssen Steigerungen zu erwarten.

Mit 1,6 Millionen zusätzlichen Breitband-Kunden will die Telekom ihren Marktanteil in dem Segment um mindestens einen Prozentpunkt auf 45 Prozent erhöhen. Auch im Jahr 2010 will die Telekom bei Breitbandanschlüssen einen Marktanteil von über 45 Prozent haben, während sie bei klassischen Anschlüssen bis dann mit einem Rückgang auf 65 Prozent rechnet.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters