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Letzter Schlussverkauf: Handel hofft auf Ende des Käuferstreiks

Beim voraussichtlich letzten traditionellen Schlussverkauf hoffen die Einzelhändler auf Kauflust bei den zögerlichen Kunden - die bleiben aber zögerlich.

Bisher regiert bei den Einzelhändlern noch das Prinzip Hoffnung: Dass nämlich die Kunden beim voraussichtlich letzten traditionellen Schlussverkauf von einer neuen Kauflust erfasst werden. "Man merkt immer noch Zurückhaltung bei den Verbrauchern", sagte Isa Gartiser, Geschäftsführerin des Landesverbands des bayerischen Einzelhandels (LBE). Gut eine Woche vor dem offiziellen Start des Sommerschlussverkaufs am 28. Juli locken daher bereits jetzt viele Händler mit Rabatten und reduzierten Einzelstücken. Auch nach der geplanten gesetzlichen Neuregelung könnte es nach Einschätzung der Branche in den kommenden Jahren noch freiwillige Schlussverkaufs-Aktionen auf kommunaler Ebene geben.

Regale immer noch gut gefüllt

Angesichts der lang anhaltenden Branchenflaute ist der Ausverkauf diesmal für die gebeutelten Händler besonders wichtig. "Der Schlussverkauf ist der wesentliche Umsatzimpuls zum Ende der Saison", sagte Geschäftsführer Ralf Ziebula vom Münchner Kaufhaus Sport-Scheck. So hatte hatte der bayerische Einzelhandel im Jahr 2002 schon Umsatzrückgänge von knapp einem Prozent hinnehmen müssen. Das Geschäft mit Textilien, Bekleidung und Schuhen brach sogar um rund 5 Prozent ein. In den ersten Monaten dieses Jahres lief das Geschäft wegen der schwachen Konjunktur nicht viel besser. Daher sind die Regale und Lager der Geschäfte noch gut gefüllt.

Ermäßigungen bis zu 70 Prozent

Daher wollen viele Läden schon jetzt mit einem Frühstart den Absatz ankurbeln. "Wir haben mit unseren sehr frühen Reduzierungen im Vorfeld gute Erfahrungen gemacht", sagte Dagmar Munk vom Nürnberger Modekaufhaus Breuninger. Sie erwartet einen sehr guten Sommerschlussverkauf in diesem Jahr. Für den anstehenden SSV rechnet der LBE mit Nachlässen um bis zu 50 Prozent, besonders modische Artikel würden sogar mit einem Nachlass von bis zu 70 Prozent über die Ladentheke gehen. Die Verbraucherzentrale Bayern fordert die Konsumenten beim Schlagabtausch der Händler mit Rabatten allerdings zu Wachsamkeit und Preisvergleich auf. "Der Kunde soll auf keinen Fall wegen der Bezeichnung reduziert oder Schnäppchen glauben, die Ware wäre auch wirklich billig", sagte ein Sprecher.

Saisongebundene Ware zweimal jährlich im Abverkauf

In Zukunft müssen Kaufhäuser und Kundschaft umdenken, denn Schlussverkäufe in der jetzigen Form wird es nach einem Gesetzentwurf nicht mehr geben. Man wollte solche Verkäufe nicht auf bestimmte Zeiträume beschränken, erklärte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries: "Sondern wir sagen umgekehrt: sie können jederzeit sein." Selbstverständlich kann sich der Handel weiter auf saisonale Schlussverkäufe verständigen. Nach der gegenwärtigen Rechtslage dürfen jährlich nur in zwei festen Zeiträumen saisongebundene Waren wie Kleidung, Schuhe oder Sportartikel pauschal reduziert werden, um die Regale zu räumen.

Händlergemeinschaften könnte weitermachen

Beim Nürnberger Textilhaus Wöhrl glaubt Geschäftsleiter Wilhelm Ott an eine solche Absprache. "Wir werden Möglichkeiten finden, trotzdem einen SSV zu machen. Vielleicht heißt er dann nicht mehr so", sagte er. Beim LBE sieht man den Abschluss solcher Vereinbarungen als schwierig an. "Nur in einer kleineren Stadt, in der eine Werbegemeinschaft das koordiniert, könnte so etwas funktionieren", sagte Gartiser.

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