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Neue Verwertungsgesellschaft: Die Gema-Rebellen formieren sich

Das Monopol der Gema bei der Verwertung von Musikrechten wackelt. Eine Gruppe von Künstlern hat in Hamburg eine alternative Genossenschaft gegründet. Ihr Ziel: Mehr Mitbestimmung und mehr Freiheit.

Von Daniel Bakir

Nein, die Gema hat keine Glückwünsche geschickt als sich in dieser Woche die Cultural Commons Collecting Society, kurz C3S, gegründet hat. Im Schmidt Theater auf der Hamburger Reeperbahn unterzeichneten 50 Gründungsmitglieder feierlich die Papiere zur Gründung der alternativen Genossenschaft. Erklärtes Ziel: dem Monopolisten Gema Konkurrenz machen bei der Lizensierung und Verwertung von Musikrechten.

Offiziell heißt es zwar beim Goliath Gema, man sehe die kleine C3S "nicht als echte Alternative", doch dass die Initiatoren keine Spinner sind, das hat der Platzhirsch längst gemerkt. Rund 100.000 Euro haben die Aktivisten in den vergangenen zweieinhalb Monaten via Crowdfunding eingeworben. 30.000 Euro brachten die Gründer selbst mit ein. Insgesamt mehr als 1600 Sympathisanten beteiligten sich an der Finanzierung. Daher hörten auch die Vertreter der Gema am Freitag genau hin, als die Köpfe der C3S in Hamburg ihren weiteren Schlachtplan erörterten.

Bis zum Jahresende will die C3S ihr Kapital auf 200.000 Euro erhöhen, sodass sie erste Entwickler anstellen und eine technische Infrastruktur aufbauen kann. Ende 2014 möchte die C3S dann als Verwertungsgesellschaft vom Patentamt zugelassen sein. "Es ist immer noch ein weiter Weg, aber wir sind alle sehr zuversichtlich", sagt Meinhard Starostik, einer der Initiatoren. Langen Atem haben die Initiatoren bereits bewiesen: Wolfgang Senges und Meik Michalke, die nun zu Geschäftsführern der C3S bestimmt wurden, arbeiten an dem Projekt bereits seit mehr als drei Jahren.

Mehr Mitbestimmung und freie Lizenzen

Die Musikaktivisten wollen vor allem zwei Dinge anders machen als die Gema. Zum einen soll die C3S demokratischer sein. Jedes Mitglied soll das gleiche Stimmrecht bekommen, unabhängig davon wie bekannt und erfolgreich er oder sie als Künstler ist. Bei der Gema dagegen haben vor allem diejenigen das Sagen, die mit ihrer Musik den größten Umsatz machen. Zum anderen soll bei der C3S jeder Künstler individuell bestimmen können, wie er mit den Rechten an seinen Werken umgeht. Das Mittel dafür sind freie Lizenzen, sogenannte "Creative Commons". Sie ermöglichen es einem Künstler beispielsweise, bestimmte Songs zum nicht-kommerziellen Teilen und Herunterladen freizugeben, etwa um sich bekannt zu machen. Bei anderen Werken könnte er dagegen weiterhin auf seinen Tantiemen bestehen.

Wenn alles nach Plan läuft, wird es den Künstlern künftig auch möglich sein, in beiden Verwertungsgesellschaften Mitglied zu sein. Man wolle nicht gegen die Gema, sondern mit ihr arbeiten, betonen die C3S-Leute. "Ich denke, dass die Gema Teamwork lernen muss", sagt Danny Bruder, Musiker, und seit neuestem stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender der C3S. Ob er und seine Mitstreiter tatsächlich schon im kommenden Jahr Tantiemen für Künstler einsammeln und ausschütten können, ist noch völlig offen. Eines haben sie aber schon jetzt erreicht: Die Gema denkt mittlerweile auch selbst über die Einführung von "Creative Commons"-Lizenzen nach.

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