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Postdienste: Der kleine Postladen beim Bäcker

Mit der Rentnerin auf dem Land, die zwei Mal im Monat in einer Filiale eine Briefmarke kauft, macht die Deutsche Post kein rentables Geschäft. Möglicher Ausweg: Post-Shops, die auf dem Land ein Minimal-Angebot sichern sollen.

Bei mangelnder Kundennachfrage muss die Post für den Unterhalt ihrer gelben Filialen kräftig zubuttern. Deshalb hat sie längst ihr Filialnetz auf den Prüfstand gestellt und auch schon ausgedünnt. Mit einem Testlauf will der gelbe Riese nun herausfinden, ob sie mit einem neuartigen Minimal-Service ("Post Light") auch künftig eine finanzierbare Grundversorgung in ländlichen Regionen aufrechterhalten kann. Dazu sollen ab September rund 300 Standorte mit Partnern aus dem Einzelhandel zusätzlich eingerichtet werden.

Ab 2007 kommt schmales Angebot

Die Post machte klar, dass es nicht um Änderungen im jetzigen Netz der Pflichtstandorte gehe. Im Gegenteil bemühe sie sich mit Hilfe der kostengünstigen Lösung, auch bereits zur Schließung anstehende Filialen außerhalb des Pflichtnetzes zu erhalten. Das frühere Staatsunternehmen ist bisher gesetzlich dazu gezwungen, ein bestimmtes flächendeckendes Grundangebot für die Bevölkerung bereitzustellen. Hier werden allerdings mit Auslaufen des nationalen Monopols im Briefgeschäft Ende 2007 die Karten neu gemischt. Dann könnte es in Kleinstfilialen der Post nur noch ein äußerst schmales Angebot geben.

Beim "schlanken Basissortiment" würden nur noch eine Brief- und Paketannahme sowie Brief- und Paketmarken und Packsets angeboten, erläuterte Post-Sprecher Jürgen Blohm. Damit versuche die Post den Spagat zwischen verändertem Kundenverhalten und Kosten hinzubekommen. Einschreiben, Nachnahmen, die Ausgabe lagernder Sendungen oder Postbank-Service fallen weg. Im Zeitalter des Internets trage das neue Format auch der höheren Mobilität der Kunden und der abnehmenden Privatkorrespondenz Rechnung.

"Versuchsstadium" bis 2006

Nach Abschluss des "Betriebsversuchs" im Frühjahr 2006 will die Post über das neue Modell entscheiden. Sollte es umgesetzt werden, gäbe es künftig eine Dreierstruktur im Filialnetz der Post: Großfilialen mit einem Komplettangebot einschließlich Postbank-Service, Filialen nach bisherigem Muster ohne Postbank-Service und schlichte Agenturfilialen in Läden oder Tankstellen mit stark reduziertem Angebot.

Bisher muss die Post nach dem Gesetz mindestens 12.000 Filialen unterhalten, in denen auch ein bestimmtes Angebot vorgeschrieben ist. Die Post erfüllt diese Vorgaben - nach einem Abbau von rund 1.000 Standorten - derzeit mit rund 5.000 eigenbetriebenen Filialen und weiteren rund 7.500 Agenturfilialen. Wenn das Monopol fällt, könnte die Post ab 2008 trotz freien Wettbewerbs in einem gänzlich liberalisierten Markt als das marktführende Unternehmen auch künftig in die Verpflichtung genommen werden, eine noch näher zu definierende Grundversorgung zu garantieren.

Auch eine Imagefrage

Post-Vorstandschef Klaus Zumwinkel hat hinter solche möglichen Verpflichtungen bereits ein Fragezeichen gesetzt und so viel Flexibilität nach unten wie möglich gefordert. "Ich nenne das 'light is right', und ich bin fest überzeugt, dass allen Beteiligten damit am besten geholfen wäre." Allerdings steht hier auch das Image des börsennotierten Unternehmens auf dem Spiel. Die Post steht vor allem durch Kommunen und empörte Bürger unter Druck, auch kleine Filialen vor Ort zu erhalten und sich nicht gänzlich aus der Fläche zurückzuziehen. Das neue Modell könnte dafür eine Lösung sein.

Edgar Bauer/DPA / DPA
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