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Rudolf August Oetker: Der «Pudding-Papst» wird 85

Rudolf August Oetker verlässt sich gern auf sein Gefühl. «Geschäfte muss man aus dem Bauch heraus entwickeln - und dann seinen Kopf gebrauchen«, hat er einmal gesagt.

Mit der ihm eigenen Mischung aus Gespür und Mut, Fleiß und ostwestfälischer Sparsamkeit hat Oetker in vier Jahrzehnten ein weltweit tätiges Unternehmen mit einer Vielzahl von Geschäftsfeldern aufgebaut. Der Senior-Chef des Bielefelder Nahrungsmittelimperiums ist einer der ganz großen deutschen Unternehmer der Nachkriegszeit. Am 20. September feiert «RAO», wie ihn seine Mitarbeiter nennen, seinen 85. Geburtstag.

Der Enkel des Firmengründers, des Apothekers und Backpulver-Erfinders Dr. August Oetker, trat 1941 in das Geschäft ein, das damals von seinem Stiefvater Richard Kaselowsky geleitet wurde. Als Kaselowsky und weitere Familienangehörige 1944 bei einem Bombenangriff ums Leben kamen, fiel die Alleinverantwortung gewissermaßen über Nacht an den damals erst 28-jährigen Bankkaufmann Rudolf August Oetker. Getreu seiner Devise «Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen» ging er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges daran, aus der Nährmittelfabrik einen der am breitesten diversifizierten Konzerne Deutschlands auf die Beine zu stellen.

Heute produziert die Oetker-Gruppe nicht nur Pudding, Speisestärke, Backmischungen und Tiefkühlgerichte, sondern nennt eine große Reederei (Hamburg-Süd) ihr Eigen, betreibt Brauereien (Binding, Radeberger, Dortmunder Actien-Brauerei), Sektkellereien (Henkell & Söhnlein), besitzt Luxushotels, Bankhäuser (Hermann Lampe) und Versicherungen (Condor). Weltweit beschäftigte das Bielefelder Familienunternehmen Ende 2000 mehr als 18 700 Mitarbeiter. Oetker erzielte im dem Jahr einen konsolidierten Gruppenumsatz von knapp 8,5 Milliarden DM (4,35 Milliarden Euro). Zusammen mit dem nicht konsolidierten Geschäftsbereich Bier und alkoholfreie Getränke kam Oetker auf einen Umsatz von 10,2 Milliarden DM.

Trotz dieser Expansion blieb Rudolf August Oetker einer Überzeugung treu: «Solange ich lebe, bleibt Oetker ein Familienunternehmen», betont der «Pudding-Papst» immer wieder seine Abneigung gegen Aktiengesellschaften. 1981 zog sich der passionierte Kunstsammler und Pfeifenraucher Rudolf August Oetker aus dem aktiven Tagesgeschäft zurück und übergab seinem ältesten Sohn August die Leitung der Gruppe. Als Ratgeber und «graue Eminenz» im Hintergrund ist er allerdings immer noch präsent, denn: «Ich könnte jede Art von Leben führen. Voraussetzung: Ordnung und etwas zu tun haben.»