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130 Jahre altes Unternehmen Nach Streit der Erben – Traditionskonzern Dr. Oetker wird aufgespalten

Ein Schwarzweiß-Foto zeigt eine junge Frau an einer Produktionsstraße von Lebensmitteln
Produktion bei Dr. Oetker 1972 in Bielefeld. Gegründet wurde das Unternehmen 1891.
© Klaus Rose / Picture Alliance
Dr. Oetker – das sind Pudding, Kuchen und Bier, aber auch Hotels. Die Erben von Rudolf-August Oetker stritten lange über die Ausrichtung der Gruppe. Nun gibt es eine Entscheidung.

Wie geht es mit Dr. Oetker weiter? Nach einem jahrzehntelangen Streit um die Ausrichtung des Konzerns ist jetzt entschieden: Dr. Oetker wird aufgespalten. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag in Bielefeld mit.

Die Gesellschafter Alfred, Carl Ferdinand und Julia Johanna Oetker übernehmen unter einem gemeinsamen Dach unter anderem die Töchter Henkell & Co. Sektkellerei, die Martin Braun Backmittel KG, die Chemiefabrik Budenheim, einige Häuser aus der Hotelsparte sowie die Kunstsammlung August Oetker. Alfred und Ferdinand Oetker werden in das Management einsteigen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf einen Sprecher. Über den Sitz der neuen Holding sei noch nicht entschieden worden, fügte der Sprecher hinzu. Bielefeld schloss er allerdings aus.

"Mit dieser Entscheidung überwinden die Gesellschaftergruppen ihre unterschiedlichen Vorstellungen zur Führung und Strategie der Oetker-Gruppe. Eine entsprechende Trennungsvereinbarung ist von allen Eigentümern unterzeichnet worden", heißt es in einer offiziellen Mitteilung der Oetker-Gruppe zu der beschlossenen Aufspaltung.

Lebensmittel bei Dr. Oetker bleiben in einer Einheit

Die Trennungsvereinbarung soll noch in diesem Jahr vollzogen werden. "Die Entscheidung hat keine Auswirkungen für die Mitarbeiter in den einzelnen Unternehmen der Oetker-Gruppe", heißt es in der Mitteilung. Zum Zeitraum der Gespräche unter den Beteiligten wollten sich beide Seiten nicht äußern. "Seit geraumer Zeit wurde verhandelt", lautet die offizielle Aussage.

Der umsatzstärkste Teil mit Lebensmitteln (Pizzen, Backmischungen, Tiefkühltorten und Pudding), die Radeberger Gruppe sowie einige Hotels bleiben in der Hand der Gesellschafterstämme von Richard und Philip Oetker, Rudolf Louis Schweizer, Markus von Luttitz sowie Ludwig Graf Douglas. 2020 hatte Dr. Oetker einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro vermeldet.

Aus der Hotelgruppe gehen an die jüngsten Geschwister Alfred, Carl Ferdinand und Julia Johanna Oetker unter dem Namen Geschwister Oetker Beteiligungs KG die Oetker Hotel Management Company und das Hotel Le Bristol in Paris sowie das Château du Domaine St. Martin in Vence.

Die anderen Gesellschafter behalten das Brenner‘s Park Hotel in Baden-Baden und das Hôtel du Cap-Eden-Roc in Antibes. Auch bleibt der gerade übernommene Getränkelieferdienst Flaschenpost bei den Gesellschaftsstämmen um Richard Oetker.

Der Streit um die Ausrichtung beschäftigt die Familie bereits seit vielen Jahren. 2017 trennte sich Dr. Oetker von der Container-Schifffahrt. Für 3,7 Milliarden Euro übernahm der dänische Marktführer Maersk Hamburg-Süd von den Ostwestfalen, die mit diesem Schritt rund die Hälfte ihres damaligen Umsatzes einbüßten.

Rudolf-August Oetker hatte acht Kinder

Rudolf-August Oetker, der Enkel des Firmengründers, hinterließ bei seinem Tod 2007 acht Erben aus drei Ehen. Seine Kinder erblickten von 1940 bis 1979 das Licht der Welt. Zwischen den Halbgeschwistern liegen zum Teil fast 40 Jahre.

Ende 2016 musste Richard Oetker (viertes Kind aus der zweiten Ehe) die Konzernleitung laut Statut mit 65 Jahren aufgeben. Bereits 2010, als er das Ruder an der Spitze übernahm, waren sich die Familienstämme nicht einig. Er, in der Öffentlichkeit seit 1976 bekannt als das Entführungsopfer von Dieter Zlof, galt vor sechs Jahren als Puffer zwischen den Generationen und verhinderte Alfred Oetker (erstes Kind aus dritter Ehe) an der Spitze. Carl Ferdinand ist das zweite Kind aus dritter Ehe. Nachfolger von Richard als erster familienfremder Manager an der Konzernspitze wurde Anfang 2017 Albert Christmann.

Für Dr. Oetker und seine Tochterfirmen arbeiten weltweit rund 37.000 Beschäftigte. Die Geschäftsbereiche waren bisher wie folgt aufgeteilt. Nahrungsmittel (Dr. Oetker, Conditorei Coppenrath & Wiese, Martin-Braun-Gruppe), Bier und alkoholfreie Getränke (Radeberger-Gruppe), Sekt, Wein und Spirituosen (Henkell, Freixenet), Luxushotels, Chemische Industrie und Logistik sowie das Bankhaus Lampe.

Das Bankhaus steht vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden vor dem Verkauf. Dies war bereits vor der Aufspaltung entschieden worden.

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anb DPA

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