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Überwachungsskandal: Lidl setzt nun auf seriöse Detektive

Der Spitzelskandal bei Lidl, den stern.de aufgedeckt hat, empört auch den Bundesverband der deutschen Detektive. Nun will der Discounter den Verband finanziell unterstützen. Eine bekannte Strategie: Nicht zum ersten Mal geht Lidl eine Kooperation mit seinen Kritikern ein.

Von Sönke Wiese

Es waren die Protokolle von eifrigen Detektiven, die den Ruf des Discounters nachhaltig beschädigten. stern.de und der stern hatten aufgedeckt, dass Lidl jahrelang seine Mitarbeiter überwachen ließ. Dabei protokollierten die Ermittler auch Informationen aus dem Privatleben der Angestellten. "Schwarze Schafe der Branche", schimpfte der Bundesverband der deutschen Detektive (BDD) und kritisierte, dass Lidl sich mit unseriösen Firmen eingelassen hätte.

Nun will der Discounter Fördermitglied beim BDD werden und die Seminare des Verbandes zur Schulung der Mitarbeiter nutzen. "Hierbei geht es nicht darum, eigene Detektive 'heranzuzüchten', sondern jene Lidl-Mitarbeiter zu schulen, die den Einsatz von Detekteien beauftragen", erklärte BDD-Präsidentin Eveline Wippermann. Ursprünglich war der Verband nicht gut auf den Discounter zu sprechen, weil Lidl in ersten Äußerungen erklärte, dass die detaillierten Protokolle "so nicht von Lidl gewollt waren" und somit den Detektiven eine Mitschuld unterstellte. Der BDD befürchtete einen Image-Schaden für seine Branche.

Detektive profitieren vom Lidl-Skandal

Tatsächlich jedoch hat der dubiose Detektiveinsatz dem BDD wirtschaftlich eher genützt. "Wir rechnen nicht mit Auftragsrückgängen für unsere Mitglieder durch den Spitzelskandal", sagte Präsidentin Wippermann zu stern.de. "Im Gegenteil: Wahrscheinlich können wir jetzt sogar noch unsere Preise erhöhen." Hintergrund: Der Einzelhandel habe in der Vergangenheit vor allem Detekteien mit Dumpingpreisen beauftragt, die nicht im BDD organisiert seien. Nach Aufdeckung des Skandals erwartet Wippermann, dass der Einzelhandel sich nun vermehrt an die "Qualitätsdetekteien" vom BDD wende.

Wie zum Beispiel Lidl: "Wir gehen davon aus, dass Lidl zukünftig nur noch unsere Detekteien beauftragt", sagte Wippermann zu stern.de. Den prominenten Zugang kann der Detektiv-Verband gut gebrauchen. Bislang hat der BDD nur zwei Fördermitglieder: einen ehemaligen Richter und einen Unternehmer. Tatsächlich wünsche man sich mehr "Mittel und Manpower", sagte BDD-Geschäftsführer Hans Sturhan. Von rund 1500 Detekteien in Deutschland sind nur 150 im BDD organisiert.

Schulterschluss mit Kritikern

Lidl erhofft sich offenbar durch die Unterstützung des Detektiv-Verbandes ebenfalls einen positiven Image-Effekt. "Lidl könnte damit werben - und wir auch", sagte Sturhan zu FTD Online.

Nicht zum ersten Mal sucht Lidl den Schulterschluss mit seinen Kritikern. So ging der Discounter 2006 eine Kooperation mit Greenpeace ein, nachdem die Umweltschützer ihn wegen starker Pestizidbelastungen im Obst und Gemüse öffentlichkeitswirksam an den Pranger gestellt hatten. Daraufhin nahm Lidl das Greenpeace-Magazin in sein Sortiment auf, die Auflage der Zeitschrift wuchs um über 100 Prozent. Doch diese Geschäftsbeziehung hielt damals nicht lange: Als stern TV die ungewöhnliche Kooperation beleuchtete, kündigte Greenpeace den Deal mit Lidl.

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