Für den Hollywoodfilm "Gladiator" wurde das 80.000-Zuschauer-Bauwerk zwar auf Malta nachgebaut und zum Teil computergeneriert zur Blüte gebracht, doch Filmen wie diesem verdankt es seine gewaltige Popularität. Millionen von Rom-Besuchern gehen nicht fort, ohne das Kolosseum gesehen zu haben. Das größte Amphitheater der Welt besticht durch seine riesigen Ausmaße und die dreigeschossigen Arkaden mit einst 80 Zuschauereingängen. Es gilt als eine logistische Meisterleistung der Antike. Bereits bei der Eröffnung im Jahr 79 n. Chr. kurz nach dem Tod seines Erbauers Vespasian soll es unter dessen Sohn Titus 100 Tage lang die ersten Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen und theatralischen Seeschlachten gegeben haben.
Der zweiteilige ARTE-Film des Briten Pete Chinn (auf "Ein Bau der Superlative" folgt um 21.05 Uhr "Glanz und Verfall") bezieht neueste Erkenntnisse von Archäologen und Historikern ein. Ohnehin scheint das Kolosseum wie für Computeranimationen und Reenactmentszenen gemacht. Mancherlei Mythen, wie die öffentliche Hinrichtung von Verbrechern in der Arena, aber auch von frühchristlichen Märtyrern, wurden neuerlich korrigiert. Auch die bei den grausamen Gladiatoren- und Sklavenkämpfen gezählten Toten (400.000) waren nach jüngsten Einschätzungen zu viel. Genug immerhin, um die Schaulust der Römer bei freiem Eintritt zu befriedigen und die neue Herrscherdynastie der Flavier zu festigen.
Politikern wie Architekten kann das Kolosseum bis heute zum Vorbild für Sport und Propaganda gereichen. Seine markante Silhouette verdankt die gewaltige Ruine mehreren Erdbeben und Bränden, die vor allem die Südseite zerstörten. – Schon im zweiten Jahrhundert nach Christus wurden die Spiele im Kolosseum zum finanziellen Problem, Kaiser Mark Aurel sah sich zu Sparmaßnahmen gezwungen. Doch das Ende kam später. Der letzte historische Bericht über die Spiele im Kolosseum stammt aus dem Jahr 523 nach Christus. Ein Zeichen einstiger Macht ist das Kolosseum jedoch bis heute geblieben.
Das Kolosseum, Arena der Macht (1/2) – Ein Bau der Superlative – Sa. 17.01. – ARTE: 20.15 Uhr