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28. Juli 2009, 13:42 Uhr

Die dunkle Seite des Dalai Lama

Liebe Leserin, lieber Leser,

Dalai Lama, Kultur, Dharamsala

Thomas Osterkorn, Chefredakteur© Volker Hinz

diese Woche kommt der Dalai Lama wieder einmal nach Deutschland. Er ist wohl der beliebteste Mensch der Welt, ein Popstar der Erleuchtung, eine Projektionsfläche für Millionen Sinnsuchende aus allen Kontinenten und Kulturen. Auch der stern berichtet seit Jahren mit Wohlwollen über den tibetischen Gottkönig und das schwere Los seines Volkes, das von den Chinesen unterdrückt wird und um sein kulturelles Überleben fürchten muss. Mehrfach trafen stern-Reporter den Dalai Lama zum Interview, zuletzt besuchte ihn der damalige Indien-Korrespondent Teja Fiedler im Mai 2008.

Doch Solidarität darf den Blick auf Probleme nicht verstellen. In unserer Titelgeschichte über die "Lichtgestalt mit Schattenseiten" beleuchten wir nun die im Westen kaum bekannten dunklen Facetten des Systems Dalai Lama, der im indischen Exil nicht gerade demokratisch regiert. Dort müssen kritische Zeitungen schließen, und andersgläubige Mönche fürchten sich vor Repressionen. Unser Asien-Korrespondent Janis Vougioukas, 33, sprach in Dharamsala, der "Hauptstadt" der Exiltibeter, mit Mitgliedern der Exilregierung, mit Flüchtlingen, die erst zehn Tage zuvor nach ihrem langen Marsch über die Berge in Nordindien eingetroffen waren, und mit Tibetern, die seit Jahrzehnten im Exil leben.

Viele kennen den stern, erinnern sich daran, dass die Redaktion schon 1978 zu Spenden für Flüchtlingskinder aufgerufen hatte. Als unser Korrespondent in einem Café jedoch ein kritisches Buch über den Dalai Lama las, wurde er von anderen Gästen angestarrt. In Dharamsala wagt kaum jemand ein offenes Wort über den Gottkönig, den die meisten Tibeter als ihr unfehlbares Oberhaupt sehen. Doch hinter vorgehaltener Hand äußern inzwischen viele ihre Unzufriedenheit.

Janis Vougioukas recherchierte und schrieb die Titelgeschichte zusammen mit stern-Reporter Tilman Müller, 58, der sich seit Jahren mit dem Dalai Lama beschäftigt. Er war es auch, der 1997 aufdeckte, dass der Bergsteiger Heinrich Harrer, Autor des Weltbestsellers "Sieben Jahre in Tibet", während der NS-Zeit SS-Oberscharführer war. Harrer war bis zu seinem Tod ein enger Freund des Dalai Lama, den die Naziverbindung des Österreichers nie gestört hat. Der "Ozean der Weisheit", so die Übersetzung für Dalai Lama, hat ganz offenkundig auch ein paar Untiefen.

Herzlichst Ihr
Thomas Osterkorn

Gefunden in ... Stern Stern
Ausgabe 32/2009

 
 
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