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19. April 2009, 08:10 Uhr

Helden des Alltags

Outdoor, Trekking, Wandern, Kleidung

Handy mit Herzfrequenz - wann weiß ja nie, was auf dem Weg zur Arbeit passiert© Hersteller

Ein profaner Mantel aus 100 Prozent Wollfilz ist nicht besonders sexy. Dagegen haben die Hightech-Features der Branche ein ganz anderes Angeberpotenzial: Jacken, die "Protectory GTX M" (Salewa) heißen oder "Evolution TriClimate" (The North Face) und aus "100%-Nylon- Omni-Tech-By-Ply-Double Rip HP" (Columbia) oder "Stromlock Hyproof Stretch 2L" (Jack Wolfskin) sind. Stoffe, die atmen und gegen UV-Strahlen und Insekten schützen. Selbstreinigende Fasern aus der Nanotechnik, die im All getestet wurden. Reißverschlüsse mit zwölf verschiedenen Funktionen oder Jacken mit eingebautem GPS-Gerät und Track-Back-Taste (damit man auch sicher zurück nach Hause findet). Firmenbesitzer Peter Schöffel analysiert das Kaufverhalten der Männer feinfühlig: "Funktion ist die rationale Absicherung einer emotionalen Entscheidung."

Das neue Ourdoor-Design

Obwohl sich Outdoormode über ihren praktischen Nutzen verkauft, ist es den Herstellern gelungen, sie auch optisch der Gegenwart anzupassen. Früher sahen die Jacken aus wie schlammfarbene Säcke; heute sind sie tailliert, es gibt sie in Schwarz oder in knalligen Farben. "Wir sind so modisch geworden, dass wir sogar den Modefirmen etwas vom Geschäft wegnehmen", sagt Peter Schöffel. Der Spezialist für Ski- und Wanderkleidung brachte kürzlich erstmals ein Outdoorkleid auf den Markt - immerhin ist seine Kundschaft zu 50 Prozent weiblich.

An so viel Erfolg wollen auch branchenfremde Konkurrenten teilhaben. Discounter wie Aldi oder Kaffeeröster Tchibo bieten Outdoorbekleidung zum Schnäppchenpreis an. Da passiert es schon mal, dass ein Kunde bei Globetrotter fragt, warum er hier 350 Euro für eine Jacke ausgeben solle, wenn er sie im Billigmarkt für 29,90 Euro bekomme. Dem empfiehlt Andreas Bartmann: "Dann stellen Sie sich bei uns mal in den Windkanal. Da werden Sie den Unterschied schon merken."

Und wer es gewohnt ist, sich in Designerlabels einzukleiden, findet auch bei der Outdoormode etwas Passendes. Die Marken der Luxuskategorie heißen Woolrich, Moncler, Peuterey und Napapijri. Weit wandern muss man dafür nicht: Die Läden liegen meist in direkter Nachbarschaft zu Prada und Gucci.

Wenn demnächst also wieder der Kollege in K2-tauglicher Montur das Büro stürmt, nicht wundern: Die Outdoorjacke ist zum Sport Utility Vehicle - kurz SUV - unter den Anziehsachen geworden. Jener Geländewagen, der in erster Linie zum Brötchenholen genutzt wird und dessen einzige Herausforderung darin besteht, eine Parklücke in der Innenstadt zu finden. Ausgestattet mit allem Pipapo, aber für den eigentlichen Zweck völlig überqualifiziert.

Den eigentlichen Zweck gründlich missverstanden haben auch die Geschäftsmänner in einem dieser typischen Businessflieger morgens nach Frankfurt. Über ihren edlen Anzügen tragen sie autoreifendicke Multifunktionsjacken. Schon richtig, die sollen in vielen Tausend Metern Höhe funktionieren. Allerdings waren ihre Entwickler davon ausgegangen, dass man da selbst hochklettert.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 15/2009

Von Christine Mortag
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KOMMENTARE (3 von 3)
 
mibmab (20.04.2009, 15:44 Uhr)
Es gibt auch städtische Outdoor
Es stimmt schon, dass teure Expeditionsbekleidung im behüteten Alltag eher überflüssig ist, vor allem, wenn man sich hauptsächlich automobil oder per Bus/Bahn bewegt. Einige klassische Outdoor Marken wie etwa The North Face, sind ja inzwischen eher zu Modelabels geworden.
Wenn man allerdings als Fussgaenger oder Radfahrer im städtischen Alltag unterwegs ist, können einfache Outdoorklamotten schon praktisch sein. Die Wanderhose mit Mischgewebe trocknet nach einem Regenschauer schnell, während die Jeans oder Anzughose der Kollegen den Tag über feucht bleibt. Die Softshell Jacke hält auch mal nen Regenschauer aus und trocknet dann schnell. Für diese Funktionen reichen auch die preiswerten Outdoormodelle aus, nur mit denen kann man natürlich weniger Eindruck schinden.
eric111 (20.04.2009, 12:14 Uhr)
sandalen
Man muss nur mal woanders leben und man sieht "die Deutschen" differenzierter, oder kurz gesagt: Deutschland hat keine Kleidungskultur. Es wird versucht mit der gleichen Kleidung von morgens bis abends durchzukommen, egal wie das Programm auch aussehen mag. Notfalls hängt man sich die Jacke um die Hüfte oder zieht Strümpfe zu den Sandalen an. Außerhalb Mitteleuropas wird dies getrost als schlampig oder niveaulos verstanden. Naja, es ist auch nicht überall das Wetter so schlecht wie in .de
vita (20.04.2009, 09:01 Uhr)
Überleben in Innenstädten
Man muss nur einen Blick durch die Innenstädte unserer Republik schweifen lassen und sieht Menschen, die scheinbar Berge bezwingen wollen, Proviant für mehrtägige Touren mit sich herumzutragen scheinen und mit Schuhwerk ausgerüstet sind, mit dem sie im Hochgebirge bestens aufgehoben wären. Wozu das alles gut sein soll, ist wohl kaum nachvollziehbar, denn nötig ist es nicht.
Peinlich sind diese Formen der unförmigen und unfarbigen Kleidung, die von Farbgebung und Form zwischen Omas Anorak und Kindergartenkind schwanken, scheinbar auch nicht, denn irgendjemand hat diese Nicht-Mode zur Mode der unmodischen erklärt und so wird es sich fortsetzen bis ein neuer Trend aus dem Weltall oder der Tiefsee in unsere Städte dringt.
Wohl dem, dem es gefällt.
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