Türsteher – Wächter der Nacht
"Jugend von heute kennt keine Grenzen mehr": Türsteher klagen in ZDF-Doku über fehlenden Respekt

  • von Jasmin Herzog
Klartext ist angesagt: Türsteher Andrea Giarrizzo lässt sich "nicht gerne auf den Schlips treten".
Klartext ist angesagt: Türsteher Andrea Giarrizzo lässt sich "nicht gerne auf den Schlips treten".
© ZDF / Susanne Dobler
Einst seien Türsteher von Partygängern respektiert worden – heute sei das oft nicht mehr der Fall: Das berichten viele Security-Mitarbeiter in einer Doku, die das Zweite nun zu nächtlicher Stunde wiederholt. Der Zweiteiler begleitet mehrere "Wächter der Nacht".

"Für dich heute nicht!" – Diesen Satz bekommen jedes Wochenende zahllose Menschen zu hören. Gesagt wird er von jenen, die an den Türen der Clubs und Discos für Sicherheit sorgen: Türsteher umgibt aus Perspektive des Partypublikums oft eine ganz eigene Aura. Wie das Nachtleben aus Sicht des Security-Personals aussieht, ergründet eine zweiteilige Doku, die das ZDF nun passend zu nächtlicher Stunde wiederholt. "Türsteher – Wächter der Nacht" heißt der Film von Antje Diller-Wolff und Steven Melzer, der Türsteher in den Clubs von Köln, Frankfurt, Berlin, Kaiserslautern und Geldern begleitet.

Es sei ein "schmaler Grat zwischen Kontrolle, Diplomatie und möglicher Eskalation. Viele sehen in Türstehern oft nur den muskulösen Spielverderber, der scheinbar willkürlich entscheidet", sagt Melzer. "Die Perspektive des Türstehers einzunehmen, seine persönliche Geschichte zu erzählen und zu zeigen, wie vielseitig und hart dieser Job wirklich sein kann, finde ich besonders interessant."

"Das könnten alles unsere Kinder sein"

Etwa die Perspektive von Türsteherin Sandra: "Das könnten alles unsere Kinder sein", sagt sie. Auch wenn der Altersunterschied zwischen der Mittdreißigerin und den meisten Partygängern, die ihr in der nordrhein-westfälischen Großraumdisco "E-Dry" begegnen, eher gering sein dürfte. Ihrer Verantwortung, vor allem im Umgang mit schwer alkoholisierten Gästen, ist sich die Türsteherin jedoch bewusst: "Wenn wir die so auf die Straße schicken und am nächsten Tag steht irgendein Artikel in der Zeitung, könnten wir uns das nicht verzeihen."

Meistens, erzählt Sandra in der ZDF-Doku, tun ihr die Betrunkenen leid. Bei Totalausfällen sei es ihre Aufgabe, den Rettungswagen zu rufen oder die Eltern der Betroffenen zu kontaktieren. Ihr Kollege Rainer glaubt: "Die Jugend von heute kennt keine Grenzen mehr. Früher war es so: 'Komm, ich trink mal einen, dann ist gut.' Heute ist es maßlos geworden." Wer heute jung sei, habe "vielleicht auch nie gelernt, mit Alkohol richtig umzugehen", vermutet er.

"Die müssen sich niederstechen lassen für zehn oder zwölf Euro die Stunde"

Auch Andrea Giarrizzo kann ein Lied von Exzessen im Nachtleben singen. Der Endvierziger arbeitet als Türsteher im Kölner "Bootshaus". "Du bist viel zu besoffen", sagt er im Film zu einem lallenden Mann. Man müsse "autoritär bleiben", erklärt der Security-Mann dem Kamerateam. "Ich lasse mir nicht gerne auf den Schlips treten."

Das sieht Mirko Ferenczy ähnlich. "Es ist viel wert, wenn du als Türsteher nett bist zu jedem, der kommt", sagt der Frankfurter, "aber natürlich auch mit der gewissen Ausstrahlung. Man darf nicht wie ein Hampelmann dastehen." Er versteht sich als "Türsteher der alten Schule", arbeitet seit vielen Jahren nebenberuflich im Security-Bereich. "Wenn man das als Hauptjob hat und jede Nacht an der Tür steht – ich glaube, das packt kein Mensch." Früher habe man als Türsteher gut verdient, heute sei der Lohn gering und das Berufsrisiko hoch.

Früher, "vor zehn, 15, 20 Jahren", sagt Mirko Ferenczy, sei "ein Nein noch ein Nein" gewesen. "Das haben die Leute akzeptiert. Da war noch vor den Älteren, vor den Türstehern noch ein gewisser Respekt da. Das gibts heute nicht mehr so." Immer häufiger komme es an der Tür zu Diskussionen.

Immer mehr Frauen an den Türen der Clubs

Zur Deeskalation setzt man vielerorts immer häufiger auch auf weibliche Security-Mitarbeiterinnen. Laut der Soziologin Christine Preiser habe es "verschiedene Vorteile, mit Frauen an der Tür zu arbeiten": Unter anderem werde Frauen nachgesagt, in "Konflikten das Aggressionspotenzial eher zu senken, als dazu beizutragen". Eine gewisse Autorität müsse man als Türsteherin dennoch ausstrahlen, erklärt Anke Henkel, die seit mehr als drei Jahrzehnten in der Branche arbeitet: "Würde ich an der Tür stehen, wie so ein kleines graues Mäuschen mit pinkem Lippenstift, würde mich wahrscheinlich keiner ernst nehmen." Ob Mann oder Frau – gefordert seien an den Türen der Diskotheken vor allem "Feingefühl, Durchsetzungsvermögen und Mut", heißt es im Film.

Auf den ersten Teil "Partystimmung" (1 Uhr) folgt ab 1.45 Uhr direkt Teil zwei mit dem Untertitel "Abstürze".

Türsteher – Wächter der Nacht – Mi. 18.02. – ZDF: 01.15 Uhr

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