Alles begann vor 15 Jahren, als Heiko und Roman Lochmann mit gerade einmal zwölf Jahren ihr erstes YouTube-Video hochluden. Damals kannte man die in Mainz geborenen Zwillingsbrüder als "Die Lochis" – zunächst erfolgreich mit Comedy-Sketchen und Parodien auf bekannte Chart-Hits. Doch längst sind die beiden musikalisch ihren eigenen Weg gegangen. Heute machen die einstigen Teenie-Stars als "HE/RO" Musik. In der neuen Staffel von "The Voice Kids" (ab Samstag, 14. Februar, 20.15 Uhr, in SAT.1 und kostenfrei auf Joyn) sitzen die 26-Jährigen erstmals auf den roten Stühlen und geben den Nachwuchstalenten das mit, was ihnen selbst auf ihrem Weg wichtig geworden ist. Im Interview wirken die Brüder offen, ehrlich und vor allem authentisch. Die besondere Zwillingsconnection ist in jedem Augenblick spürbar – sie ergänzen sich wie "Yin und Yang". Und schnell wird klar: Die Lochmann-Brüder sind längst keine YouTube-Kids mehr, sondern reflektierte junge Männer.
teleschau: Sie sind Zwillinge und sehen sich sehr ähnlich. Worin unterscheiden Sie sich charakterlich?
Heiko Lochmann: Roman ist eher das Chaos, ich eher die Ordnung. Wir ergänzen uns wie Yin und Yang, und genau das funktioniert total gut so. Im Kern glaube ich, dass ich der Extrovertierte von uns beiden bin, der etwas offener auf die Welt zugeht. Trotzdem funktioniert unser Zusammenspiel. Vielleicht ist es ein Zwillingsding: Wir gleichen uns wie ein Pendel immer wieder aus.
teleschau: Könnten Sie ein Beispiel nennen?
H. Lochmann: Wenn ich einmal krank bin oder nicht voll da sein kann, merke ich, wie Roman automatisch den Part des Extrovertierten übernimmt.
Roman Lochmann: Ich glaube, ich bin der Realist von uns beiden. Ob beim Coachfight bei "The Voice Kids" oder im Studio. Heiko hingegen ist impulsiv und voller verrückter Ideen.
H. Lochmann: Ich bin eher der Träumer.
R. Lochmann: Genau, der Träumer. So spielen wir uns die Bälle perfekt zu und ergänzen uns gegenseitig.
"Wir haben einfach ein tiefes Vertrauen in die Welt"
teleschau: Was ist das Beste daran, ein Zwilling zu sein?
H. Lochmann: Ich glaube, das Beste daran, ein Zwilling zu sein, ist, dass man nie allein ist. Jede schöne und jede schwierige Erfahrung teilt man miteinander, und das schenkt einem ein starkes Selbstvertrauen. Wir haben einfach ein tiefes Vertrauen in die Welt.
R. Lochmann: Ich würde sagen, man wird mit seinem besten Freund und Wegbegleiter geboren.
H. Lochmann: Genau, man hat immer jemanden, der einen in schlechten Momenten auffängt. Wenn man fällt, fällt man nie allein – und wenn man fliegt, dann zusammen. Das ist einfach schön. Auf unserem Album gibt es einen Song, "Das Wichtigste", in dem wir die Zeilen singen: "Im Endeffekt bist du das Wichtigste in meinem Leben." Es klingt pathetisch, aber wenn ich mich zwischen allen Menschen auf der Welt entscheiden müsste, würde ich immer meinen Bruder wählen.
teleschau: Sie sind als Doppelcoaches bei der neuen Staffel von "The Voice Kids" dabei. Wie werden Sie sich abstimmen, wenn es darum geht, den roten Stuhl umzudrehen?
H. Lochmann: Es ist tatsächlich wie im Studio, wenn wir an neuer Musik arbeiten. Oft sind wir nicht einer Meinung und diskutieren dann auch mal lautstark. Am Ende hat das aber viel mit Vertrauen zu tun. Ich denke mir immer: Wenn Roman eine Idee im Kopf hat, gibt es dafür einen Grund. Und am Ende finden wir immer einen gemeinsamen Weg. Oft genügt ein Blick: Wir sehen uns an und wissen sofort, wie wir vorgehen.
"Es lebt ja auch davon, dass wir uns nicht immer einig sind"
teleschau: Gab es während der Blind Auditions auch Momente, in denen Sie unsicher waren?
H. Lochmann: Ja, das kam auch vor. Dann tauschen wir viele Blicke aus. (lacht)
R. Lochmann: Wir haben so eine kleine Zwillingssprache. Ein Blick reicht, um dem anderen zu sagen, was man denkt oder fühlt. Bei den Blind Auditions gelten natürlich andere Regeln. Das ist schon brutal. Du musst in Sekundenbruchteilen entscheiden: buzzern wir oder buzzern wir nicht?
H. Lochmann: Es lebt ja auch davon, dass wir uns nicht immer einig sind. Wir haben zwei Perspektiven, zwei Blickwinkel. Zwar fühlen wir oft genau dasselbe, aber es ist ein Vorteil, auch mal unterschiedliche Empfindungen zu haben. Gerade bei den Blind Auditions ist es völlig in Ordnung, wenn die Meinung des einen überwiegt und der andere zurücksteckt. Man weiß nie, wofür es am Ende gut ist.
R. Lochmann: Ich glaube auch, dass man, wenn man zu zweit auf diesem Doppelstuhl sitzt, das Ego zurückschraubt, weil man zusammen funktioniert und einander vertraut.
teleschau: Sie standen selbst schon als Kinder vor der Kamera. Was glauben Sie, brauchen die jungen Talente, um bei "The Voice Kids" erfolgreich zu sein?
R. Lochmann: Ich glaube, was besonders wichtig ist, ist dieser Hunger – der Wille, sich weiterzuentwickeln und Lust auf die nächsten Schritte zu haben. Es geht darum, sich nicht sofort zufriedenzugeben, sondern neugierig zu bleiben. Man sollte sich immer fragen: "Wo kann ich mich noch verbessern?" Natürlich stehen viele am Anfang ihrer Reise, und es kann noch viel passieren. Aber ich denke, es hilft, allem, was kommt, offen gegenüberzutreten.
H. Lochmann: Ich finde auch, dass Selbstvertrauen sehr wichtig ist. Die Kids sollten auf sich selbst und auf ihre Stimme vertrauen.
R. Lochmann: Aber du kannst von den Kids nicht erwarten, dass sie sich schon gefunden haben. Vielmehr geht es darum, sie zu stärken und ihnen das Gefühl zu geben: "Du bist gut so, wie du bist, und du gehörst hierhin."
"Wir werden nie wieder 'Die Lochis' sein"
teleschau: Bleiben wir beim Thema Weiterentwicklung: Sie waren bis 2019 unter dem Namen "Die Lochis" bekannt und machen seit 2021 Musik als HE/RO. Was ist in den zwei Jahren dazwischen passiert?
H. Lochmann: Die Zeit dazwischen war für uns unglaublich wertvoll. Wir haben uns in dieser Phase noch einmal neu gefunden. Sie hat uns den Raum gegeben, der uns vorher gefehlt hatte – Zeit zum Nachdenken und um alle selbst auferlegten Filter abzulegen. Sowohl menschlich als auch musikalisch haben wir uns in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt.
R. Lochmann: Das Ende mit den Lochis war für viele wie ein Abschluss. Für uns war es jedoch die Voraussetzung für alles, was noch folgen sollte. Manchmal braucht es im Leben genau diesen Twist. Ich glaube, das kennen nicht nur Menschen in der Öffentlichkeit, sondern alle in ihren Zwanzigern: wilde Zeiten, viele Veränderungen. Mit dem Ende der Lochis haben wir die Segel gesetzt, um genau diese Reise zu beginnen, auf der wir uns gerade befinden. Und wir fühlen das total.
H. Lochmann: Wir sind einfach erwachsener geworden. Für uns war klar, dass wir unser Leben lang auf der Bühne stehen wollen. Deshalb mussten wir diese Zeit der Selbstfindung durchlaufen, um jetzt so durchzustarten wie nie zuvor.
teleschau: Gab es bestimmte Erfahrungen oder Dinge, die Ihnen bei Ihrer Selbstfindung besonders geholfen haben?
H. Lochmann: Wir haben uns erlaubt, uns die Zeit zu nehmen, um herauszufinden, wer wir sind. Selbstfindung passiert nicht auf Knopfdruck. Sie ist eine Reise. Es geht darum, Fehler zu machen, sich auszuprobieren und sich nicht immer sofort entscheiden zu müssen. Man sollte sich immer wieder die Fragen stellen: Wer bin ich? Was macht mich aus? Das sind Fragen, die man ein Leben lang beantwortet. Am Ende bist du das, was du erlebst. Mir hat es auch geholfen zu erkennen: Wer bin ich eigentlich nicht?
teleschau: Und das wäre?
H. Lochmann: Wir werden nie die "coolen Kids" aus Berlin sein. Wir werden nie wieder "Die Lochis" sein. Je mehr ich herausgefunden habe, wer ich nicht bin, desto näher bin ich mir selbst gekommen.
R. Lochmann: Ich glaube auch, dass es wichtig ist, auf sich selbst zu hören. Früher hatten wir einfach keine Zeit zum Reflektieren.
"Ich glaube, dass soziale Medien Mobbing nur sichtbarer machen"
teleschau: Vor 15 Jahren haben Sie Ihr erstes YouTube-Video hochgeladen. Sie waren damals zwölf Jahre alt. Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute mit auf den Weg geben?
R. Lochmann: Gute Frage ...
H. Lochmann: "Hör auf Mama und Papa, die haben Recht!"
R. Lochmann: Stimmt. Vielleicht auch: "Hey, ich freue mich auf dich!"
H. Lochmann: (überlegt) Ich würde mir gerne sagen: "Du bist gut so, wie du bist." Wir sind durch eine Zeit gegangen, in der Menschen und auch Mitschüler ziemlich fies zu uns waren. Hätte mir mein älteres Ich damals gesagt: "Hey, du musst das nicht alles so ernst nehmen", hätte mir das sicher geholfen. Andererseits hat diese Zeit uns auch geprägt. Ein starker Charakter entsteht nicht dadurch, dass immer alles einfach war oder alle nett zu dir waren.
teleschau: Auch in den sozialen Medien scheint der Ton zunehmend härter zu werden ...
H. Lochmann: Voll! Social Media und die Kommentarspalten bieten plötzlich eine Bühne für Gedankenfetzen und nicht so schöne Worte. Ich glaube, dass soziale Medien Mobbing nur sichtbarer machen. Mobbing gab es schon immer, und es findet überall statt. Es kann über Jahre hinweg für psychisches Leid sorgen. Ich habe das Gefühl, dass es immer noch ein Tabuthema ist. Unsere Aufgabe, die wir uns selbst geben, ist es, dieses Tabu ein Stück weit zu brechen. Unsere Erfahrungen mit Mobbing haben wir auch in einem unserer Songs verarbeitet. Die Musik hilft uns dabei enorm.
R. Lochmann: Ein Problem der sozialen Medien ist auch, dass es kaum noch Hemmschwellen gibt. Im Netz jemanden gemein zu behandeln, ist unglaublich einfach, und das ist einfach schrecklich.
teleschau: Zum Abschluss lieber noch eine erbaulichere Frage: Wenn Sie sich Ihren Lebensweg frei erträumen könnten, wo sehen Sie sich dann?
H. Lochmann: Wenn ich mir die nächsten Jahre ausmale, dann sind wir viel im Studio, auf der Bühne und machen jede Menge Musik.
R. Lochmann: Ich mache es ganz einfach: gesund und munter mit meinem Bruder!