Wie sehr beeinflussen Väter das Leben ihrer Kinder? Der ZDF-Psychologe Leon Windscheid hat sich zur Beantwortung dieser Frage in einer neuen Ausgabe der Reihe "Terra Xplore" mit Vater und Sohn Christian und Felix Neureuther zwei kundige Partner ausgesucht, die durch eigene Erfahrung viel über ein gutes Vater-Sohn-Verhältnis wissen und – viel wichtiger – anschaulich darüber plaudern können. Eingestreut in eine Wanderung zum Berggipfel samt Brotzeit sind allerlei erhellende Experten-Statements, aber auch Rollenspiele, in denen geplagte Väter und Kinder ihre Sorgen und Nöte zur Sprache bringen.
Was nicht alles von guten Vätern verlangt wird, übrigens auch von Adoptivvätern und gleichgeschlechtlichen Partnern: Präsenz und Fürsorge sind erwünscht, Feinfühligkeit und emotionale Bindung. Selbstvertrauen soll gestärkt werden beim Abenteuerspiel des Vaters mit dem Sohne. Kurz: Väter sollten Kindern Halt geben, so heißt es in Ratgebern allerorten.
Aber wie ist das, wenn der Sohn das Gleiche wie der Vater macht? – "Wir hatten eine ganz normale Kindheit, wie andere Kinder auch", sagt Felix und nimmt erst mal den Wind aus den theoretischen Segeln. "Es hat nicht einen Moment gegeben, in dem es hieß, ich muss Skifahrer werden", erzählt er über seine Kindheit. Mit dem Sohn hat Vater Christian aber immer mitgefiebert bei den Rennen – bei den Niederlagen und Stürzen wie bei Siegen. Und es galt die strenge Regel: Kein Skirennen ohne Abitur! "Er wollte mit 16 die Schule schmeißen", plaudert Vater Christian ein wenig petzend aus dem Nähkästchen.
Man ist also mittendrin im Slalom des Lebens. Nix da, mit Friede, Freude, Eierkuchen. Nicht mal bei der Bilderbuchfamilie Neureuther (Mutter Rosi starb im Januar 2023), in der sich der Vater – "Ich bin extrem sensibel" – zu gelegentlichen Tränen bekennt. Für Felix ein Ding der Unmöglichkeit. "Bei Kindern weinen? – Nein!" Der Vater von inzwischen vier Kindern lässt da wohl seine "intuitive Elternkompetenz" spielen, wie das im Film der "Väterpsychologe" Andreas Eickhorst nennt. Offensichtlich, so sagt er in etwa, hätten ja auch alle Väter die natürliche Gabe, ihre Kinder zu beschützen und erzieherisch zu pflegen.
Respekt als Mann
Trotzdem geht da leider oft was schief. Woran das liegen könnte, versucht Windscheid in einem Rollenspiel herauszufinden. Erwachsene Kinder klagen über Verletzungen durch Väter, Väter wiederum üben Reue und gestehen Fehler ein. Das Fazit des gestrengen Rollenspiels: Auch einst verletzte Kinder können gute Väter oder Mütter werden, Selbsterkenntnis vorausgesetzt. Merke aber: Je früher sich Väter einbinden, möglichst schon beim Ultraschall des Embryos im Mutterbauch, desto größer könnte danach die Bindung sein.
"Man muss es erlebt haben, um es beschreiben zu können", sagt Felix Neureuther zur Geburt selbst. "Wie das abläuft, wir Männer sind so kleine Würstchen im Vergleich zu Frauen, muss man sagen, wir hätten gar keine Chance, das überhaupt dazu bewältigen. Deswegen, wenn du so eine Geburt erlebst als Mann, du hast danach so einen Respekt, so eine Wertigkeit deiner Frau gegenüber. Das ist einfach dann die Göttin, die das Kind auf die Welt gebracht hat."
Viel ist drin an Erfahrungen und Ratschlägen in dieser Dreiviertelstunde unter dem Titel "Terra Xplore: Was macht einen Papa aus? Mit den Neureuthers". So viel, dass man froh ist, schließlich beim Gipfelkreuz mit Brotzeit angelangt zu sein. Der Tauchgang in die psychologische Tiefe weicht da einer gewissen Leichtigkeit. Wie gut, dass selbst Psychologe Leon Windscheid zuletzt allen Vätern einfach mal rät, "nicht perfekt, sondern gut genug" zu sein.
Terra Xplore: Was macht einen Papa aus? Mit den Neureuthers – So. 12.04. – ZDF: 17.15 Uhr