"Schweigend steht der Wald" Analytikerin des Forsts

  • von Eric Leimann
Zigarettenpause für Anja Grimm (Henriette Confurius): Die junge Forstpraktikantin mit dem märchenhaften Namen untersucht den Waldboden einer engen Dorfgemeinschaft. Der Film "Schweigend steht der Wald" lief erfolgreich auf Festivals.
Zigarettenpause für Anja Grimm (Henriette Confurius): Die junge Forstpraktikantin mit dem märchenhaften Namen untersucht den Waldboden einer engen Dorfgemeinschaft. Der Film "Schweigend steht der Wald" lief erfolgreich auf Festivals.
© ZDF und BR/HR/SR/Arte/POISON GmbH/Sebastian Reiter
Eine Forstpraktikantin (Henriette Confurius) kommt Ende der 90-er in die oberpfälzische Provinz. Die Einheimischen beäugen ihre Arbeit im Wald mit Skepsis. 3sat wiederholt "Schweigend steht der Wald" zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar.

Eine Lichtung im Oberpfälzer Wald zieht Forstpraktikantin Anja Grimm (Henriette Confurius) offenbar magisch an. Sie kartografiert, nimmt Bodenproben und entdeckt Effekte, die hier eigentlich nicht vorkommen dürften. Es ist eine Mischung aus wissenschaftlicher Detailarbeit und unheimlichen Mythen des deutschen Forsts, die im Film "Schweigend steht der Wald" die Stimmung vorgibt. Das Spielfilmdebüt von Schauspielerin Saralisa Volm lief 2022 bei der Berlinale in der "Perspektive Deutsches Kino" und sammelte auch bei anderen Festivals Auszeichnungen.

Gelobt wurde für "Schweigend steht der Wald" auch Hauptdarstellerin Henriette Confurius. Das stimmungsvolle Drama zwischen Mystery, gruseligem Heimatfilm und Geschichtsstunde ist voll auf sie fokussiert. Entstanden ist der Film nach dem zehn Jahre zuvor erschienenen gleichnamigen Roman von Wolfram Fleischhauer, der auch das Drehbuch schrieb. 3sat wiederholt den Film von 2022 anlässlich des Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar. 3sat zeigt von Freitag, 23. Januar, bis Freitag, 30. Januar, mehrere Programmbeiträge, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern.

Doch zurück zum Film: Man kennt es als klassisches Erzählmotiv – da kommt ein Fremder oder eine Fremde in ein Dorf und mischt die enge Gemeinschaft auf. Ob nun der Eindringling böse ist oder sein Schaffensgebiet – darin liegt das Geheimnis vieler solcher Stoffe. Wobei Anja, die wohl nicht zufällig den märchenhaften Nachnamen Grimm trägt, eigentlich nicht völlig fremd in der Oberpfalz ist. Die Studentin der Forstwissenschaft war schon als Kind Ende der 70-er häufig mit den Eltern hier im Urlaub – Roman und Film spielen nun Ende der 90-er. Die schweigsame junge Frau ist zurückgekehrt, um ihrer Arbeit nachzugehen. Doch woran genau forscht sie so akribisch? Gibt es ein Geheimnis im Dorf, das sie entdeckt haben könnte?

Eine Fremde sorgt für Unruhe

Im Ort trifft sie den gleichaltrigen Rupert (Noah Saavedra) wieder, mit dem sie damals spielte. Auch andere Figuren sind ihr teils von früher vertraut: der örtliche Polizeibeamte Konrad (Robert Stadlober) oder dessen strenger Vater (August Zirner), der den Wald schon mal mit Waffengewalt verteidigt. Warum sind die Bewohner der Besucherin gegenüber zunehmend feindlich gesinnt? Und welches Geheimnis könnte sich im Wald verbergen?

Deutsche Waldfilme, in denen Unheimliches angedeutet oder explizit ausgespielt wird, liegen seit Jahren im Trend. Drohnenflüge über deutsches Nadel- und Blattholz zu dräuender Musik gehören zum Standard-Repertoire eines jeden Krimis, der auch nur irgendetwas mit dem Schauplatz Natur anfangen kann. Was "Schweigend steht der Wald" besser macht als viele andere Kriminalfilme, ist jedoch die Darstellung im Kleinen. Ähnlich wissenschaftlich wie Anja folgt auch die Kamera Details des Bodens, der Tier- und Pflanzenwelt. Und Henriette Confurius, die mal wieder mit ihrem ruhigen und gleichzeitig ausdrucksstarken Spiel überzeugt, ist eine gute Protagonistin, um die Rätsel des Waldes zu begleiten. Weil sich hier jemand nicht in den Vordergrund spielt, sondern beobachtet, wie es Wissenschaftler tun sollten.

(Anti)-Heimatfilm mit stimmungsvollen Bildern

Vor allem in den stillen "Untersuchungsszenen", in denen Anja schon mal fein säuberlich ein Wildschwein am Fleischerhaken ausnimmt, das sie bei einem nächtlichen Waldbesuch in Notwehr töten musste, entfaltet sich der Zauber dieses kleinen Films. Leider schleppt er aber auch einige Konstruktionsfehler mit sich: Viel zu früh wird angedeutet, worauf das Ganze hinaus soll, sodass ein paar Spannungselemente verloren gehen. Auch reden die lokalen Figuren – für ungeübte Ohren teilweise in einen heftigen Dialekt sprechend – oft ein wenig zu explizit bis analytisch daher. So lässt einen das unausgegorene Verhältnis zwischen großartig stimmungsvollen Bildern, starker Hauptdarstellerin und einigen Drehbuchschwächen am Ende etwas ratlos zurück.

Dennoch darf man gespannt sein, was Regisseurin Saralisa Volm als Nächstes angehen wird. Ihr großes Regietalent ist in vielen Szenen dieses (Anti)-Heimatfilms zu spüren. Am 1. Januar 2026 feierte Volm auch ihr Debüt als "Tatort"-Regisseurin. Der stimmungsvolle Dresdener Beitrag "Nachtschatten" stammt von ihr.

Schweigend steht der Wald – Fr. 23.01. – 3sat: 20.15 Uhr

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