Das fahrende Klassenzimmer – Neuer Job Busfahrer
Aufbruch hinter einem großen Steuer

  • von Rupert Sommer
Höchste Aufmerksamkeit erforderlich: Fahrlehrer Bastian Peters (rechts) schult Kemal Isci in den Tücken des Busfahrens. Viel Zeit für die Ausbildung bleibt nicht.
Höchste Aufmerksamkeit erforderlich: Fahrlehrer Bastian Peters (rechts) schult Kemal Isci in den Tücken des Busfahrens. Viel Zeit für die Ausbildung bleibt nicht.
© ZDF/Benjamin Wistorf
Die neue ZDF-Reportage-Reihe begleitet Quereinsteiger auf ihrem Weg ans Steuer eines Linienbusses. Zwischen Theorie, Fahrpraxis und Prüfungsstress wird hautnah spürbar, wie viel Mut es braucht, noch einmal ganz neu zu starten – und wer die Menschen sind, die unseren Alltag am Laufen halten.

Sechs Menschen, jeweils ein mutiger Neuanfang: In der neuen Real-Life-Dokuserie "Das fahrende Klassenzimmer – Neuer Job Busfahrer" begleitet das ZDF Frauen und Männer aus Hamburg, die sich beruflich noch einmal ganz neu aufstellen. Sie lassen die alten Berufe hinter sich und wagen den Schritt in einen Job, der dringend gebraucht wird und der an die Neulinge hohe Anforderungen stellt.

Busfahrerinnen und Busfahrer halten den öffentlichen Nahverkehr am Laufen. Doch bundesweit fehlen bereits rund 20.000 Fachkräfte, Tendenz steigend. Es ist ein Knochenjob. Viele Verkehrsunternehmen setzen deshalb auf Quereinsteiger, die innerhalb von etwa vier Monaten ausgebildet werden. Die Serie begleitet sechs dieser Neueinsteiger intensiv durch Theorie, Fahrpraxis und Prüfungen – und zeigt, wie herausfordernd der Weg bis zum ersten Einsatz im Linienverkehr wirklich ist. Und dann wären da ja auch noch die lebhafte Meute im Fahrzeug, die man mithin in Schach halten muss.

Warum versteckt das ZDF die Reihe im Nachtprogramm?

Der neue Berufsalltag verlangt weit mehr als eine bestandene Führerscheinprüfung: Nachtfahrten, Vollbremsungen, enge Straßen, Zeitdruck – und der tägliche Umgang mit den jungen Fahrgästen. Die Kamera ist hautnah dabei, wenn Verantwortung spürbar wird und sich zeigt, wie viel Mut es braucht, noch einmal ganz von vorne anzufangen. Authentisch, emotional und nah an den Menschen erzählt die Reihe vom Lernen, Zweifeln und Wachsen.

Antje (47) hat viele Jahre in der Pflege gearbeitet: ein Beruf, der sie an ihre Grenzen brachte. Ihr Mann ist bereits Busfahrer, ihr Sohn befindet sich in der Ausbildung. Nun will auch sie umsteigen. Doch Technik, Prüfungsangst und komplexe Fahrmanöver fordern sie heraus. Ihr Fahrlehrer ist dennoch überzeugt von ihr: Antje lernt schnell aus Fehlern und macht eine bemerkenswerte persönliche Entwicklung.

Fabian (32), ein ehemaliger Bundeswehrsoldat, muss sich erst wieder daran gewöhnen, einen neuen Beruf zu lernen – und Fehler zuzulassen. Besonders das Vertrauen in den Fahrlehrer fällt ihm nicht leicht. Eine unfreiwillige Vollbremsung bei einer Nachtfahrt führt ihm eindrücklich vor Augen, welche Verantwortung der Job mit sich bringt. Trotzdem ist er sicher: Er will einen verlässlichen Arbeitsplatz und mehr Zeit für seine Tochter.

Elham (27) stammt ursprünglich aus Afghanistan. In Hamburg hat sie bereits als Taxifahrerin gearbeitet und freut sich über die Chance, einen Beruf auszuüben, der Frauen in ihrer Heimat kaum offensteht. Busfahren wirkt zunächst entspannter – doch der große Bus und der Prüfungsdruck bringen sie an ihre Grenzen. Ob sie im neuen Job wirklich ankommen kann, bleibt offen.

Niels (28) war zuvor Mediengestalter und möchte im neuen Beruf wortwörtlich "Menschen bewegen". Auf der Suche nach Abwechslung erlebt er schon bei einer seiner ersten Nachtfahrten mehr Nervenkitzel, als erwartet. Trotzdem bleibt er motiviert – und freut sich darauf, bald auch Familie und Freunde sicher von A nach B zu bringen.

Kemal (47) hat viele Jahre in der Gastronomie gearbeitet, mit unregelmäßigen Arbeitszeiten und Wochenenddiensten. Als alleinerziehender Vater wünscht er sich mehr Zeit mit seinen beiden Kindern. Die erste Fahrstunde fühlt sich für ihn fast an wie "Bobbycar-Fahren früher". Doch auch auf ihn warten noch anspruchsvolle Lernschritte.

Sebahate (50), genannt Sebi, konnte bislang keine klassische Berufsausbildung absolvieren. Seit Jahren träumt sie davon, Busfahrerin zu werden. Nach mehreren erfolglosen Bewerbungen darf sie nun endlich starten. Die Freude ist groß – ebenso der Respekt vor den Herausforderungen. Ihre größte Sorge gilt dem Umgang mit schwierigen Fahrgästen.

"Das fahrende Klassenzimmer – Neuer Job Busfahrer" ist eine eindringliche Dokuserie über Fachkräftemangel, persönliche Umbrüche und die Menschen hinter dem Steuer – mitten aus dem echten Leben. Das ZDF zeigt alle vier Folgen in einer nächtlichen Blockprogrammierung. Die zweite Episode startet um 1.25 Uhr derselben Programmnacht. Ob man dem Format durch die versteckt wirkende Programmierung einen Gefallen getan hat, darf bezweifelt werden. Aber es gibt die Mediathek.

Das fahrende Klassenzimmer – Neuer Job Busfahrer – Mi. 25.02. – ZDF: 01.00 Uhr

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