"Der Beschützer – Wissen, das tötet"
Bedrohte Familien und brisante Energiepolitik: Florian Oertel kehrt als Personenschützer ins Erste zurück

  • von Maximilian Haase
"Der Beschützer" erhält einen zweiten Auftrag: Jan Schäfer (Tobias Oertel, Mitte) und seine Kollegin Ilka Freuding (Paula Essam) müssen Unternehmer Eduard Raabe (Jan Krauter) und dessen Familie beschützen.
"Der Beschützer" erhält einen zweiten Auftrag: Jan Schäfer (Tobias Oertel, Mitte) und seine Kollegin Ilka Freuding (Paula Essam) müssen Unternehmer Eduard Raabe (Jan Krauter) und dessen Familie beschützen.
© ARD Degeto Film/Boris Laewen/Composing: Ute Hintersdorf
Ein Eigenbrötler, der auf andere aufpasst: Vier Jahre nach "Der Beschützer" wird der ARD-Erfolg nun fortgesetzt. Diesmal muss Tobias Oertel als Personenschützer eine bedrohte Unternehmerfamilie retten. In dem politisch brisanten Thriller ist die 2025 verstorbene Wanda Perdelwitz in einer ihrer letzten Rollen zu sehen.

Menschen dabei zuzuschauen, wie sie andere Menschen professionell beschützen – dass dieses Konzept aufgeht, beweisen internationale Serienerfolge wie etwa "Bodyguard". Und auch hierzulande scheint man Leibwächter und Konsorten zu mögen, so schalteten etwa beim TV-Spielfilm "Der Beschützer" rund 6,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer ein. Grund genug, den spannenden Thriller um einen Personenschützer nun fortzusetzen – und möglicherweise zur Reihe werden zu lassen. Vier Jahre nach dem ersten Film soll Tobias Oertel als BKA-Spezialist im neuen 90-Minüter "Der Beschützer – Wissen, das tötet" zur Samstagsprimetime eine von ausländischen Geheimdiensten bedrohte Unternehmerfamliie beschützen.

Nötig ist das wegen des Mordes an Firmengründer Julian Raabe (Jonas Minthe), der direkt zu Beginn von Agenten kaltblütig erschossen wird, als er gerade sensible Daten seines Energie-Start-Ups sichern will. Sein Bruder und Unternehmenspartner Eduard (Jan Krauter) überlebt unentdeckt, braucht aber, wie seine Familie, fortan rund um die Uhr Schutz. Für seinen neuen Auftrag erhält der von Oertel klassisch wie rätselhaft verkörperte Personenschützer Jan Schäfer einen neuen Partner – zu seiner Überraschung eine junge Frau namens Ilka Freuding, kühl und klug gespielt von Paula Essam. Geschlechter- und sonstige Genre-Stereotype umschifft der Film von Regisseurin Ziska Riemann elegant, ohne unkritisch zu sein.

Das Duo hat jedenfalls jede Menge zu tun: Zimmer, Garten, Auto, Jobs – alles wird penibel gesichert, am besten verlassen die potenziellen Zielpersonen das Haus gar nicht. Darauf hat der pubertierende Sohn Marian (Philip Günsch), der obendrein wegen eines Herzfehlers in Behandlung ist, allerdings nicht so viel Lust. "Wir können nun beschützen, wer beschützt werden will", kredenzt Schäfer eine seiner regelmäßigen Weisheiten. Besorgt beobachtet wird die freundliche Übernahme der Villa hingegen von Mutter Hanna, gespielt von Wanda Perdelwitz in einer ihrer letzten Rollen. Die Schauspielerin starb im Oktober 2025 mit nur 41 Jahren an den Folgen eines schweren Fahrradunfalls.

Wendungsreich und politisch relevant

Weshalb die Schutzfamilie überhaupt ins Visier der Killer gerät, scheint von Anfang an klar zu sein: Den Forschungsergebnissen zufolge, die Julian Raabe kurz vor seinem Tod sichern wollte, könnte Wasserstoff als Energieträger ("alternativer Katalysator") tatsächlich profitabel sein. "Wenn die das schaffen, wird Wasserstoff zu einer echten Energiealternative. Also Adieu Öl und Gas", verweist Freuding auf die polit-ökonomischen Implikationen. Weltwirtschaft, Geopolitik, Sicherheitsinteressen: "Der Beschützer" fährt thematisch große Geschütze auf. "Es deutet einiges auf Russland hin", heißt es über die Angreifer; und während die Unternehmensanwältin (schön zwielichtig: Valerie Niehaus) angesichts der Gefahr rät, einfach aufzugeben, denkt der neue Firmenboss gar nicht dran.

Bei allem Polit-Thriller-Stoff gelingt dem Drehbuch von Oke Stielow und Christian Kaps (Idee: Michael Ehnert) die Balance: Vor dem Hintergrund von Weltkonflikten und Verschwörung gibt es detaillierte Einblicke in die Arbeit von Personenschützern, aber auch in ihre privaten Probleme und die ihrer Schutzpersonen. Unlautere Methoden der Politik treffen vor Düsterkulisse auf psychologische Tiefe und familiäre Dramen. So nähert sich Schäfer dem aufmüpfigen Teenager Marian, der schonmal zur Freundin aus dem Haus schleicht, nicht nur per Jugendslang an ("Kann ich jetzt gehen?" – "Safe"), sondern auch, indem er sein eigenes aufwühlendes Leben offenlegt und etwa vom Zusammenleben mit seiner Schwester auf einem Bauernhof berichtet. Der Eigenbrötler, dessen biografische Last hier clever weitererzählt wird, gibt die Distanz des Profis auf – mit gefährlichen Folgen.

"Der Beschützer" funktioniert auch im zweiten Film so gut, weil Florian Oertel mit seiner Titelfigur brisante Ambivalenzen auslotet: Der, der uns beschützen soll und aus diesem Grund über alle Zweifel und Unsicherheit erhaben sein sollte, blickt selbst in dunkle Abgründe. Zusammen mit der wendungs- und actionreichen Handlung samt politischer Relevanz zeigt sich hier ein Potenzial, das man gerne weiter ausgereizt sähe. Denn auch wenn das Konzept sicher nicht nur innovativ erscheint: Man mag Beschützer, vor allem wenn sie so unterhaltsam in Szene gesetzt werden.

Der Beschützer – Wissen, das tötet – Sa. 21.03. – ARD: 20.15 Uhr

TELESCHAU