Ganz neu im Geschäft sind sie nicht mehr. Auch ihre Ideen und Ideale spielen keine allzu große Rolle mehr. In der vierten Staffel der Hochglanz-Soap "Industry" geht es für die (immer noch) jungen Protagonisten eigentlich nur noch darum, sich durchzubeißen im Haifischbecken der Londoner Finanzwelt. Die neuen Folgen sind ab 12. Januar bei Sky und Wow zu sehen und gehören einen Tag später zum Startprogramm des neuen Streamingdienstes HBO Max.
Im Mittelpunkt stehen erneut die jungen Investmentbankerinnen Harper (Myha'la Herrold) und Yasmin (Marisa Abela). Sie sind zwar mittlerweile in der fiktiven Londoner Bank Pierpoint keine Anfängerinnen mehr, im globalen Spiel um Geld, Risiko und Politik sollte man aber nie auslernen – sonst geht man ziemlich schnell kaputt. Es zählt die Leistung, und wie man die passenden Zahlen schreibt, ist letztlich egal. So drastisch wird es zumindest hier dargestellt.
Auf dem Höhepunkt ihrer noch jungen Karrieren angelangt, müssen Harper und Yasmin erkennen, dass Erfolg ein flüchtiger Gesell sein kann. Die Parameter in der modernen Finanzwelt ändern sich ständig. Wenn ein neues Fintech den Markt erobert, ist Substanz nachrangig. Was zählt, ist der Hype. Das muss vor allem Harper erkennen, die vom charismatischen Gründer Whitney Halberstram (Max Minghella) in seinen Bann gezogen wird.
Sagenhaft guter Cast
"Industry" konzentriert sich auf das menschliche Drama und tut gut daran: Als Seifenoper ist "Industry" eine ziemliche Wucht, weil die Figuren komplex sind und sich ihrer eigenen Unsicherheiten bewusst. Harper, die für ihren Aufstieg mit aller Macht und mit allen Mitteln kämpft, ist keine liebenswerte Heldin, sondern eine junge Frau mit Ecken und Kanten, mit Geheimnissen und dem Willen, notfalls ihren moralischen Kompass neu einzunorden.
Mit einem sagenhaft guten Cast (unter anderem Ken Leung, Kit Harrington, Max Minghella) geht es in "Industry" um mehr als Geld und Macht. Wie derzeit kaum eine andere Serie, schafft es die virtuose Koproduktion von BBC und HBO ein komplexes und sehr explizites Bild davon zu zeichnen, welche Auswirkungen das Leben zwischen Koks und Konkurrenzdruck auf die Gen Z hat.