Influencer in Dubai
„Du musst ganz klar aufpassen, dass du nicht gegen das Regime was sagst“

Seit Jahren vergolden deutsche Influencer das Image Dubais, nun setzt der Irankrieg sie unter Druck. Wurde ihnen ein Maulkorb verpasst? Hier sprechen einige über ihre Situation.
Hände halten ein Smartphone vor der Skyline von Dubai
Zwischen Bling-Bling und Raketen: Deutsche Influencer in Dubai erlebt man dieser Tage als aufgescheuchte Gemeinschaft. Im Bild eine Rakete über dem Himmel des Emirats
© stern-Montage: Illustration: Philipp Sipos / stern; Fotos: Imago Images(2), AFP

Diamantklar glitzert das Wasser des Persischen Golfs, im Hintergrund kitzeln Wolkenkratzer den Himmel. Mit dem SUV geht es in die Wüste oder zu Edelboutiquen in gigantischen Shoppingmalls. Der Imagefilm, beauftragt von der Regierung Dubais, zeichnet das Bild einer hochmodernen Wüstenoase ohne Limits. Das Versprechen: Luxus, Action und Erholung.

Deutsche Influencer pinseln fleißig mit an diesem Bild. Seit Jahren zieht es sie ins Emirat. Niedrige Steuern, gutes Wetter – und keine Kritik am Regime. Das ist der Deal. Die meisten Content-Creator machen sogar offensiv Werbung für ihre Wahlheimat. Influencer wie Georgina Fleur oder Sara Harrison, zusammen bringen sie es immerhin auf rund 3,5 Millionen Follower auf Instagram, loben ständig die Sicherheit im Emirat. Protz-Prinz Marcus von Anhalt brüllt seit Jahren in sein Smartphone: „Life is better in Dubai!“

Seit einigen Tagen ist diese Behauptung fragwürdiger denn je: Der Iran feuert Drohnen und Raketen ins Urlaubsparadies, Trümmerteile stürzen vom Himmel, die Luxusinsel „The Palm“ wurde getroffen, im Prunkhotel „Burj Al Arab“ kam es zu einem Brand. Die aktuellen Ereignisse schlagen Löcher in die Hochglanz-Fassade – und setzen die Instagram-Emigranten offenbar unter erheblichen Druck.

Influencer in Dubai sind dieser Tage eine aufgescheuchte Gemeinschaft

Sowohl die skurrilen Szenen, die sich dieser Tage in den sozialen Medien abspielen, als auch die Gespräche, die der stern mit Influencern vor Ort führen konnte, erlauben einen Einblick in eine aufgescheuchte Gemeinschaft: Auf der einen Seite die, die offen über die Einschränkungen ihrer Redefreiheit sprechen. Auf der anderen Seite jene, die völlig verunsichert scheinen. Und dazwischen diejenigen, die Dubai noch immer darstellen als Hort des Friedens.

Mehr zum Thema