Nordkorea ist längst kein isolierter Außenseiter mehr, sondern ein geopolitischer Risikofaktor mit globaler Reichweite. Die ZDF-Dokumentation "Nordkoreas Geheimnisse – Die Waffen des Diktators" beleuchtet die rasante militärische Aufrüstung des Regimes von Kim Jong-un und fragt, welche Gefahr von der abgeschotteten Diktatur im Fernen Osten ausgeht – und wie dem einst von der westlichen Weltöffentlichkeit wegen seines oft bizarr wirkenden Auftretens und latenten Größenwahns belächelten Staatschef der Aufstieg zur Atommacht gelungen ist.
Der Film von Nico Schmolke, Johannes Müller und Jan Vollmer zeichnet den Weg Nordkoreas von einem isolierten Land zu einer bedrohlich wirkenden Diktatur nach. Es ist eine Regionalmacht, die gezielt die Nähe zu Russland und China sucht. Ein Wendepunkt ist dabei die offene Unterstützung Russlands im Ukrainekrieg. Im Sommer 2025 zeigt das nordkoreanische Staatsfernsehen Kim Jong-un bei der Rückkehr gefallener Soldaten, die an der Seite Russlands gekämpft hatten – offensichtlich sogar weinend um die Toten aus seinem Land. Der Diktator gibt öffentlich zu, dass er sich in einen Krieg in Europa einmischt. Der Gegenwert für die militärische Hilfe: Hunderte Millionen US-Dollar, die Kim in neue Waffenprogramme investiert.
Immer neue Drohnen, U-Boote und Raketen
Internationale Beobachter sind alarmiert. Die Dokumentation geht der Frage nach, wie gefährlich Kims Regime für die Welt wird und was der Machthaber mit seinen neuen Waffen vorhat. Da sich Nordkorea nahezu vollständig abschottet, müssen Analysten auf hochauflösende Satellitenbilder zurückgreifen. Diese zeigen neue Hangars für Drohnen, den Bau moderner U-Boote mit atomar bestückbaren Raketen, aber auch Rückschläge, etwa wenn eine Fregatte beim Stapellauf kentert. Die tatsächliche Einsatzfähigkeit des massiv aufgerüsteten Militärs bleibt unklar.
Einen historischen Rückblick liefert der ehemalige deutsche Botschafter Thomas Schäfer. Er schildert, wie er vor gut zehn Jahren noch hoffnungsvoll auf Kim Jong-un blickte. Die Modernisierung des Landes ließ zunächst vermuten, dass Nordkorea politisch und militärisch gemäßigter auftreten könnte. Diese Erwartungen zerschlugen sich jedoch, als Kim systematisch mögliche Rivalen ausschaltete und 2017 mit einem großangelegten Nukleartest den Weg Nordkoreas zur Atommacht vollendete.
Auch internationale Verhandlungspartner kommen zu Wort. Insider wie der US-Sicherheitsexperte Sydney Seiler oder der südkoreanische Gesandte Moon Seong-mook berichten von immer neuen Enttäuschungen im Umgang mit Pjöngjang – und davon, wie selbst die ungewöhnliche Aufmerksamkeit von Donald Trump für Kim Jong-un keine nachhaltigen Ergebnisse brachten.
Besonders eindrücklich sind die Berichte von Geflüchteten, die in der ZDF-Doku ausführlich über ihr Schicksal sprechen. Sie schildern, wie das Regime die eigene Bevölkerung ausbeutet. Kim Min-hee, in Pjöngjang aufgewachsen, wird nach Malta geschickt, um dort unter Zwang in einer Textilfabrik zu arbeiten. In Nordkorea selbst schuften Menschen in Lagern bis zu 20 Stunden täglich in Minen oder auf Feldern. Viele sterben an Hunger und Überlastung.
Nordkoreas Geheimnisse – Die Waffen des Diktators – Di. 03.03. – ZDF: 20.15 Uhr