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Mönchengladbach in der Bundesliga Darum ist Favres Gladbach die Mannschaft der Saison


Die Champions League so nah wie nie, überzeugende Auftritte gegen Bayern und Dortmund: Borussia Mönchengladbach macht aus kleinen Möglichkeiten das Maximale. Vier Faktoren für den Erfolg.

Sie werden das nicht lesen wollen am Niederrhein. Sie würden sagen, die wichtigen Spiele kommen noch. Wolfsburg, Leverkusen. Da kann man noch alles verspielen. Doch alles, das bedeutet im Fall von Borussia Mönchengladbach in dieser Saison höchstens: die direkte (!) Qualifikation für die Champions League.

Den Qualifikations-Platz haben die Gladbacher nach dem fulminanten 3:1-Sieg gegen Dortmund mit 12 Punkten Vorsprung auf Europa-League-Platz fünf so gut wie sicher. Die Borussia müsste in den verbleibenden sechs Spielen schon mehr als viermal verlieren, um die CL-Quali noch herzuschenken. Das wird kaum passieren. Und darum, auch wenn das die Gladbacher nicht lesen wollen: Nicht die überdominanten Bayern, nicht die wiedererstarkten Wolfsburger mit ihrem Mammut-Sponsor im Rücken, nein, Lucien Favres Borussia ist das Bundesliga-Team der Saison. Keiner macht so viel aus den bescheidenen Möglichkeiten wie die Borussia.

Das Erfolgsrezept der Gladbacher basiert auf vier Säulen. Der Überblick:

1. Das bescheidene Auftreten im Verein

Bei der Borussia hat man seit den Jahren, in denen der Verein haarscharf am Abstieg vorbeischrammte, ein besonderes Denken verinnerlicht. Der Verein bietet dabei den Gegenentwurf zum HSV. Das Kernmotto lautet: Klein reden, groß spielen. Nicht, dass sich die Verantwortlichen um Manager Max Eberl und Trainer Lucien Favre permanent schlecht reden würden. Nein, mittlerweile hat sich genug Selbstbewusstsein am Niederrhein gebildet, um zu sagen: Wir wollen in die Champions League. Doch - und das ist entscheidend - die Erwartungshaltung war nie unrealistisch. Am Anfang der Saison abwartend, irgendwann fordernd, aber eben nie überfordernd. Antworten auf die Ansprüche gibt das Team am liebsten auf dem Platz. Wie beim 2:0-Sieg beim FC Bayern. Oder am Wochenende beim starken 3:1 gegen Dortmund.

2. Favres perfektes System

Lucien Favre verlangt seinen Spielern eine enorme Disziplin ab. Auf dem Platz geht die mannschaftliche Ordnung, die geschlossene Defensive über alles. Das führt im Extremfall, und besonders an schlechten Tagen, zu langweiligem, statischem Fußball. Das führt aber vor allem dazu, dass die Borussia an schlechten Tagen niemals hinter die eigene Disziplin zurückfällt. Und dadurch im Vergleich zu den vergangenen Spielzeiten kaum verliert. Dazu kommt: Die schlechten Tage gab es in dieser Saison selten. Das System verschafft ein grundsätzliches Selbstvertrauen - und vor dem Hintergrund kann die Offensive brillieren.

3. Favres Motivationskünste

Lucien Favre fällt zwar vor allem durch sein taktisches Verständnis auf. Alle Spieler im Kader haben sein Denken verinnerlicht. Doch dabei wird Favres Fähigkeit unterschätzt, Spieler bei Laune zu halten. Er hat einen in der Breite ausgeglichenen Kader zur Verfügung. Doch selbst in Zeiten, in denen nach Pokal-Aus und Aus in der Euro-League keine Doppelbelastung mehr anfällt, schafft es der Coach, geschickt zu rotieren und jedem Spieler seine Rolle klar zu machen. So konnten über die gesamte Saison gesehen alle hochveranlagten Offensiv-Spieler wie Hahn, Raffael, Kruse, Herrmann, Hazard oder Traoré ihren Beitrag zum Erfolg leisten. Favre hat ein echtes Team geformt.

4. Eberls Gespür und Verhandlungsgeschick

Max Eberl lebt Borussia Mönchengladbach. Das heißt auch: Er lebt das oben genannte Motto "klein reden, groß spielen" vor wie kein Zweiter. Groß spielen bedeutet bei Eberl natürlich groß verhandeln. Der Manager hat es geschafft, vielversprechende Spieler nach Gladbach zu locken und so den Kader in der Breite perfekt aufzustellen. Das gilt auch für den finanziellen Hintergrund. Am Niederrhein gibt es nicht den einen Großverdiener, der doppelt so viel Gehalt bekommt wie der Rest des Teams. Auch das führt dazu, dass die Mannschaft weitestgehend frei von Neid ist - und so ein homogenes Team entstehen konnte.

Felix Haas

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