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Craft Beer ist mein Bier Hört auf diese Einheitsplörre namens Pils zu trinken!


Craft Beer ist hip. Und das ist auch gut so. Schließlich liegen im Craft Beer die Ursprünge des Bierbrauens - und etwas Besseres als Indian Pale Ale gibt es sowieso nicht.
Ein Kommentar von Linda Gondorf

Wenn ich Lust auf ein Bier habe, dann greife ich schon seit Jahren zu einem Indian Pale Ale, einem Stout oder einem Summer Ale. Geht es allerdings darum, den Durst zu stillen, ja, dann kann es auch mal ein Beck's oder Astra sein. Doch sind wir mal ehrlich: Wirklich bekömmlich waren die noch nie.

Der Trend geht hin zu Craft Beer. stern-Autor Tim Sohr würde nun behaupten zum "Hipster-Bier". Und da halte ich gegen. Schließlich bedeutet Craft Beer einfach nur, dass es handwerklich von einer kleinen Brauerei hergestellt wurde. Nimmt man es ganz genau, war selbst ein 1842 gebrautes Pilsner Urquell ein handwerklich gebrautes Bier – und das erste nach Pilsener Brauart hergestellte Getränk.

Alternative Bierkultur? Hat nichts mit Craft Beer zu tun

"Wenn es auf dieser Welt noch irgendetwas gibt, zu dem es keine Alternative braucht, dann Bier", so Tim Sohr. Vollkommen richtig. Denn bei Craft Beer handelt es sich schließlich auch um Bier – und zwar historisch gesehen um die Anfänge des Bierbrauens.

Hier den kompletten Brauprozess eines Bieres zu erklären, würde den Rahmen sprengen. Aber fest steht: In Craft Beer, das nach Zitrus, Grapefruit, Kakao oder Chili schmeckt oder riecht, sind diese Substanzen gar nicht drin. Hierbei handelt sich um den Hopfen, der sich innerhalb des Brauprozesses zu diesen Aromen entwickelt. Kein Braumeister würde auch nur im Ansatz auf die Idee kommen, eine Chilischote in den Maischebottich oder das Gärfass zu werfen – wobei das sowieso wenig bringen würde.

Der Geschmack des Bieres entsteht beim Läutern. Je nach Menge der Nachgüsse verändern sich die Konzentrationen von Stärkeabbauprodukten und Malzzucker in der Würze – aber um das zu wissen, müsste man sich intensiver mit der Braukunst auseinandersetzen. Das ist für den langweiligen Pils-Konsumenten, der seit Jahren Krombacher trinkt, eindeutig zu viel des Guten.

Mixgetränke? Können Sie vergessen!

Wer weiß, vielleicht haben die großen Brauereien auch einfach mit ihrem "Reinheitsgebot" die Hose voll. Industrielle Konzerne sollten sich lieber zurück besinnen, auf ihre ursprünglichen Traditionen, anstatt aus Profitgier schlechtes, nichtssagendes Bier wie Kölsch herzustellen – oder Mixgetränke, damit auch die Frauen endlich Bier trinken.

Das Phänomen der Mixgetränke kann ich nicht nachempfinden, obwohl viele meiner Freundinnen natürlich "Beck's Lemon" schlürfen, weil es so angenehm "spritzig" ist und so wenig nach dem Gerstensaft schmeckt. Geht's noch? Bier panschen ist ein No-Go, meine Freunde. Wer Bier mit Cola, Fanta oder Sprite "schmackhafter" machen will, der soll sich doch einfach direkt den Softdrink OHNE Bier bestellen.

Am Ende sollten Feinde des Craft Beers nicht auf die Idee kommen, Mixgetränke mit Craft Beer zu vergleichen, gar zu verwechseln. Letztendlich bleibt nur die Bitte an alle Bierliebhaber da draußen: Verschließt euch nicht, vor diesen wunderbaren kleinen Brauereien, die mit viel Liebe Bier in einer ganz besonderen Art herstellen.


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