Ist Freundschaft ein Wunder, wenn sie womöglich ein Leben lang gelingt? Oder doch bloß die Ähnlichkeit neurobiologischer Bausteine, die sich anhand von 80 Gefühls- und Gedächtnisschnipseln in einer MRT-Röhre nachweisen lässt? Definitionen gibt es zuhauf: Freundschaft ist freiwillig, sie ist gestützt auf Vertrauen, Zuneigung und Respekt. Offenheit, Sympathie und Wohlwollen sind notwendig, wenn sie zustande kommen soll. Das zeigt der ARTE-Film "Freundschaft – eine Superkraft?" von Manuela Richter-Jähnig (HR) anhand von erlebter Freundschaft und Glücksgefühlen, aber auch mit der Abfrage von wissenschaftlicher Akribie von Bochum bis Chicago.
Thalia Wheatley legt im Osten der USA Probanden in die Röhre, um einander ähnelnde Denk- und Gefühlsmuster als Voraussetzung für mögliche Freundschaften nachzuweisen. Doch Freunde im Leben zu finden, ist gar nicht so leicht. Wohl dem, der sie hat, wie die ARTE-Animationszeichnerin Émilie Tronche und ihre Freundin Ophélie, die jung und unbeschwert über ihre Seelenverwandtschaft reden. Oder etwa wie die Ballettstars Friedemann Vogel und seine Partnerin Eleonora Abbagnato, die sich nicht nur auf der Bühne blind verstehen.
Gefragt wird nicht zuletzt, ob angesichts zunehmender Vereinsamung durch moderne Technologien auch Avatare, vulgo: Maschinen, Freunde sein könnten. Erstaunlich, wie sich da die Expertin krümmen muss, um diese Möglichkeit zu verneinen. Die Avatar-Eigenschaft "Immer verfügbar" geht nicht, der andere muss auch anders sein dürfen. Die (nahe) Zukunft wird es zeigen.
Letztlich wird hier aber aus allem eine prall gefüllte Hymne auf die Freundschaft, die im Kleinen beginnen kann. "Geht raus, sagt Hallo zu Leuten, redet sie an!", sagt der Prof. in Chicago zu seinen Studenten, denn auch aus kleinen Kontakten können große Freundschaften entstehen.
Freundschaft – eine Superkraft? – Sa. 14.02. – ARTE: 23.15 Uhr