Editorial Ein Verbrechen, das alle Dimensionen sprengt


Liebe stern-Leser!

"In Österreich ist alles/immer am schlimmsten gewesen", schrieb Thomas Bernhard über sein Heimatland, in dem er vielen als Nestbeschmutzer galt. Doch ein Fall wie der von Amstetten hätte wohl auch die Vorstellungskraft dieses so gern ätzenden und provozierenden Schriftstellers übertroffen. Als Bernhard 1989 starb, da hatte Josef Fritzl seine Tochter bereits seit viereinhalb Jahren im Keller eingesperrt - und weitere 19 Jahre sollten folgen, in denen er sie fortwährend vergewaltigte und sieben Kinder mit ihr zeugte. Der Fall sorgt auf der ganzen Welt für Fassungslosigkeit und Entsetzen. Und auch die Österreicher selbst, die sich eben noch auf die Fußball-Europameisterschaft freuten, sind schockiert und haben nach einer aktuellen Umfrage das Grundvertrauen in die Behörden völlig verloren. Es geht mal wieder um Trägheit und Vertuschung und falsch verstandene Rücksichtnahme. Auf dieses Muster stießen auch die stern-Reporter, die in Amstetten und Wien die Geschichte des Tyrannen Fritzl recherchierten. Ihre Schlussfolgerung: Mit mehr Zivilcourage und weniger Obrigkeitsdenken wäre dieses grauenhafte Verbrechen vielleicht viel früher entdeckt worden.

Was soll ich bloss werden? Was kann ich, und was will ich überhaupt? Die Berufswahl ist eine der schwierigsten und folgenschwersten Entscheidungen im Leben eines jungen Menschen. Knapp eine Million Schulabgänger bekommen in den nächsten Monaten ihr Abschlusszeugnis in die Hand gedrückt und fragen sich: Welcher Ausbildungsweg ist für mich der richtige? Wird es den Beruf, den ich mir jetzt aussuche, in zehn Jahren noch geben? Der stern hat in Zusammenarbeit mit dem Berufsforscher Michael Weegen von der Universität Duisburg-Essen die Jobwelt für junge Leute analysiert. Die gute Nachricht: Die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt hat endlich auch den Nachwuchs erreicht. Akademiker studieren quasi mit Job-Garantie, und auch in vielen Ausbildungsberufen stehen die Perspektiven bestens. stern-Reporterin Silke Gronwald und Fotografin Bärbel Schmidt trafen junge Berufseinsteiger in ganz Deutschland - quer durch alle Branchen und Qualifikationen. Ergebnis: Die Stimmung ist positiv, die Einsteiger sind selbstbewusst und kennen ihren Marktwert. Die Zeiten, in denen Unternehmen aus einem vollen Pool verzweifelter Bewerber schöpfen konnten, sind vorbei.

Selbst die Sorgenkinder des Arbeitsmarkts, Tausende von Altbewerbern, sind wieder begehrt. Und zwar dort, wo die Nachwuchsnöte am größten sind – auf dem Bau. Gronwald erlebte beim Besuch des "Baucamp 2008" in Bayern, wie die Unternehmen mittlerweile um die Jugendlichen buhlen. Ihre Reportage beginnt auf Seite 60, gefolgt von der aktuellen Job-Ampel, die Michael Weegen für den stern entwickelt hat.

Herzlichst Ihr
Thomas Osterkorn

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