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Podcast "Faking Hitler": Folge 3: Wie Fälscher Konrad Kujau den Reporter um den Finger wickelt

Kujau arbeitet Tag und Nacht an den Fälschungen der Hitler-Tagebücher. Aber er kommt nicht hinterher. Welche abstrusen Geschichten muss er Heidemann noch auftischen? Das Lügengebäude wird immer höher, und Reporter Gerd Heidemann wird süchtig nach immer neuem Material.

Goldgräberstimmung. Anders ist das nicht zu bezeichnen, was sich zwischen dem Fälscher Konrad Kujau und dem stern-Reporter Gerd Heidemann nach ein paar Monaten abspielt. Das Geschäft mit der Lieferung immer neuer Tagebücher läuft wie geschmiert. Noch dazu wird die Freundschaft zwischen den beiden Männern immer enger. Gerd Heidemann scheint nicht zu ahnen, dass ihn sein Freund Conny Fischer, wie sich Konrad Kujau nennt, mit aberwitzigen Geschichten an der Nase herumführt.

Woher will "Conny" die Bücher denn eigentlich haben? Kujaus Legende über einen LKW-Fahrer aus der DDR eignet sich vorzüglich, um immer wieder Aufschub zu kriegen, wenn er mit dem Fälschen neuer Bücher noch nicht fertig ist.

"Faking Hitler": Die "Carin II" - Görings Jacht und Heidemanns Geldgrab
Görings Jacht "Carin II" im Jahr 1960

Die Jacht "Carin II" von Hitlers Reichsmarschall Hermann Göring, aufgenommen am 9. August 1960 im nordrhein-westfälischen Königswinter. Das Schiff ist 27,5 Meter lang und wurde von Göring vor allem für Fahrten auf der Nord- und Ostsee benutzt. Die Jacht wurde nach Kriegende von den Briten konfisziert und in "Prince Charles" umbenannt.

Picture Alliance

Dieser LKW-Fahrer ist nämlich alles andere als zuverlässig. Mal erzählt Kujau, die neue Ware käme "höchstwahrscheinlich" am Dienstag oder Mittwoch, dann verzögert sich doch wieder alles. Und plötzlich soll dieser Fahrer nun auch noch was verbummelt haben. Wohlgemerkt: "nichts von AH!", aber etwas anderes, Teures.

So durchsteigt der Podcast-Hörer allmählich, mit welchen perfiden Methoden der Fälscher seinen besten Kunden Gerd Heidemann in die Abhängigkeit treibt. Und während Heidemann seinem Kumpel Conny mehr und mehr vertraut, arbeitet der mit Hochdruck an seinem Fälscher-Schreibtisch an neuen Büchern.

Was sagt die Forschung heute?

Welche Rolle spielen die Hitler-Tagebücher, ihr Skandal, in der historischen Forschung eigentlich heute noch? Wir rufen Thomas Weber an. Er ist Professor für Geschichte und Internationale Politik im schottischen Aberdeen. Ein Historiker, der viel zu Hitler forscht und sich auch mit den Hitler-Tagebüchern beschäftigt hat. Warum interessiert die Figur des Jahrhundertverbrechers eigentlich so viele Menschen, und was haben Kujaus Tagebücher in der Forschung verloren, fragen wir Weber hier in der dritten Folge des stern-Podcasts "Faking Hitler". (Im Player oben und auf Apple Podcasts, Spotify und Deezer. Und hier geht es zur Übersicht aller Folgen.)