HOME

Claude-Oliver Rudolph: "Nicht genug Mumm"

Claude-Oliver Rudolph, 47, Schauspieler und Regisseur, über die Monogamielüge, uncoole Frauen-Aufreißer und männliche Schlappschwänze.

Ewige Treue? Liebe mich bis in den Tod? Das ist ein schönes Märchen aus Tausendundeiner Liebesnacht! Daran glauben Frauen und Männer vielleicht in der Stunde vor dem Traualtar. Biologisch aber sind sie gar nicht für die Monogamie geschaffen. Das will uns die Kirche nur einreden. Und die ist in Sachen Liebe sowieso ziemlich blind. Zum Glück gibt es ja auch noch Sigmund Freud und Wilhelm Reich.

Als bekennender Macho

bis heute müsste ich eigentlich sagen: Mich hat noch keine betrogen. Wahrscheinlich war's auch so - und wenn nicht, dann habe ich es zumindest nicht bemerkt. Jedenfalls wäre ein Seitensprung von meiner Frau Sabine kein Grund, mich von ihr zu trennen. Wir können jetzt schon bald Silberhochzeit feiern, so lange sind wir zusammen. Früher hätte es bei Untreue geknallt. Ich war Punker, war wild, als ich "Das Boot" gedreht habe. Wie hätte ich mich da von einer Frau betrügen lassen können? Jetzt bin ich ein bisschen cooler.

Vermutlich haben aber sowieso viele Männer nicht genug Mumm in der Hose, um etwas mit Sabine anzufangen. Die wissen, dass das dann mit mir nicht lustig Trallala werden würde. Ich bin mit den Hell's Angels befreundet und kenne Karl-Heinz Schwensen. Das Risiko wollen die Schlappschwänze von heute nicht eingehen. Wo gibt's denn noch richtige Männer? Belmondo hatte einen Schlaganfall, Charles Bronson ist tot. Ich bin mittlerweile ziemlich allein. Wie das allerdings aussähe, wenn Sabine sich eine längere Affäre leisten würde, weiß ich nicht. Entspannt könnte ich da nicht zusehen.

Weil ich nicht nur so tue

, als sei ich ein harter Brocken, sondern wirklich einer bin, mache ich keine Frauen an. Frauen aufzureißen wäre total uncool. Das passt nicht zu mir. Dass ich Weiber anmache, stand auch noch in keinem dieser bunten Kackblätter. Ich mag Frauen. Ich liebe Frauen. Aber ich muss nicht mit jedem Menschen, den ich mag, gerne anschaue, gleich ins Bett gehen. Für mich hat der Seitensprung auch etwas mit Liebe zu tun, mindestens Verliebtsein gehört für mich dazu.

Natürlich bekomme ich ab und zu Angebote, wie jeder, der viel unterwegs ist. Das letzte Mädchen, das es versucht hat, war eine Schauspielkollegin. Die hat mir im "Florian" in Berlin 70 Rosen auf den Tisch stellen lassen und ein Billetdoux geschrieben: "Ich möchte Dich kennen lernen!" Ist aber nichts passiert.

Aufgezeichnet von Anette Lache

print