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Getränkehersteller: Die Deutschen kennen nur Mumm-Sekt, obwohl die ganze Welt Mumm-Champagner trinkt

Ursprünglich waren sie mal eine Familie: der Mumm-Sekt und der Mumm-Champagner. Hierzulande wird aber nur der Sekt getrunken, im Rest der Welt der Champagner. Der stern hat mit Quentin Meurisse, dem Vize-Präsidenten von G.H. Mumm, gesprochen – und um Aufklärung gebeten.

G.H. Mumm

Der Champagner von G.H. Mumm ist einer der meist getrunkenen Champagner der Welt. Im Bild der "Grand Cordon". Die 0,75-Liter-Flasche kostet 39 Euro. Er ist selektiv in der Gastronomie oder online verfügbar.

Im Weinkeller meiner Familie stand seit jeher eine Kiste Mumm-Sekt. Die grüne Flasche mit dem silbernen Schriftzug. An Geburtstagen, Weihnachten oder wenn Gäste zu Besuch waren, öffnete mein Vater gern einen gut gekühlten Mumm. Dass hinter dem Markennamen Mumm auch ein Champagner-Haus steht, war mir damals nicht bewusst. Dabei ist er einer der meist getrunkenen Champagner der Welt (Platz drei, nach Moët und Veuve Clicquot) - und der meist getrunkene in Frankreich. Der Vize-Präsident Quentin Meurisse von G.H. Mumm (so heißt das Champagner-Haus - nicht aber die Sektkellerei mit dem silbernen Schriftzug) hat im Gespräch mit dem stern Licht ins Dunkel gebracht.

Vor langer Zeit, das war 1827, gründeten die Brüder Gottlieb, Jacobus und Philipp Mumm das Haus Mumm. Deren Vater stammte aus Solingen und verkaufte bereits 1761 in Köln seinen selbstgemachten Wein. Als Gottlieb starb, kam es 1852 zur Aufspaltung in zwei Unternehmen: G.H. Mumm & Co und Jules Mumm & Co. Heute gibt es die Champagnermarke G.H.Mumm, die zum Spirituosenkonzern Pernod Ricard gehört, mit Sitz mitten in der Champagne in Reims, Frankreich. Und das Sekthaus Mumm, das 2002 von Rotkäppchen übernommen wurde und seitdem den neuen Firmennamen Rotkäppchen-Mumm Sektkellerei trägt.

Mumm-Champagner kommt nach Deutschland

"Die beiden Marken haben heute nichts mehr gemein, auch wenn sie die gleiche Geschichte tragen. Heute haben wir nur das Abkommen, dass die Sektmarke Mumm existiert, aber sie kein Champagner, sondern Sekt produziert", sagt Quentin Meurisse. Mumm-Sekt ist derweil der meistgetrunkene Sekt in Deutschland. Jetzt soll aber auch der G.H. Mumm-Champagner auf den deutschen Markt kommen. Wieder. "Vor gut 100 Jahren haben wir den deutschen Markt verlassen. Das hatte damals politische Gründe. Seitdem sind wir nie wieder zurückgekommen, was total schade ist, weil es viele deutsche Champagner-Liebhaber gibt. Deshalb wollen wir das jetzt ändern", sagt der Vize-Präsident von G.H. Mumm.

Mumm-Champagner ist ein sehr klassischer Wein mit starken Noten der Hauptrebsorte Pinot Noir. Die Struktur ist dicht, er schmeckt noch lange nach. Ein solider Champagner also. Dennoch ist er einer der meistgetrunkenen Champagner der Welt. Kann da die Qualität eigentlich noch stimmen? "Auf jeden Fall", sagt Quentin Meurisse. "Die Qualität steht und fällt mit Nachhaltigkeit und langfristiger Planung. Wir wissen genau, woher wir die besten Trauben für unseren Wein bekommen. Es geht um Wissen und auch ums Kulturerbe, das ist die Basis eines guten Champagners."

Ob der Mumm-Champagner hierzulande so viel Erfolg haben wird wie der Mumm-Sekt, bleibt fraglich. Anders als in Frankreich geht's den Deutschen bei Lebens- und Genussmittel immer noch vermehrt ums Geld. Und da hat ein 4-Euro-Sekt einfach bessere Chancen als ein fast 40-Euro-Champagner. Auch wenn er um Welten besser schmeckt.