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Korken müssen knallen: Ohne Prickel keine Liebe: Warum wir alle mehr Champagner trinken sollten

Champagner trinken ist elitär? Von wegen. Wieso das genaue Gegenteil der Fall ist, und was 67 Flaschen Champagner damit zu tun haben. Eine Liebeserklärung.

Champagner

Champagner ist zum Trinken da

Getty Images

"Das Leben ist schon schwer genug", sagte ein Kollege letzte Woche zu mir und gab mit einem Mausklick eine Bestellung von 67 Flaschen Champagner auf. Ein ziemlich selbstloser Akt: Er wollte sicherstellen, dass der Champagner immer floss. Und hat damit völlig Recht, wir sollten alle mehr Champagner trinken.

Früher dachte ich, Champagner wäre nur etwas für die Elite. Prollig und protzig. Irgendwie nur gut in Kombination mit Kaviar und Austern, nur ein Getränke für Porsche-911-Fahrer und Prada-Handtaschenträgerinnen im kleinen Schwarzen. Ich habe mich so geirrt.

Ein Kollege der Süddeutschen Zeitung schrieb über den Champagnerrausch, dass man davon "irgendwie eins drüber, aufgedreht und orginell" wird. Der Prickel drücke einen nicht in den Sitz, sondern er schleudert einen empor. Und, dass man Champagner nicht für besondere Momente aufbewahren, sondern sich diese selbst kreieren sollte. 

Champagner soll schmecken, fließen und wirken

Es kommt dabei keinesfalls auf das Preisschild an, das um den Korken baumelt. Ob der Champagner von einem hochdotierten Haus wie Veuve Clicquot oder Piper-Heidsieck stammt, oder aus dem Hause Edeka - völlig irrelevant. Wichtig ist, dass er schmeckt, fließt und wirkt.  

Neulich kam die Frage auf, ob man an einem Dienstagabend Champagner trinken sollte. Aus moralischen Gründen, es sei schließlich erst Anfang der Woche. Vielleicht saß bei einigen auch noch das Wochenende in den Knochen. Aber deswegen auf Champagner verzichten? Die Antwort bezüglich Schampus sollte eigentlich immer lauten: unbedingt sogar, erst recht an einem Dienstagabend.

Dem würde auch Dominique Cima-Sander zustimmen. Sie ist internationale Markenbotschafterin von Piper-Heidsieck, einem renommierten Champagner-Haus mit Sitz in Reims - im Herzen der Champagne. Es gibt schlechtere Jobs. Wenn sie spricht, erklingt der schöne französische Akzent in ihrem Deutsch. Sie ist schon viele Jahre Champagnerrepräsentatin und sie liebt das flüssige Gold. Warum man Champagner trinken sollte? Weil er einzigartig sei. Spricht sie von der Perlage (so nennt sich die Perlenbildung beim Schaumwein), von den Cuveés und dem Geschmack von Champagner, dann leuchten ihre Augen. 

Da steckt Liebe drin

Um die Liebe zum Champagner zu verstehen, muss man sich seiner Bedeutung bewusst sein. In der früheren Sowjetunion hieß JEDER Schaumwein "Schampanskoje", dabei ist seit 1927 genau festgelegt, in welchem Gebiet Trauben für Champagner angebaut werden dürfen, die Champagne. Sie umfasst rund 33.500 Hektar, ist also etwa so groß wie Nordrhein-Westfalen. Hier werden nahezu ausschließlich drei Rebsorten für den Schaumwein angebaut: die roten Rebsorten Pinot Noir (Spätburgunder), Pinot Meunier (Schwarzriesling) und die weißen Chardonnay-Trauben. Mindestens 15 Monate muss Champagner reifen. Drei Jahre, wenn er mit einem Jahrgang versehen wird. Wenn so viel Liebe in einem Produkt steckt, sollte es getrunken werden.

Die Kisten sind indes eingetroffen. Wer jetzt moniert, dies sei völlig versnobt, der hat Champagner nicht verstanden. Denn wir nehmen dem Getränk das Elitäre, indem wir ihn nicht für besondere Momente aufbewahren, sondern mit ihm den Alltag zelebrieren. Es ist Donnerstagabend. Der Prickel steht kalt, wir öffnen die erste Flasche. Das "Plopp", wenn der Korken dem Champagner entweicht, ist ein Geräusch ganz nach unserem Geschmack. Cheers. Das Leben ist schon schwer genug. 

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