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Japan-Erotik: "Fürchtet die Frau"

Eine Frau zeigt es Japans Männern. Beim Sex genauso wie im Beruf, denn Sex ist ihr Beruf. Anna Fubuki ist Regisseurin von Pornofilmen.

Diese Frau zeigt es Japans Männern. In beinahe jeder Lebenslage. Beim Sex genauso wie im Beruf, denn Sex ist ihr Beruf. Anna Fubuki ist Regisseurin von Pornofilmen. Als solche ist sie in Japan die einzige Frau, die es in diesem harten Männerberuf zu Erfolg gebracht hat. "Japan ist eine männerorientierte Gesellschaft", sagt die 35-Jährige. Und das gelte besonders für die Welt der "AV", wie Pornos in Japan in Anlehnung an den englischen Begriff "Adult Video" (Erwachsenen-Video) genannt werden. Zwar dreht die geschäftstüchtige Japanerin genau wie ihre männlichen Kollegen Pornos vor allem für Männer. Doch erhebt sie den Anspruch, mit ihrer Arbeit zugleich unterschwellig das herrschende Frauenbild ändern zu wollen.

"Ich drehe Geschichten, bei denen ich die sexuelle Lust der Frauen betone", sagt die Regisseurin. Normalerweise sollten Frauen aus Sicht der japanischen Männer generell zurückhaltend sein, auch beim Sex. In ihren oft lesbischen Filmen arbeite sie jedoch gerne mit Frauen, die "schön, stark und cool sind und eine gute Technik beim Sex haben". Darin liege zugleich die Botschaft an die Männer: "Wenn Frauen stark, schön, finanziell selbstständig und auch noch gut im Sex sind, warum brauchen wir dann noch Männer?", sagt die Japanerin. Männer sollten die Filme sehen "und ein bisschen Angst haben".

Das Bewusstsein unter heutigen Japanerinnen habe sich ziemlich verändert, meint Fubuki. Viele verdienen ihr eigenes Geld, heiraten später. Dennoch sei Japan hinsichtlich der Stellung der Frau noch immer "kein fortschrittliches Land". Für ihre vielen weiblichen Fans ist Anna Fubuki ein Vorbild: "Sie sagen, ich mache das, woran sie selbst in der Realität scheitern."

Dabei unterscheiden sich ihre Filme auf den ersten Blick nicht von Pornos männlicher Regisseure, wie sie selbst zugibt. "Meine Filme verkaufen sich gut, weil sie Männer ansprechen", erklärt die clevere Geschäftsfrau, die selbst bi-sexuell ist. Nur wer die Nuancen erkenne, verstehe die darin steckende Botschaft. Die allein erziehende Mutter eines 14-jährigen Sohnes macht keinen Hehl daraus, dass es ihr mit den Filmen letztlich ums Geld gehe. Außer ihrem Sohn, dem sie ihre Arbeit verheimliche, musste sich Fubuki früh finanziell auch um ihre kranke Mutter und ihre zwei jüngeren Schwestern kümmern.

Nach ihrem Studium arbeitete Fubuki zunächst als Bürokraft, heiratete und bekam ihr Kind. Kurz vor ihrer Scheidung begann sie, als Hostess zu arbeiten. Mit 25 Jahren fing sie an, in Porno-Filmen aufzutreten. "Seit meiner Kindheit denke ich pausenlos an Sex", sagt sie. Doch Fubuki erkannte, dass Porno-Darstellerinnen "genommen und schnell wieder weggeworfen werden". Da sie jedoch Geld brauchte und zudem kreativ sein wollte, plante sie früh ihren nächsten Schritt:

Mit 27 begann sie, eigene Pornos zu drehen. Bei ihren männlichen Mitarbeitern stieß sie damit auf Widerstand. Nach drei Jahren habe jedoch keiner mehr genörgelt. "Meine Art, an die Arbeit zu gehen, scheint ’männlich’ zu sein." Auch in ihrem sozialen Umfeld habe sie keine Probleme. "Weil die Leute eine Diskrepanz zwischen meinem Beruf und meiner Person sehen, finden sie mich interessant", sagt die attraktive Japanerin, deren Idol die Pop- Sängerin Madonna ist. "Ich will so sein wie Madonna. Dem Alter entsprechend immer eine schöne, interessante Frau sein."

Das erinnert etwas an die "Madonna-Strategie", die die Vorsitzende der damaligen Sozialisten, Takako Doi, Ende der 80er im Wahlkampf verfolgt hatte. Sie hatte mit ihren Mitstreiterinnen politisches Bewusstsein unter Frauen geweckt. Seit den 80er Jahren hat sich auch das Bild der Frau in Japan gewandelt. Im Fernsehen wurde das Klischee von der schwachen und demütigen Frau durch neue Bilder ersetzt: starke und zielbewusste Frauen mit verunsicherten Männern.

Genau diesem Bild entspricht Fubuki in den Augen ihrer Fans. "Es kommen Frauen zu mir, die so stark werden wollen wie ich und auch "AV"-Regisseurin werden wollen. Doch so einfach ist das nicht", sagt sie. Sie selbst hat noch viel vor. "Vielleicht", sagt sie lächelnd, "werde ich sogar einmal Politikerin."

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