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Rüdiger Nehberg: "Von Baum zu Baum"

Der gelernte Konditor Rüdiger Nehberg, 68, über sein exzentrisches Leben als Abenteurer, gescheiterte Ehen und das Glück verständnisvoller Partnerinnen.

Die meisten Frauen könnten wohl nicht mit jemandem wie mir zusammen sein. Meine langen Reisen und die oft lebensbedrohlichen Abenteuer - daran ist meine erste Ehe zerbrochen. Während ich bei den Indianern im Urwald war oder mit dem Tretboot über den Atlantik gestrampelt bin, hat meine Frau Maggy meine Konditorei in Hamburg am Laufen gehalten. Manchmal für drei, vier Monate, solange ich eben weg war. Dafür habe ich sie unheimlich geschätzt. Mit der Zeit wurden meine Projekte aber immer extremer, und es entwickelte sich dieses Survival-Thema. Das war einfach nicht ihr Ding. Irgendwann hielt Maggy die ständige Angst um mein Leben nicht mehr aus. Nie hatten wir uns gestritten, und trotzdem kam sie nach 25 Jahren Ehe zu mir und sagte: "Lass uns in Freundschaft trennen." Eine Partnerschaft ohne Gemeinsamkeiten, die über das Körperliche hinausgeht, kann nicht funktionieren.

Meine jetzige Freundin Annette hat zum Glück diesen Sinn fürs Extreme: Sie hat keine Angst vor meinen Abenteuern. Bevor ich mich im vergangenen Sommer von einem Hubschrauber im brasilianischen Urwald aussetzen ließ, habe ich zu ihr gesagt: "Wundere dich nicht, wenn mal eine Weile keine Nachricht kommt. Erst nach sechs Wochen kannst du anfangen, dir Sorgen zu machen. Wenn du acht Wochen nichts gehört hast: Öffne mein Testament!" Annette wusste von Anfang an, auf was sie sich einlässt.

Vor sechs Jahren haben wir uns in Offenburg auf einem meiner Vorträge über mein Leben kennen gelernt. Von Beginn an war sie offen für meine Projekte, und häufig sind wir auch zusammen auf Reisen gega ngen. Es ist wichtig, dass Annette mit Risiko und Entbehrungen umgehen kann, denn schließlich mache ich ja keine luxuriösen Reisen von Hotel zu Hotel - eher von Baum zu Baum. Hätte sie Probleme damit gehabt, wäre daraus wohl keine Beziehung geworden.

Ich habe mir die Partnerin ja auch danach ausgesucht, dass wir gemeinsam diese Dinge machen können. Aber selbst wenn ich lange alleine auf Reisen war, habe ich es nie so empfunden, dass man sich entfremdet, im Gegenteil: Die Trennung steigert die Sehnsucht. Eifersucht war für uns beide nie ein Thema. Für mich gibt's im Urwald oder auf einem Floß irgendwo im Atlantik ja eh keine Versuchung. Aber klar: Frauen, die all das mitmachen, sind selten. Wenn man so eine findet, dann ist das schon ganz besonderes Glück.

Aufgezeichnet von Michael Berg
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