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BRÜCKE-MUSEUM: Von den Einbrechern fehlt jede Spur

Einen Tag nach dem spektakulären Kunstraub in Berlin fehlt von den Tätern jede Spur. Aus dem Brücke-Museum waren neun Gemälde namhafter Expressionisten gestohlen worden.

Beim spektakulärsten Kunstraub der Berliner Geschichte sind neun Gemälde berühmter Expressionisten im Wert von mehreren Millionen Euro gestohlen worden. Von den Tätern fehlte am Sonntag nach Polizeiangaben noch jede heiße Spur. Sie waren am Samstagmorgen in das »Brücke«-Museum im Villenbezirk Dahlem eingebrochen, nachdem sie die Alarmanlage vorübergehend ausgeschaltet hatten.

Bilder im Wert von 10 Millionen Euro

Die Diebe entwendeten sechs Werke von Erich Heckel sowie je ein Bild von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Emil Nolde. Den Wert schätzten Experten auf mindestens zehn Millionen Euro. Wegen ihres hohen Bekanntheitsgrades gelten die Gemälde als auf dem Kunstmarkt unverkäuflich. Das Museum besitzt die weltweit größte Sammlung von Gemälden der expressionistischen Künstlergruppe »Die Brücke«.

Einbruch in den frühen Morgenstunden

Die Täter setzten die Alarmanlage mit Montageschaum außer Gefecht und deckten eine rote Warnleuchte mit einem Pappkarton ab. Sie schlugen zwischen 5.00 und 5.30 Uhr ein Fenster an der Rückseite des Museumsgebäudes ein und drangen in die Galerie ein. Die Diebe entwendeten jene Gemälde, die in unmittelbarer Nähe des zerborstenen Fensters hingen. Einige der gestohlenen Bilder sind knapp einen Meter hoch.

Nach Angaben des Hausmeisters, der wenige Schritte vom Museum entfernt wohnt, wurde der Alarm erst ausgelöst, nachdem die Diebe das Haus verlassen hatten. Er habe daraufhin sofort die Polizei alarmiert. Die Anlage ist den Angaben zufolge sowohl mit einem Sicherheitsdienst als auch der Polizei verbunden. Die Einbrecher flüchteten in einem Fluchtauto, das in einer Nebenstraße geparkt worden war.

Polizei sucht noch Zeugen

Die Ermittlungen liefen nach Polizeiangaben auf Hochtouren. Details wurden nicht genannt. Die Kriminalisten baten die Bevölkerung um Mithilfe. Sie suchen nach Zeugen, die die Diebe oder das Fluchtauto eventuell gesehen haben. Das Museum war am Samstag »aus technischen Gründen« geschlossen, am Sonntag aber wieder geöffnet. Anstelle der gestohlenen Gemälde wurden andere Werke gezeigt.

Mehr als 400 Gemälde im Museum

Die »Brücke« war 1905 in Dresden gegründet worden. Die in ihr engagierten Künstler wurden später von den Nazis als »entartet« geschmäht. Das 1967 eröffnete »Brücke«-Museum in Berlin-Dahlem besitzt die weltweit umfangreichste Sammlung von Werken aller Mitglieder der Gruppe, darunter mehr als 400 Gemälde sowie Tausende von Handzeichnungen, Aquarellen und Originalgrafiken. Ergänzt wird die Sammlung durch Skulpturen aus Holz, zahlreiche Dokumente und kunsthandwerkliche Arbeiten der Künstler.

Anliegen der Einrichtung ist nach eigenen Angaben die Erforschung und die Präsentation der Kunst der »Brücke« und ihrer Zeit. In zahlreichen Sonderausstellungen wird Leben und Werk der einzelnen Gruppenmitglieder aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt. Ebenso beleuchten Ausstellungen über andere expressionistische und avantgardistische Künstler des frühen 20. Jahrhundert das künstlerische Umfeld der »Brücke«-Maler.

Berlin war bereits 1989 Schauplatz eines spektakulären Kunstraubs. Zwei berühmte Gemälde von Carl Spitzweg waren aus dem Schloss Charlottenburg gestohlen worden. Sie sind bis heute nicht wieder aufgetaucht.